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Lichtenfels
Nächstenliebe

Trotz Corona: Hospizverein möchte Sterbenden etwas Nähe schenken

Mit Gesprächen in Schutzbekleidung, per Telefon und kreativen Ideen leistet der Hospizvereins Lichtenfels Betroffenen und deren Angehörigen Beistand. Auch in der Corona-Krise.
 
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Begleitung beim Sterben und der Trauer leisten auch in Corona-Zeiten die Mitglieder des Hospiz-Vereins Lichtenfels. Symbolfoto: Photographee.eu/Adobe Stock Foto: Symbolfoto: Photographee.eu/Adobe Stock

Obwohl sich wohl viele Menschen in diesen Monaten mit den Themen "Krankheit" und "Tod" näher auseinandersetzen und auch deshalb die Kontaktbeschränkungen befolgen, gibt es eine Gruppe von Menschen, die in den letzten Tagen ihres Lebens persönliche Kontakte benötigen. Die Rede ist von denjenigen Lichtenfelsern, die von unheilbarer Krankheit, Sterben, Tod und Trauer gezeichnet sind. Betroffene und Angehörige. Sie erhalten Unterstützung in Form von Begleitung und Betreuung durch den Hospizverein Lichtenfels, dessen Arbeit durch die Corona-Krise zwar eingeschränkt, jedoch nicht unmöglich ist.

"Es gilt Wege zu finden, wie eine Begleitung in diesen Zeiten funktionieren kann", formuliert Vorstandsmitglied Barbara Popp-Heimerl. Das beginnt schon bei der Koordination der ehrenamtlichen Hospizbegleiter, die Patienten sowie deren Angehörige betreuen. Durch persönliche Zugehörigkeit zur Corona-Risikogruppe oder zum Schutz anderer pausieren viele der 35 Freiwilligen. "Deshalb müssen wir flexibel und kreativ sein, um weiterhin betreuen und begleiten zu können", berichtet Koordinatorin Sabine Schramm.

Aus Schutz: 35 Freiwillige pausieren

Nicht immer können dabei derzeit die Wünsche nach spezifischen Begleitungszeiten erfüllt werden, manchmal müssen auch andere Kommunikationsmittel wie das Telefon genutzt werden. "Auch in Fällen, wo wir zu anderen Zeiten zwei Begleiter hingeschickt hätten, können wir nun nur einen einsetzen." In akuten Situationen sei aber ein persönlicher Kontakt gewährleistet. Das Tragen von FFP2-Schutzmasken und Schutzkittel sei im Patientenkontakt dann unabdingbar. "Der Abstand zwischen den Personen ist zwar ein Hindernis, aber Beziehungen können auch mit Abstand gehalten und gepflegt werden", weiß Barbara Popp-Heimerl aus Erfahrung.

Doch nicht nur die Nähe am Sterbebett, sondern auch Beratung und Begleitung der Angehörigen ist ein wichtiger Kern des Vereins. Deren Unterstützung, Anleitung und Koordination möglicher Hilfsangebote in der für sie so schweren Situation findet nach wie vor statt - sogar mit steigendem Bedarf. "Die Betroffenen müssen sich in diesen Tagen Informationen viel mühsamer zusammensuchen. Überall ist der Kontakt reduziert, jeder bleibt auf Abstand. Wir nehmen uns die Zeit und die Gespräche dauern länger." Trotz vieler Mühen und kreativen Lösungen ist die Arbeit für den Hospizverein Lichtenfels nicht einfach. Eine Begleitung von Personen in den Seniorenheimen etwa beinhalte stets die Frage nach dem Schutz der Ehrenamtlichen und der Betroffenen. Die Ehrenamtlichen, die unheilbar erkrankte Menschen in den Einrichtungen besuchen, haben die Möglichkeit eines vorherigen Covid-19-Schnelltests. Die Besuche dort seien trotzdem reduziert, Telefonate und Gespräche werden jedoch gepflegt. Der Verein steht in engem Kontakt mit vielen Seniorenheimen und Pflegeeinrichtungen, die in diesen Tagen eine immense Verantwortung tragen.

Viele Besuche der Mitglieder des Vereins finden deshalb derzeit nur in der häuslichen Umgebung der unheilbar Erkrankten und deren Angehörigen statt. Inhaltlich spiele Covid-19 bei den zu Betreuenden dagegen keine größere Rolle als für andere Personen. Sabine Schramm spürt zwar eine Sorge um eine Infektion, aber keine Angst. Viele leiden etwa mehr darunter, die Angehörigen aus dem Seniorenheim oder zu Hause nicht sehen zu können.

Viele leiden darunter, Angehörige nicht sehen zu können

Man könnte sagen: Die Corona-Krise schränkt Beziehungen ein - zwischen Hospizbegleitern, Patienten und Angehörigen, zwischen Koordinatoren und Ratsuchenden, zwischen den Ehrenamtlichen, macht sie aber nicht unmöglich. Doch auch, wenn regelmäßige und gut besuchte Veranstaltungen wie etwa das monatliche Trauercafé zum offenen Austausch derzeit entfallen müssen, kümmert sich der Hospizverein Lichtenfels, kämpft weiter - auch für "seine" Freiwilligen, ohne die die wertvolle Arbeit nicht zu leisten wäre. Viele von ihnen sind durch persönliche Betroffenheit den Themen Sterben und Trauer nahe und haben sich in diesem speziellen Fachbereich weitergebildet.

Der letzte Ausbildungskurs für ehrenamtliche Hospizhelfer konnte etwa erst im September des vergangenen Jahres mit hohem Organisationsaufwand und Hygienestandards zu Ende geführt werden. "Trotz Abstand und Maske ist zwischen den Teilnehmern eine Nähe entstanden, die im Umgang mit diesem sensiblen Thema grundlegend ist", hat Barbara Popp-Heimerl beobachtet. Nun warten frisch geschulte Ehrenamtliche auf ihren Einsatz für den Verein. Mit Situationen der Unsicherheit, die zum Umgang mit der Endphase des Lebens gehören, sind sie und alle anderen Begleitenden durch Ausbildung und Erfahrungen vertraut. Das ist "ein guter Grundstock" für die besonderen Herausforderungen in der Corona-Krise, so Barbara Popp-Heimerl. Normalerweise findet ein groß angelegter Austausch des gesamten Teams im Zwei-Jahres-Rhythmus im Rahmen der "Auftankwochenenden" statt. Ob dies im Jahr 2021 stattfinden kann, ist noch fraglich. Die Kontaktpflege wird derzeit durch regelmäßige Briefe und E-Mails gewährleistet.

Doch auch in anderen Belangen der Mitgliederpflege musste der Vorstand des Hospizvereins Lichtenfels kreativ werden: Im November und Dezember etwa wurde mit großem Engagement und Aufwand, nach mehrmaligen erforderlichen Verschiebungen einer Präsenzmitgliederversammlung, eine Mitgliederversammlung mit Neuwahl und Satzungsänderung im schriftlichen Umlaufverfahren durchgeführt - mit hoher Rücklaufquote und Erfolg. "Das ist sicherlich eine Innovation, die auch zeigt: Wir sind für neue Herausforderungen gewappnet", bekräftigt Vorstandsmitglied Dr. med. Andrea Starker. "Wir versuchen trotzdem, das Beste für diejenigen, die sich bei uns melden, herauszuholen", sind sich die Koordinatorin und der Vorstand einig. Während Letzterer gerade im Hintergrund die Voraussetzungen für ein internes und externes Gelingen der Vereinsarbeit gezogen hat, berichtet Sabine Schramm auch von abgeschlossenen Projekten, die ohne die zusätzliche Zeit wohl erst viel später abgeschlossen geworden wären: ein Flyer für palliative Mundpflege und eine Informationsschrift für Seniorenheime über die Leistungen des Hospizvereins.

Seit 1996 beraten und begleiten die Mitglieder des Vereins unheilbar Erkrankte oder Sterbende auf ihrem letzten Weg und deren Angehörige. In diesem Jahr feiert der Verein mit Sitz im Pabstenweg in Lichtenfels sein 25-jähriges Bestehen.