Nach Vierzehnheiligen hoch, daran vorbei, und bald darauf nach links weg, in die Büsche. Nein, ganz so unberührt ist der Lieblingsplatz von Hartmut Borchert nicht. Er ist sogar recht beliebt, denn er liegt am Mainwanderweg und am Frankenweg. Die Hohe Eller ist ein Begriff, die Aussicht dort ist weitreichend, und die Geschichten, die dem pensionierten Lichtenfelser Lehrer und Theologen Borchert zu diesem Fleck im Wald einfallen, sind weit zurückreichend.

Vor Jahrzehnten, sagt Borchert, während er durch den Wald geht, sei ihm an jenem Ort eine Frau aus Bamberg begegnet. Die wiederum suchte die Hohe Eller nicht einmalig, sondern mehrmalig auf. Dafür nahm sie eine 30 Kilometer weite An- und Abreise in Kauf.

Der ältere Herr versteht sich auf das Erzählen. Besonders die Schilderung von Landschaften beherrscht er. Er schätzt Naturlyrik und verfertigt bisweilen selbst welche. Aber er gibt auch wenig lyrisch zu, "wepsig" zu werden, wenn er von schönen Landschaften erfährt. Er hat sich schon einige erwandert, und die Hohe Eller in den 70ern als Ziel von Familienausflügen auserkoren. Bei einem dieser Ausflüge hielt er die Aufmerksamkeit seiner Kinder dadurch wach, dass er vor Überfällen warnte. Der Indianer wegen.

Zurück zur Naturlyrik: Am Ziel des Weges, dort wo der Pavillon auf der Hohen Eller zu finden ist, werden sich Laub- und Nadelwald zum Mischwald vermählen.


Anblick wird zum religiösen Erlebnis

Hinüber zur winterlichen Wirklichkeit: Der Himmel ist bewölkt, die Bäume sind kahl, im Sommer sieht es hier ganz anders aus. Eines aber ist sommers wie winters gleich: Aus Richtung Vierzehnheiligen kommend, überwiegen Buchen und Eichen. An vielen von ihnen rankt Efeu empor. Dann kommen vereinzelt Kiefern dazu. Ungefähr bei 474 Metern über dem Meeresspiegel gehen die Waldformen ineinander über. Auf dieser Höhe eröffnet sich auch ein umwerfender Blick - Kloster Banz, darunter die Weite eines Tals, etwas Vierzehnheiligen. Werbeslogans sprechen in Bezug auf die Lichtverhältnisse und manchen Gesamteindruck hier von einer "Symphonie aus Licht und Farbe".

"Natur - schön und gut. Aber wo Kunstdenkmäler dazukommen, wird ein Anblick fast zum religiösen Erlebnis", kommentiert Borchert. Wenige Meter von hier, an einer Abbruchkante gelegen, steht ein weiterer überdachter Ausblick. Dahinter, einige hundert Meter entfernt, hat Wolfgang Borchert vor vielen Jahren für sich entschieden, sich nicht beruflich aus dieser Gegend versetzen zu lassen.

Borchert streift gerne durch die Natur. Das Gefühl ist ihm dann näher als der Gedanke, die Empfindung näher als die Überlegung. Bei der Frage, ob die Natur dafür sorgt, dass man nach einem Spaziergang frohgemuter heimkehrt, als man ausgekehrt ist, nickt er. Als Theologe schätzt Borchert Kirchen, als Theologe hat er aber auch kein Problem damit, wenn Menschen Gottes Nähe auch in der Natur suchen und finden. "Das Naturerlebnis stimmt positiv", bekräftigt er den Sinn von Spaziergängen in der Natur. Hier an der Hohen Eller ist Verwunderliches zu sehen. Knorrige Bäume, beinahe schon schräge Vögel. Umgestürzt. Man braucht nicht viel Fantasie, um sich vorzustellen, dass dies hier auch die Kulisse für "Der Herr der Ringe" hätte sein mögen.

Ein starker Ast, weit in der Höhe, schlägt gen Süden aus und biegt sich dann nach Norden. Was mag den Ast zu dieser Kehrtwende bewogen haben? Ein wenig unwirklich mutet es derzeit hier an. Es ist nicht Borcherts bevorzugte Zeit, hierher zu kommen. Im Sommer und im Frühling zieht es ihn eher hierher. Vor vielen Jahren, war er sogar einmal um 6 Uhr morgens zum Ruhen hier. "Weil ich bei Bekannten durchgefeiert habe."