Die rund 40 Milchkühe von Klaus Gründel lassen sich nicht aus der Ruhe bringen. Sie liegen gemütlich auf ihren Strohhaufen und kauen gemächlich ihr Gras. Auch die Hofkatzen sind vom Trubel im Bad Staffelsteiner Ortsteil Krögelhof wenig beeindruckt. Eine verspeise gelassen einen Vogel. Rund ein Dutzend Menschen, darunter Landwirte, Vertreter von Behörden, Stadt und Presse, sind auf den Biohof von Gründel gekommen.

Denn das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Coburg (AELF) hat eingeladen. Es geht um den bäuerlichen Familienbetrieb und die ökologische Landwirtschaft. Die Vereinten Nationen (UN) haben 2014 zum "Internationalen Jahr der bäuerlichen Familienbetriebe" ausgerufen.

Eine genaue Definition solcher Betriebe kann auch Landwirtschaftsdirektor Harald Weber vom AELF nicht geben. Entscheidend sei für ihn, wer unternehmerisch das Sagen habe und das finanzielle Risiko trage. Sind diese und andere Faktoren gegeben, dann könne man von einem bäuerlichen Familienbetrieb sprechen.

Aber für ihn stehe fest, dass alle Betriebe im Landkreis Lichtenfels und auch im Coburger Kreis noch den Begriff bäuerlicher Familienbetrieb tragen können. Er vergleicht die Situation oft mit dem thüringischen Nachbarn. Dort seien großbetriebliche Strukturen üblicher als in Oberfranken. Aber Weber weist noch auf ein anderes Problem hin: "So stabil unsere Betriebe unterwegs sind, so fragil sind sie bei der Übergabe." Das liegt in der Natur der Sache.

Es muss ein Hofnachfolger aus der Familie gefunden werden, der die anspruchsvolle Arbeit als Landwirt übernehmen will. "Hier muss schon alles passen, damit die Übergabe auf die nächste Generation funktioniert: Kinder, Interesse, betrieblicher Erfolg und nicht zuletzt die öffentliche Meinung und die Anforderungen der Gesellschaft an den Berufsstand des Landwirts", sagt Weber. Das klappe trotz vieler agrarpolitischer Gegenmaßnahmen nicht immer: Im Landkreis gibt es jährlich zwei Prozent weniger Betriebe.

Hof von den Eltern übernommen

Ob der Hof der Familie Gründel an die nächste Generation übergeht, ist noch nicht ganz klar. Aber Klaus Gründel ist optimistisch: "Unsere Tochter ist erst zwei Jahre alt, aber auf dem Bulldog fährt sie schon gerne mit." Gründel hat den Hof 1997 von den Eltern mit 16 Kühen und 20 Hektar Fläche übernommen und auf die Bioland-Richtlinien umgestellt, denn für ihn stand eines fest: "Wenn Landwirtschaft, dann nur Bio."

Im Jahr 2000 ist dann der neue Stall fertig geworden. Heute hat er 40 Milchkühe und 83 Hektar. Es gibt einen kleinen Hofladen, wo die Familie selbst gebackenes Brot und andere Bioprodukte verkauft. Auf ein Vollsortiment verzichtet Gründel bewusst. Er verkaufe auch Produkte von anderen Bioland-Höfen, aber da stecke immer eine Geschichte dahinter.

Ökobetriebe in der Minderzahl

Mit seinem Hof gehört der Landwirt im Landkreis Lichtenfels zu den Ausnahmen. 16 Betriebe wirtschaften hier nach den Bio-Richtlinien der europäischen Union. Oder, wie Klaus Gründel, nach den weit höheren Standards eines Anbauverbandes wie Bioland.

Den Namen Familienbetrieb trägt sein Hof zurecht: Seine Ehefrau, gelernte Bankkauffrau, kümmert sich um die Direktvermarktung und Buchhaltung. Seine 78-jährige Mutter und ein 72-jähriger Onkel helfen auch mit. "Der steht früher auf und geht später ins Bett als ich", sagt Gründel. Zusätzlich gibt es noch einen Auszubildenden und zwei Aushilfen für die Direktvermarktung.

Während Gründel die Besuchergruppe durch den Kuhstall, an den Wiesen und Äckern vorbei in die hauseigene Bäckerei führt, erzählt er viel von Fruchtfolgen, Tierhaltung und seinem Verständnis von Landwirtschaft. Er sei Biobauer aus Überzeugung.

Probleme für den Öko-Landbau

Auch auf dem Biohof mit bunten Wiesen und herumspringenden Kühen gibt es Probleme. Gründel nutzt die Gelegenheit und breitet einige davon vor den prominenten Besuchern aus: Eines sei ein mögliches Wasserschutzgebiet auf rund 25 Prozent seiner Flächen. Dort dürfe er die Gülle seiner Kühe nicht mehr ausfahren, obwohl künstlicher Dünger erlaubt sei. Gründel schüttelt aus Unverständnis seinen Kopf: "Ich will doch nur den Kreislauf schließen."

Ein anderes seien zum Beispiel landwirtschaftliche Flächen direkt am Hof. Die würde Gründel gerne nutzen. Sein Nachbar mache fast nichts mehr mit den Flächen, bekomme aber eine hohe Betriebsprämie für fast keine Arbeit und habe somit keinen Grund die Flächen zu verpachten. Der Hof von Klaus Gründel ist ein gutes Beispiel, wie Familienbetrieb und ökologische Landwirtschaft zusammen funktionieren können.

Das weiß auch das AELF und das bayerische Landwirtschaftsministerium. Das will mit dem Projekt Bioregio 2020 die Erzeugung bayerischer Ökoprodukte in sechs Jahren verdoppeln. Mit einem Betriebsnetz, einer Okö-Fachschule in Weilheim und fachlichem Wissen von erfolgreichen Biobetrieben will die Staatsregierung dieses Ziel erreichen. Klaus Gründel plant derweil eine zusätzliche Fläche für seine Kälber. Im Stall und auf der Wiese: glückliche Kühe.

Ökologische Landwirtschaft im Landkreis Lichtenfels und Oberfranken

Beratung Landwirte, die sich für eine Umstellung ihres Betriebes auf Ökolandbau interessieren, können sich an die staatliche Ökoberatung (ganz Franken), unter der Telefonnummer 0951/8687 0, wenden.

Öko-Betriebe 2014 wirtschaften im Landkreis Lichtenfels 16 Betriebe ökologisch (2007: 12). Im Coburger Landkreis sind es 34. Zusammen werden in beiden Landkreisen circa 2600 Hektar Landfläche ökologisch bewirtschaftet. In ganz Oberfranken arbeiten 440 Betriebe nach ökologischen Regeln. Insgesamt gibt es 10 276 landwirtschaftliche Betriebe. Das ist ein Anteil von rund 4,3%, bei einem Flächenanteil von 5,8%.

Anbauverbände Die EU-Biosiegel und die damit verbundenen Richtlinien haben den niedrigsten Standard in Sachen ökologischer Landwirtschaft. Anbauverbände wie Bioland, Demeter oder Naturland haben weitaus höhere Auflagen in Sachen Tierhaltung, Einsatz von Düngemitteln oder ähnlichen Dingen.