• Der weiße Hai: Eines der außergewöhnlichsten Lebewesen der Welt
  • Gigantisch: Ein weißer Hai wird zwischen 4 und 7 Metern lang
  • Das Mittelmeer ist seine Heimat: Seit langer Zeit ist der Raubfisch hier zuhause
  • Aber wie wahrscheinlich ist es, beim Schwimmen im Urlaub auf einen weißen Hai zu treffen?

Ein weißer Hai gehört zu den beeindruckendsten Meerestieren überhaupt. Mit einer Länge zwischen vier und mehr als sieben Metern und einem Gewicht von bis zu dreieinhalb Tonnen ist es kein Wunder, dass sich um den Raubfisch zahlreiche Erzählungen ranken. Doch weiße Haie sind nicht nur im Süd- und Nordpazifischen Ozean zu finden, sondern genauso im Mittelmeer. Nach aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen leben die Raubfische schon sehr lange Zeit im Mittelmeer. Trotzdem hat die Population der Haie mit der Zeit stetig abgenommen. Interessant: Bereits der erste dokumentierte Haiangriff fand im Mittelmeer statt. Der berüchtigte Bericht des griechischen Historikers Hetrodotus in den Historien beschreibt, wie 300 persische Schiffe unter dem Kommando des Invasors Mardonius an den Klippen des Berges Athos zerschellten und die Besatzungen von "Seeungeheuern" getötet wurden.

Wenn der weiße Hai lauert: Haiangriffe auf Menschen in der Neuzeit

Trotzdem ist die Summe der Haiangriffe im Mittelmeer in der Neuzeit bemerkenswert gering. Insbesondere vor dem Hintergrund, dass die Wasserfläche relativ klein ist und viele Menschen sie als Erholungs- und Nutzgewässer wie zur Fischerei nutzen. Außerdem kommen auf mehr als 100 Millionen Haie, die jedes Jahr von Menschen getötet werden, gerade einmal vier Menschen, die von Haien getötet werden. Doch der Gedanke an die Anwesenheit des berüchtigtsten aller Haie vor der Küste ist immer noch ein gruseliger. Geht es nach den Experten, schwindet jedoch die Chance stetig, einen weißen Hai im Mittelmeer ausfindig zu machen. "Weiße Haie waren im Mittelmeer früher zweifellos viel stärker verbreitet als heute", erklärt Alessandro De Maddalena, Professor für Wirbeltierzoologie an der University of Milan Bicocca, Italien, Haiforscher und Autor von „Mediterranean Great White Sharks: A Comprehensive Study", in einer E-Mail gegenüber National Geographic.

"Der Artenrückgang gilt aber nicht nur für weiße Haie, sondern viele Haiarten. Sie alle sind in den letzten 50 Jahren stark zurückgegangen, als Folge der Überfischung der Haie und ihrer Beutetiere.“ Um möglichst viel über den Raubfisch zu lernen, studiert De Maddalena jedes Auftauchen eines Hais. Dabei handelt es sich in der Regel um Sichtungen von Seeleuten, Fischern, Tauchern, Forschern und Militärangehörigen, aber auch um weniger sichere Quellen wie Kopfgelder die auf Haie ausgesetzt wurden, Gemälde auf denen Auseinandersetzungen dargestellt sind, oder andere Indizien für die Anwesenheit des Hais, wie unter anderem Bisswunden an Walleichen. Um eine Verwechslung auszuschließen, analysiert der Experte die Indizien und gleicht sie mit der Morphologie und dem Verhalten des Hais ab. Angereichert werden seine Analysen mit den Aufzeichnungen aus anderen Quellen wie dem Global Shark Attack File (GSAF) mit Sitz in Princeton, New York. 

Eine Beobachtung, die der Hai-Experte daraus ableiten konnte, war die Größe von weißen Haien im Mittelmeer. Die werden nämlich im Schnitt deutlich größer als ihre Artgenossen. „Der Grund dafür ist nicht unbedingt ein Überfluss an Beute“, erklärt De Maddalena. "Das Mittelmeer ist ein wichtiges Fortpflanzungsgebiet, denn die Straße von Sizilien ist das Hauptgeburtsgebiet für weibliche Weiße Haie - und auch ein wichtiges Aufzuchtgebiet für die Neugeborenen und die Jungtiere. Daher ist es normal, dass in diesem Gebiet so viele geschlechtsreife Weiße Haie beobachtet werden, die manchmal enorme Größen erreichen können." 

Hier sind sie heimisch: Wo weiße Haie im Mittelmeer leben

Der größte von De Maddalena identifizierte weiße Hai ist wahrscheinlich ein Weibchen mit einer geschätzten Länge zwischen 6,6 und 6,8 Metern, der am 15. Oktober 1925 vor Marseille, Frankreich, gefangen wurde. Fast genauso groß waren die gefangenen Haie aus 1987 vor Filfla, Malta, und drei weitere Weibchen mit geschätzten Maßen zwischen 6 und 6,2 Metern, die 1961 vor Sizilien, 1976 vor Mallorca und 1985 vor Halkidiki, Griechenland. Und da die Jungtiere immer wieder zu ihrem Geburtsort zurückkehren, liegt das Hauptaufkommen der Raubfische derzeit in der Straße von Sizilien, der Adria und der Ägäis. Vorzugweise in Bereichen mit milden Wassertemperaturen. „Rund 15 Grad Celsius“ schätzt der Hai-Experte. 

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Diese Einschätzung bestätigt auch Yannis Papastamatiou, Haiverhaltensökologe und Professor der Florida international University. „Das Wichtigste ist eine ausreichende Nahrungsquelle und die richtigen Wasserbedingungen“, erklärt er. „Mittlerweile ist das Mittelmeer jedoch ein ziemlich nährstoffarmes Meer und wurde überfischt, sodass es wahrscheinlich viel weniger Beute gibt als früher. Das ist auch im Hinblick auf den Status des Meeres als Hotspot für den Naturschutz kritisch.“

Der von den Vereinten Nationen in Auftrag gegebene SOFIA-Bericht (State of World Fisheries and Aquaculture) aus dem Jahr 2018 weist das Mittelmeer als das vom Menschen am stärksten dezimierte Meer der Welt aus, in dem 62 Prozent der Fischbestände als überfischt eingestuft werden. Diese Entwicklung habe laut Papastamatiou auch Einfluss auf die Haie. „Insbesondere Weiße Haie sind dafür bekannt, dass sie Gebiete mit hohen Konzentrationen von Robben und Seelöwen aufsuchen“, erklärt er. Außerdem für den Forscher interessant: Die Haie schlüpfen schon im Bauch des Muttertieres aus den Eiern. Rund ein Jahr tragen die Weibchen ihren Nachwuchs aus, dann bringen sie etwa zehn rund ein Meter lange Nachwuchshaie zur Welt.

Chance eines Haiangriffs auf Menschen: "Verschwindend gering"

In einer 2019 publizierten Studie wurde die Präsenz des Weißen Hais im Mittelmeer prägnant zusammengefasst: Der Hai sei "selten, aber beständig". Die Quelle der Population sei entscheidend für das Fortbestehen des Tieres. Es gibt Spekulationen, dass die heutigen Weißen Haie im Mittelmeer das Ergebnis einiger weniger Haie sind, die zum Austragen ihrer Jungen den Weg in das Mittelmeer eingeschlagen haben. Andere Überlegungen besagen, dass das Vorkommen des Weißen Hais nur vorübergehend ist, da er aus dem Atlantik kommend regelmäßig durch die Meerenge von Gibraltar wandert um zu brüten. 

Fakt ist jedoch, dass die derzeitige Population nur wenig oder gar nicht aus dem Atlantik eingewandert ist, wodurch das Raubtier in einen ökologischen Druckkessel geraten ist, der es außerordentlich verwundbar macht. Das ergab eine Untersuchung einer Stiftung mit dem Namen „Save Our Seas“.  Wie viele weiße Haie jedoch tatsächlich im Mittelmeer sind, darüber gibt es keine verlässlichen absoluten Zahlen. "Es ist einfach unmöglich, das zu wissen", sagt De Maddalena. "Es können ein paar Dutzend oder ein paar Hundert sein.“ 

Sicher ist für den Haiexperten jedoch, dass von den weißen Haien so gut wie keine Gefahr für den Menschen ausgehe. Durch die geringe Anzahl der Raubfische und ihrer Aversion von Küstengebieten sei die Chance einem weißen Hai in Natura zu begegnen verschwindend gering. Es sei deutlich wahrscheinlicher zu ertrinken, erklärt der Experte.

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