In Nürnberg sind alleine im Dezember 2021 acht Menschen an den "unmittelbaren Folgen ihres Drogenkonsums" verstorben. Das teilte die Nürnberger Suchthilfeeinrichtung "Mudra" mit. Innerhalb von drei Wochen habe es sechs Todesfälle gegeben, der letzte Tote des Jahres sei zwei Tage vor Heiligabend aufgefunden worden. 

Der Tod von Drogenkonsumenten und -Konsumentinnen sei nicht "zufällig", wird der geschäftsführende Mudra-Vorstand Norbert Wittmann in dem Statement der Suchthilfe zitiert. Warum sich die Todesfälle in Nürnberg aktuell so dramatisch häuften, dafür gebe es derzeit noch keine Erkenntnisse, auch nicht von zuständigen Ermittlungsbehörden. 

"Viel zu viele Menschen sterben jung und unnötig": Nürnberger Suchthilfe fordert Drogenkonsumräume

Es gebe jedoch "Hilfeangebote, die den Tod von Opioidkonsument*innen verhindern können, Angehörige von schmerzliches Verlusten und Leid bewahren und ganz nebenbei auch die Belastungen der Städte durch Drogenkonsum in der Öffentlichkeit vermeiden helfen", sagt Wittmann. Das lebensrettende Mittel „Naloxon“ im Falle einer Überdosis sei eine dieser Maßnahmen. Zwar werde das Naloxon-Programm von der bayerischen Regierung unterstützt und gefördert, wofür man "sehr dankbar" sei. 

"Dies funktioniert aber nur dann, wenn jemand zugegen ist, der dem Überdosierten das Medikament verabreichen kann und die Rettung alarmiert", heißt es in dem Statement. Bereits seit Jahren würde sich "die Fachwelt, Verbände, Träger der Suchthilfe, Mediziner, Städte und Bezirke in Bayern für die Zulassung von Räumen" einsetzen, in denen "schwer abhängigkeitserkrankte Menschen, medizinisch überwacht ihre Drogen konsumieren können, unter hygienischen Umständen und mit sterilen Utensilien".

Weil es diese Konsumräume in Bayern nicht gebe, würden "weiterhin viel zu viele Menschen, viel zu jung und unnötig" sterben, so die Suchthilfe. „Mit wenig Aufwand und Geld ließe sich der Tod von Mitmenschen und immense Folgekosten, beispielsweise von Rettungs- und Notfallbehandlungen, einsparen; ließen sich Spritzen sauber und sicher entsorgen und so viel mehr an Mehrwert für Betroffene, Angehörige und Bürger*innen unserer Städte und unser Gesundheitssystem schaffen“ so Wittmann in der Mitteilung

"Anhaltende Weigerung" trotz "Leid und Elend": Drogenpolitik von CSU-geführter Regierung scharf kritisiert 

Die Mudra übt deshalb heftige Kritik an der CSU-geführten Staatsregierung: „Die anhaltende Weigerung unserer Staatsregierung, diese sinnvolle und ressourcenschonende Hilfe zuzulassen, dort wo Leid und Elend groß sind, bleibt mir ein Rätsel", wird Wittmann zitiert. Jeder weitere Drogentote sei "ein mahnender Aufschrei an die Verantwortlichen, ihre Haltung endlich zu überdenken". 

Ein "gut geführter und sorgfältig ausgesuchter Ort in großen Städten, an dem sicherer Konsum suchtkranken Menschen angeboten werden kann, wäre im Sinne aller", so die Erfahrung der Mudra. Dabei könne auf "langjährige, positive und bestens evaluierte Erfahrungen in immer mehr deutschen und europäischen Städten" aufgebaut werden, mögliche Konfliktzonen könnten "erkannt und vermieden" werden.

Ein Drogenkonsumraum in Nürnberg, da sei sich Wittmann sicher, stelle sich als "wertig und entlastend" dar. Die Stadt Nürnberg hat bereits seit vielen Jahren mit überdurchschnittlich vielen Drogentoten zu kämpfen. Auch die bayerische Cannabis-Politik wurde kürzlich von der Nürnberger Suchtbeauftragten deutlich kritisiert.