Laden...
Urspringen
Export

Fränkische Orgel steht im chinesischen Nanjing

Die Orgelbaufirma Hey aus Urspringen (Kreis Rhön-Grabfeld) hat einen Auftrag der besonderen Art erfüllt: Die Franken haben eine Orgel mit über 1000 Pfeifen ins chinesische Nanjing geliefert.
Artikel drucken Artikel einbetten
In der neuen Kirche im chinesischen Nanjing steht die im Rhöner Orgelbauunternehmen Hey in Urspringen gebaute Orgel. Sie ist das Prunkstück und eine Besonderheit in China. Foto: Thomas Hey
In der neuen Kirche im chinesischen Nanjing steht die im Rhöner Orgelbauunternehmen Hey in Urspringen gebaute Orgel. Sie ist das Prunkstück und eine Besonderheit in China. Foto: Thomas Hey
+1 Bild
Seit wenigen Tagen ist der Wunsch von Pfarrer Lin Qinkuan aus dem chinesischen Nanjing in Erfüllung gegangen. In seiner neuen Kirche steht eine Orgel mit genau 1048 Pfeifen. "So viele wollte er, denn unter eintausend Pfeifen war es für den Pfarrer keine richtige Orgel", sagt Orgelbauer Thomas Hey aus Urspringen. Die Orgelbaufirma Hey hat nämlich die Orgel gebaut und sie nun auch in China aufgestellt.

18 Register auf zwei Manuale hat das Instrument, sagen die Rhöner Orgelbauer Thomas und Herbert Hey. Neun Meter ist die Orgel hoch und steht zweigeteilt im Altarraum. Die Gemeinde von Pfarrer Lin Qinkuan feiert in diesem Jahr 100 Jahre Christen in Nanjing, und dazu gab es eine neue Kirche - und natürlich auch eine Orgel. "Obwohl diese in China noch selten sind", wie Thomas Hey sagt.

Die neue Orgel ist aus Fichtenholz und in einem Creme-Ton lackiert, der gut in das moderne Design der modernen Kirche passt.
Das Gehäuse verfügt über Lamellen, wie sie auch der Kirchenraum aufweist. Es übrigens die einzige Orgel in der Provinz, erklärt Thomas Hey. Erstaunlich: Nur durch Spendengelder war es möglich, eine neue Kirche im Zentrum von Nanjing zu errichten und auch die Hey-Orgel ist durch Spendengelder finanziert.

Orgeln sind eine Besonderheit

Warum der Pfarrer so glücklich über eine Orgel in seiner Kirche ist? Thomas Hey: "Pfeifenorgeln stellen eine Besonderheit für das Land dar und machen Kirchen und Konzertsäle zu etwas ganz Besonderem." Die für Nanjing gearbeitete Kirchenorgel verfügt über eine Aufnahme- und Selbstspielfunktion und unterstützt künftig mit ihrem reichen und farbigen Klang den Gemeindegesang zum Lobe Gottes. "Für die Chinesen ist eine Orgel immer noch eine Seltenheit und gehört zur Krönung einer Kirche", sagt der Orgelbauer.

Schon Mitte letzten Jahres war der Pfarrer auf das Rhöner Unternehmen aufmerksam geworden und hatte nach einer kleinen Orgel gefragt. Der Grund: Die neue Kirche im Zentrum von Nanjing muss nach den Vorgaben der chinesischen Provinzregierung gebaut werden und darf nicht größer und prachtvoller sein als das Parteigebäude. Nanjing war die frühere Kaiserhauptstadt, weiß Thomas Hey. Eigentlich sollte die neue "Königin der Instrumente" am 1. Oktober mit der neuen Kirche eingeweiht werden. Das war nicht möglich, da die Bauarbeiten länger dauerten. Vor zwei Monaten kam die Orgel über Hamburg auf dem Seeweg nach China und wurde auf dem Fluss Jangtse bis nach Nanjing gebracht.

Nur wenige Organisten

Ein Problem in Nanjing sind die Organisten, und deshalb gibt es an der Orgel eine Aufnahme- und Wiedergabefunktion. Außerdem einen weiteren Pool mit klassischen Stücken, die für Konzerte abrufbar sind. Die sind aber auch zu Schulungszwecken vorhanden, um den Organisten hören zu lassen "wie zum Beispiel Bach auf der Orgel klingen muss." Dann kann es nachgespielt werden. Zum anderen kann auch ein kleines Konzert oder ein Orgelstück nach dem Gottesdienst gespielt werden.

Wie ist das vorstellbar? Thomas Hey sagt dazu: "Es werden nicht irgendwelche Aufnahmen abgespielt, sondern die elektronischen Funktionen werden aufgezeichnet und die Orgel selbst spielt dann, wobei sich auch die Tasten wie von Geisterhand bewegen." Lediglich die Orgel, die für die Weltausstellung in Yeosu (Südkorea) gebaut wurde, hat solch eine Aufnahmefunktion. In einer normalen Orgel ist so etwas zum ersten Mal eingebaut worden.
Verwandte Artikel