Seit 2019 registriert das Robert-Koch-Institut immer wieder Fälle, in denen sich Menschen in Deutschland mit dem gefährlichen West-Nil-Virus infiziert haben. Zuvor wurde der Krankheitserreger vor allem bei Tieren, wie Vögeln oder Pferden, festgestellt.

Eine Biologin des Leibniz-Zentrums warnt nun: Zwei Gebiete in Deutschland sind besonders betroffen. Alle neuesten Erkenntnisse zum West-Nil-Virus findet ihr hier:

Update vom 10.05.2022: Forscherin stellt weitere Ausbreitung des West-Nil-Virus fest

Der Osten ist neben Bayern Hotspot für die Verbreitung des hierzulande erst seit Kurzem beim Menschen auftretenden West-Nil-Virus durch heimische Stechmücken. Das sagte Doreen Werner, Biologin am Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (Zalf) in Müncheberg (Märkisch-Oderland), der Deutschen Presse-Agentur. "Warum, wissen wir noch nicht."

Betroffen seien Thüringen, Sachsen-Anhalt, Sachsen und Brandenburg. Wissenschaftler des Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI) hatten Hausmücken bereits als Überträger des West-Nil-Virus - das ursprünglich vor allem in wärmeren Regionen der Erde vorkommt - identifiziert.

Das Virus kann in Stechmücken überwintern. "Je wärmer es dann wird, umso besser können sich die Krankheitserreger weiterentwickeln", erläutert Werner. Einige Infizierte leiden dann an grippeähnlichen Symptomen. Schwere Verläufe sind selten, können aber tödlich enden.

Bestens vor juckenden Stichen geschützt: Mückenspray bei Amazon kaufen

Auch mit Blick auf den Klimawandel gebe es eine Zirkulation von Viren, hat die Forscherin beobachtet. "Die Klimaveränderung führt dazu, dass sich die Erreger in den Mücken besser vermehren können. Zentraler Dreh und Angelpunkt ist aber die zunehmende Globalisierung", schätzt Werner ein. In Deutschland werden Fälle beim Menschen nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) seit 2019 registriert. Es sei damit zu rechnen, dass sich der Erreger in Deutschland weiter etabliert.

Exotische Mückenarten wie die Asiatische Tigermücke oder die Japanische Buschmücke sind seit langem als Überträger von Krankheitserregern bekannt, etwa dem Zika-, Dengue- oder Chikungunya-Virus. Am Zalf untersuchen Wissenschaftler die Verbreitung der eingeschleppten Mücken in Deutschland und die Frage, ob diese auch hierzulande Krankheitserreger übertragen können. Damit das passiert, also etwa eine Tigermücke den Erreger einer Tropenkrankheit verbreitet, muss sie zunächst mit infizierten Reiserückkehrern zusammentreffen, erklärt Werner. Dazu müssten Mücke und Virus kompatibel sein - das Virus müsse sich in der Mücke weiterentwickeln können.

Die Wahrscheinlichkeit sei gering, aber nicht mehr bei Null, sagt die Expertin. Die Bevölkerung müsse aufgeklärt werden und könne zudem die Wissenschaft unterstützen: Die Institute rufen auf, Mücken an das Zalf zu schicken, um ihre Verbreitung zu erforschen. Dort wird die Art bestimmt und in einem Mückenatlas eingetragen.

Update vom 16.09.2020: West-Nil-Virus breitet sich weiter in  Deutschland aus

Das aus Afrika stammende West-Nil-Virus breitet sich weiter in Deutschland aus. Mindestens zehn Menschen in Berlin und Leipzig haben sich mit dem West-Nil-Virus infiziert, so das Robert-Koch-Institut (RKI). Der Erreger kann Vögel und Pferde sowie Menschen infizieren und wird von Mücken übertragen. Ende 2019 steckte sich das erste Mal ein Patient in Deutschland mit dem Virus an, der vermutlich mit Zugvögeln aus Afrika nach Deutschland gekommen ist. Nun scheint der Virus in Deutschland auf dem Vormarsch zu sein.

Die besonders hohen Temperaturen der letzten Zeit haben ermöglicht, dass sich der Virus in der Mücke stark vermehrt hat, sodass es zur Übertragung auf den Menschen kommen kann, so Christoph Lübbert, Leiter für Infektionskrankheiten und Tropenmedizin am Universitätsklinikum Leipzig. Die Krankheit verläuft allerdings nur selten schwer. Etwa 20 Prozent der Infizierten haben Symptome wie Fieber, Hautausschlag, Abgeschlagenheit oder Muskelschmerzen.

Bei einem Prozent der Erkrankten aber greift das Virus das zentrale Nervensystem an, sodass die Patienten im Krankenhaus behandelt werden müssen. Folgen dieser schweren Variante können Lähmungen oder gar der Tod sein. Im Moment gibt es noch keinen Impfstoff für den Menschen. 

Zurzeit werden mehr als ein Dutzend Verdachtsfälle untersucht. Hotspots sind im Moment Berlin und Leipzig. Solange es weiterhin so warm bleibt, besteht die Gefahr des West-Nil-Virus weiterhin, denn die Ausbreitung des Virus ist sehr temperaturabhängig. Im Winter ist deshalb die Übertragung des Virus fast ausgeschlossen, aber durch den Klimawandel und die dadurch steigenden Temperaturen muss man laut Christoph Lübbert in Zukunft mit verstärktem Auftreten des West-Nil-Virus rechnen.

Update vom 11.09.2020: Zahlreiche Menschen in Deutschland laut RKI mit West-Nil-Virus infiziert

In Deutschland haben sich weitere Menschen mit dem von Mücken verbreiteten West-Nil-Virus infiziert. Wie das Robert Koch-Institut (RKI) am Donnerstag, 10.09.2020, berichtete, ist bei sieben Betroffenen in Leipzig die Erkrankung nachgewiesen worden. Bei je einer Person aus Berlin und Meißen sei die Infektion beim Test von Blut- oder Plasmaspenden entdeckt worden. Sowohl in Leipzig wie in Berlin gibt es den Angaben zufolge weitere Verdachtsfälle. Am 3. September hatte das RKI die ersten vier Fälle des Jahres gemeldet.

Wie es weiter hieß, habe unter den Betroffenen ein 76-jähriger Mann eine Enzephalitis entwickelt, zwei weitere Patienten - eine 32-jährige Frau und 85-jähriger Mann - eine Meningitis. Beides sind entzündliche Erkrankungen des Gehirns. Die Ermittlungen zum Beginn der Erkrankung und dem genauen Infektionsort der Patienten laufen noch.

Amazon-Buchtipp: Der Selbstversorger - Mein Gartenwissen (Der Bestseller in überarbeiteter und aktualisierter Neuauflage)

Keiner der Betroffenen habe von einer Reise berichtet, sodass von in Deutschland erworbenen Infektionen ausgegangen werde. Zudem werde erwartet, dass es vor allem in Leipzig, aber auch in den anderen betroffenen Regionen im August wahrscheinlich zu weiteren Infektionen gekommen ist, wo es jedoch zu keinen oder keinen schwerwiegenden Symptomen gekommen sei.

Das West-Nil-Virus ist ein aus Afrika stammender Erreger. Infizierte Mücken können neben Vögeln auch Säugetiere - vor allem Pferde - und den Menschen anstecken. Vor allem in Südeuropa gibt es seit einigen Jahren solche Fälle. Einen Impfstoff für Menschen gibt es bisher nicht. Häufig verläuft eine Infektion ohne Symptome. Wenn Erkrankungen auftreten, sind diese oft mit grippeähnlichen Erscheinungen wie Kopfschmerzen, Schüttelfrost oder Erbrechen verbunden.

2019 gab es in Ostdeutschland erstmals fünf diagnostizierte Infektionen beim Menschen, die vermutlich auf eine Übertragung im Inland zurückgingen - in Berlin, Sachsen-Anhalt und Sachsen. Das RKI hält Ansteckungen in Deutschland dauerhaft für möglich.

Da die Krankheit in Deutschland noch weitgehend unbekannt ist, kann es sein, dass Ärzte bei den Symptomen nicht auf eine mögliche Infektion mit dem West-Nil-Virus (WNV) schließen und daher auch keinen Test veranlassen.

Update vom 28.07.2020: Neue Fälle entdeckt - mehrere Vögel mit West-Nil-Virus infiziert

Nach mehreren Wochen ohne eine bekannte Neuinfektion wurde das Virus in den vergangenen Wochen wieder in Deutschland gefunden: In Sachsen-Anhalt konnte bei zwei Vögeln das Virus nachgewiesen werden. In Berlin wurde Mitte Juli zudem eine mit dem West-Nil-Virus infizierte Blaumeise entdeckt.

Wie die Deutsche Presse-Agentur berichtet, wurde vor kurzem eine Infektion bei einer Alpendohle aus Halle, sowie bei einem Uhu aus Bernburg entdeckt. Demnach seien die Infektionen am 15.Juli und einige Tage später, am 21.Juli 2020 nachgewiesen worden.

Mit Anti-Brumm gegen Stechmücken schützen: Hier gibt's das Spray bei Amazon

Auch in Thüringen wurde das Virus vor wenigen Tagen nachgewiesen. Wie das Thüringer Gesundheitsministerium am 22.Juli 2020 mitteilte, konnte das Virus bei einer erkrankten und verstorbenen Schneeeule aus dem Zoopark Erfurt festgestellt werden. Das West-Nil-Virus wird von Stechmücken übertragen. 2018 wurde die erste Infektion in Deutschland bei einem Bartkauz entdeckt. Ein Jahr später hat das Robert-Koch-Institut erstmals eine Infektion bei einem Menschen in Deutschland bekannt gegeben. Damals hatte sich ein 70-Jähriger aus Sachsen mit dem Virus infiziert. 

Ursprüngliche Meldung vom 18.02.2020: Stechmücken als Überträger des West-Nil-Fiebers

Der Klimawandel führt zu einer gefährlichen Entwicklung: Im vergangenen Jahr wurden nach Angaben des Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI) in Deutschland mehrere Menschen mit dem ursprünglich aus Afrika stammenden West-Nil-Virus infiziert.

"Als Überträger wurden heimische Stechmücken identifiziert. Sie saugen Blut sowohl bei Vögeln, als auch bei anderen Wirbeltieren und dem Menschen. So können sie das Virus von einer Spezies auf die andere übertragen", erläutert Doreen Werner, Biologin am Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF) in Müncheberg bei Berlin. Die eigentliche Tierseuche, die vor allem Vögel befällt, habe auch zu Erkrankungen bei Menschen geführt.

Jetzt Gartenscheren auf Amazon entdecken

"Die Krankheit zeigt keine eindeutigen Symptome und kann von leichter Übelkeit und Kopfschmerzen über Fieber bis hin zu schweren neurologischen Schäden variieren", sagt Werner. Je wärmer es sei, umso schneller könne sich das Virus in der Mücke vermehren. "Wir gehen davon aus, dass sich das West-Nil-Virus über Mücken in diesem Jahr weiter in Deutschland ausbreitet", sagte die Biologin, die eng mit Wissenschaftlern des FLI zusammenarbeitet.

In Hinblick auf die Klimaerwärmung werde die Thematik "Stechmücken als Krankheitsüberträger" zu einem dauerhaften Problem in Deutschland. Eine Rolle spielten dabei auch exotische invasive Arten, die sich weiter ausbreiten und tropische Erreger wie Zika- oder Dengue-Virus übertragen könnten, sagte die Mückenexpertin.

Mehr zum Thema: "Tödlichstes Tier der Welt" ist zurück: Asiatische Tigermücke breitet sich bei uns aus - hier brütet sie am liebsten

Artikel enthält Affiliate Links

*Hinweis: In der Redaktion sind wir immer auf der Suche nach nützlichen Produkten für unsere Leser. Es handelt sich bei den in diesem Artikel bereitgestellten und mit einem Einkaufswagen-Symbol beziehungsweise einem Sternchen gekennzeichneten Links um sogenannte Affiliate-Links/Werbelinks. Wenn du auf einen dieser Links klickst bzw. darüber einkaufst, bekommen wir eine Provision vom Händler. Für dich ändert sich dadurch nichts am Preis. Unsere redaktionelle Berichterstattung ist grundsätzlich unabhängig vom Bestehen oder der Höhe einer Provision.