• Nürnberg: Corona-Zahlen explodieren - kaum noch Intensivbetten frei
  • Wütendes Statement: Pandemiebeauftragter des Klinikums Fürth redet Klartext
  • Bevölkerung lasse sich von "Wissenschaftsleugnern vor sich hertreiben"
  • "Mitarbeiter können nicht mehr": Pflegepersonal schaffe es nicht, noch einmal durchzuhalten 

Wütendes Statement: Der Pandemiebeauftragte und medizinische Direktor des Klinikums Fürth hat sich zur Corona-Situation an die Bevölkerung gewandt. "Die Pandemie ist keine Privatsache", erklärt Manfred Wagner und gibt vor allem "Pseudoexperten" Schuld an der aktuellen Lage. Derweil sind im gesamten Großraum Nürnberg kaum noch Intensivbetten frei. 

Fürth: "Zeit für Klartext" - Pandemiebeauftragter schimpft auf "Querdenker"

"Es ist Zeit für Klartext", so Wagner in dem Video auf den sozialen Netzwerken. Man erlebe als vierte Welle "eine Pandemie der Ungeimpften". Bei einer "nahezu vollständigen Durchimpfung der Bevölkerung" gäbe es diese Welle nicht, so der Pandemiebeauftragte weiter. "Aus meiner Sicht lässt sich schon viel zu lange die Mehrheit der Bevölkerung in den Berichterstattungen und Talkshows von Querdenkern und Wissenschaftsleugnern mit schrägen Argumentationen vor sich hertreiben." Mit "immer neuen und immer unsinnigeren und vor allem falschen Behauptungen und Theorien" würden Menschen verunsichert, konstatiert der Mediziner. 

Es brauche keine weiteren Untersuchungen oder Forschungsergebnisse, findet Wagner. Die Impfungen bezeichnet er als "einzigen Ausweg aus der Pandemie", sie habe "ein extrem hohes Maß an Sicherheit". Die Gefahren und Nebenwirkungen durch die Infektion seien "um ein Vielfaches höher und gefährlicher als Nebenwirkungen der Impfungen", sagt Wagner in dem Statement. Die Frage, ob man sich impfen lasse oder nicht, sei "keine reine Privatsache". Eine "Minderheit an Egoisten" gebe jedoch den Ton an, so der Klinikdirektor. 

Das Nicht-Impfen von über 20 Prozent der erwachsenen Bevölkerung habe "immense Auswirkungen auf den Rest der Bevölkerung", so Wagner weiter. Er verweist auf "Patienten mit Herzinfarkt", der "überlebensentscheidende Minuten im Rettungswagen" verliere, Krebskranke, die nicht operiert werden könnten und im Sterben Liegende, die ihre Angehörigen nicht mehr sehen könnten. Der Punkt, an dem die Freiheit des Einzelnen ende, sei "bei dieser Pandemie und der Frage der Impfung lange erreicht." Die "Mitarbeiter können nicht mehr", sie könnten "nicht noch einmal durchhalten", bekräftigt Wagner. Und schließt mit einem Appell: "Lassen Sie sich nicht von irgendwelchen Pseudoexperten verunsichern. Lassen Sie sich impfen!"

2G im Klinikum Fürth: So schlimm ist die Corona-Lage im Raum Nürnberg

Am Mittwochmittag (10. November 2021) waren in den meisten Landkreisen und Städten im Großraum Nürnberg kaum Intensivbetten mehr frei. So waren auf der Intensivstation Fürth alle 36 Betten belegt, sieben davon mit schwer Corona-Kranken, fünf mussten aufwändig beatmet werden. In Erlangen, wo die Versorgung mit der Uniklinik traditionell besonders gut ausgebaut ist, war nur ein Intensivbett frei, auffällig hier: 20 von 21 Corona-Intensivbehandelte mussten beatmet werden. 

Im Nürnberger Land war am Mittwoch nur ein Intensivbett frei, in Roth zwei Betten, mehr als die Hälfte der Behandelten lagen hier wegen Corona auf der Intensivstation. Auch in Schwabach waren alle Betten belegt, von vier Intensivbetten, die hier im Normalfall zur Verfügung stehen, waren zwei mit Covid-Infizierten besetzt. Das zeigen die Zahlen aus dem DIVI-Intensivregister. 

Einzig in Nürnberg selbst waren am Mittag (Stand: 12.30 Uhr) noch einige Betten frei, 14 Stück von insgesamt 143. 27 Menschen mussten wegen einer schweren Corona-Infektion intensivmedizinisch behandelt werden, 18 davon sogar invasiv beatmet. Die Sieben-Tage-Inzidenz in ganz Franken lag am 10. November 2021 bei 294,4. Im Klinikum Fürth geht man deshalb ab Freitag einen Schritt weiter und lässt nur noch Besuche von Geimpften und Genesenen zu. "Wir orientieren uns an der Corona-Ampel und an den Regelungen in anderen Bereichen wie etwa der Gastronomie", erklärt eine Sprecherin gegenüber inFranken.de. Eine Empfehlung der Staatsregierung gebe es dafür aber nicht. "Ein Krankenhaus ist aber eben ein noch viel sensiblerer Bereich als eine Kneipe", so die Begründung. 

Das Video in voller Länge sehen: "Dann gäbe es diese Welle nicht" - Klinik-Direktor spricht Klartext

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