Deutschland
Erziehung

Die 3 bekanntesten Erziehungsstile

Es gibt eine Reihe an verschiedenen Erziehungsstilen, nach denen du dein Kind erziehen kannst. Kurt Lewin, ein Psychologe, unterschied dabei zwischen drei grundlegenden Stilen.
Das gemeinsame Miteinander steht beim demokratischen Erziehungsstil im Fokus.
Das gemeinsame Miteinander steht beim demokratischen Erziehungsstil im Fokus. Foto: CC0 / Pixabay / Juuucy
+2 Bilder
  • Der autoritäre Erziehungsstil
  • Der demokratische Erziehungsstil
  • Der Laissez-faire-Erziehungsstil
  • Wissenswertes

Spätestens bei der Geburt des eigenen Kindes kommt die Frage auf: Wie erziehe ich mein Kind? Dieser Frage widmete sich auch der Psychologe Kurt Lewin und erarbeitete einen Rahmen mit drei verschiedenen Erziehungsstilen.

Der autoritäre Erziehungsstil

Grundsätzlich unterschied Kurt Lewin zwischen drei Erziehungsstilen: dem autoritären, dem demokratischen und dem Laissez–faire-Erziehungsstil. Bei dem autoritären Erziehungsstil handelt es sich um einen Stil, bei dem der Erzieher oder die Erzieherin die Autoritätsperson ist. "Autoritär" bedeutet dabei so viel wie "herrisch" und "befehlerisch". Sie hat das Sagen über das Kind, erteilt Befehle und bestimmt, was das Kind zu tun und zu lassen hat. Dabei handelt der Erzieher oder die Erzieherin nicht persönlich, sondern eher distanziert.

Jeder Erziehungsstil wirkt sich auch auf das Verhalten des Kindes aus. Durch die Autorität des Erziehers oder der Erzieherin ist das Kind in seiner Handlungsfreiheit und seiner Kreativität stark eingeschränkt. Oftmals orientieren sich Kinder nur an dem, was Erzieher*innen ihnen sagen und tun nichts spontan oder aus Eigeninitiative. Es kann zudem passieren, dass Kinder, die unter einem solchen Erziehungsstil aufwachsen, sich aggressiver verhalten und die eigene Person als positiver hervor stellen, indem sie bewusst auf die Schwächen von anderen Kindern aufmerksam machen. Dennoch kann sich der Stil auch positive Auswirkungen haben: Die Kinder lernen, sich diszipliniert zu verhalten, können sich unter Umständen besser in der Arbeitswelt einfinden und bekommen zudem klare Werte und Regeln übermittelt.

Ein Beispiel für ein Verhalten nach diesem Stil: Dem Kind schmeckt das Essen, das gekocht wurde, nicht. Folglich möchte es nicht weiteressen. Der Vater sagt: "Wenn du nicht aufisst, gehst du morgen hungrig ins Bett."

Der demokratische Erziehungsstil

Der sogenannte demokratische Erziehungsstil steht im direkten Kontrast zu dem autoritären Stil; häufig wird er deshalb auch als "antiautoritär" bezeichnet. Hier ist der Erzieher oder die Erzieherin nicht die bestimmende Person, sondern bezieht das Kind in alle Entscheidungen mit ein. Das Ziel ist also ein gemeinsames Miteinander. Dabei wird offen mit dem Kind über zukünftige Aufgaben und Tätigkeiten geredet; außerdem wird darüber gesprochen, welche Ziele man mit den Handlungen verfolgt. Die Kinder werden dazu ermutigt, eigene Entscheidungen zu treffen und neue Lösungsmöglichkeiten zu finden. Die Erziehenden begründen ihre Handlungen und Aussagen, loben sachlich und kritisieren dabei auch. Inwieweit das Kind tatsächlich bei Entscheidungen mitbestimmen kann, wird auch von dem individuellen Alter des Kindes abhängig gemacht.

Wie alle Erziehungsstile wirkt sich auch dieser auf das künftige Verhalten der Kinder aus. Oftmals sind Kinder, die demokratisch erzogen werden, sehr kreativ und können sich konstruktiv zu Sachverhalten äußern. Zudem sind sie in der Lage, Probleme selbst zu lösen und eigenverantwortlich zu handeln. Oftmals ist auch ein hohes Selbstwertgefühl sowie ein hohes Selbstvertrauen bei den Kindern zu beobachten, die demokratisch erzogen wurden. Problematisch könnte hier werden, dass Kinder gerne alles ausdiskutieren wollen und dies oft sehr viel Geduld und Zeit von den Eltern fordert. Zudem kann es sein, dass Kinder nicht bereit sind, Regeln oder Grenzen im Alltag zu akzeptieren.

Ein Beispiel für ein Verhalten nach diesem Stil: Das Kind kommt mit einer schlechten Note nach Hause. Eltern und Kind setzen sich gemeinsam hin und überlegen, wie man das Problem angehen könnte; beispielsweise mit Nachhilfe oder gemeinsamen Lernen.

Der Laissez-faire-Erziehungsstil

"Laissez-faire" kommt aus dem französischen und bedeutet so viel wie "machen lassen". Unter diesem Leitspruch bleibt der Erzieher oder die Erzieherin weitgehend zurückgezogen und passiv. Die Kinder können sich frei ausleben, während die Erzieher*innen nicht eingreifen. Ihre Aufgabe ist es, dem Kind Material zur Verfügung zu stellen und gegebenenfalls eine Hilfestellung zu geben. Dabei agieren sie jedoch eher neutral und zurückhaltend. Das Ziel ist es, das Kind "Kind sein" zu lassen.

Kinder, die unter diesem Erziehungsstil aufwachsen, können zunächst etwas verloren wirken, übernehmen jedoch nach und nach eine produktive und aktive Rolle und steigerten ihre Eigenverantwortlichkeit. Es kann allerdings auch passieren, dass Kinder diesen Stil als Überforderung wahrnehmen und nicht positiv überwinden, sondern gelangweilt, frustriert oder gereizt reagieren.

Ein Beispiel für ein Verhalten nach diesem Stil: Hilft das Kind dabei, den Tisch abzuräumen, wird es nicht gelobt. Es wird aber auch nicht bestraft, wenn es das Essen verweigert oder sich gar nicht erst an den Esstisch setzt.

Weiterführende Informationen

Die drei Erziehungsstile sind Konzepte, die dabei helfen können, erziehende Personen einem Typen zuzuordnen. Das Ziel ist dabei aber nicht, jede*n in eine Schublade zu stecken und einer Kategorie zuzuordnen. Selbstverständlich gibt es auch Mischformen und Überschneidungen in den Stilen.

Das Wort "Erziehung" kann auf verschiedene Weisen definiert werden. Der deutsche Sozial-, Bildungs- und Gesundheitswissenschaftler Klaus Hurrelmann versteht den Begriff folgendermaßen: „Erziehung kann als Versuch der Beeinflussung (Intervention) verstanden werden, durch den eine Verbesserung und Vervollkommnung der Persönlichkeit des Erzogenen erreicht werden soll. Die dabei angestrebten Erziehungsziele sind von den Erziehenden subjektiv beeinflusst, bevorzugte Eigenschaften bei Heranwachsenden heutzutage sind Ehrlichkeit, Selbstständigkeit, Verantwortungsgefühl und Selbstvertrauen." Mit "Erzieher*innen" sind also auch die Eltern, Lehrkräfte und verwandte oder befreundete Personen gemeint, die einen erzieherischen Einfluss auf das Kind haben. Diese sollten das Kind dabei unterstützen, zu einem stabilen und selbstständigen Individuum heranzuwachsen.

Hast du diese drei Konzepte vor Augen, kannst du dein eigenes Erziehungsverhalten besser reflektieren und dir über deine Handlungen bewusst werden. Die Konzepte können dir so helfen, deine Verhaltensweisen zu überdenken oder sogar zu ändern. Welcher Erziehungsstil der beste ist, kann nicht pauschalisiert werden. Letztendlich liegt es also bei dir, welches erzieherische Verhalten du als richtig ansiehst und bevorzugst.