Bei der Bürgerversammlung im Gasthof "Drei Kronen" machten zwei Einwohner ihrem Ärger über den ihrer Meinung nach "bestialischen Gestank" Luft. In Burgkunstadt stinkt es zum Himmel, genauer gesagt in der Hainweiherer Straße. Seit dem Anschluss der Orte Ebneth und Hainweiher an das Kanalsystem der Stadt klagen die Anwohner über eine unzumutbare Geruchsbelästigung.

Nur Hartgesottene grillen noch

Und zwar immer dann, wenn der Kanalinhalt aus Hainweiher hörbar den Hainweiherberg hinunterrauscht, wie Manfred Hänel, der Vertreter der Kanalgeschädigten, erläuterte. Damit sei der Erholungswert der Gärten gleich Null und Kaffeetrinken und Grillen im Freien nur noch etwas für Hartgesottene. Auch fühlen sich die Anwohner von den Verantwortlichen in der Stadt nicht ernst genommen.

Besonders deutlich wurde Filips Callens: "Um das Abwasser von 120 Bürgern von Ebneth und Hainweiher über den Berg abzupumpen, wurden zwei Millionen Euro ausgegeben." Dies hätte man mit Kleinkläranlagen besser bewältigen können. Die Stadt sollte aus den Fehlern der Vergangenheit lernen, damit dieser "Blödsinn" in Zukunft nicht mehr passiert, forderte Callens.

Bürgermeisterin Christine Frieß (CSU) erinnerte daran, dass es für den Anschluss der beiden Ortschaften an die zentrale Kläranlage in Burgkunstadt einen demokratischen Beschluss des Stadtrats gegeben hat. Zudem gab es damals eine Umfrage, "da war nicht unbedingt die Mehrheit für die Kleinkläranlagen". Als Sofortmaßnahme habe die Stadt die Einschaltquoten der Pumpen verringert. Damit soll die Verweildauer des Abwassers im Pumpensumpf reduziert werden. Parallel dazu wurde eine Fachfirma beauftragt, abzuklären ob der Einbau von Filtern zur Geruchsneutralisation in den Kanalschächten möglich sei.

Eine weitere Anfrage aus der Bürgerschaft betraf die Sperrung des Gehweges im Bereich des Alten Brauhauses in Mainroth. In seiner Sitzung am 10. Februar wird der Stadtrat über Notsicherungsmaßnahmen an Gebäude diskutieren. Wenn die Verkehrsgefährdung beseitigt ist, dann werde auch der Gehweg wieder freigegeben, so die Bürgermeisterin.

Burgweg: Bauzeit zwei Jahre

Auch für den gesperrten Burgweg (Anfrage Susanne Petterich) zeichnet sich eine Lösung ab. In diesem Jahr ist die Planung und Kostenermittlung zur Sanierung und Neugestaltung des Burgweges vorgesehen, die Umsetzung für 2016. Die reine Bauzeit wird mit rund zwei Jahren veranschlagt. Die Sperrung des Fußwegs "Am Bauershof" bleibt auch weiterhin bestehen.

Filips Callens hatte eine Reihe von Anfragen eingereicht, darunter auch die Frage, ab wann mit einer Ganztagsschule für die Grundschule zu rechnen sei. Aktuell gebe es dafür seitens der Eltern keinen nennenswerten Bedarf, teilte die Bürgermeisterin mit. Die Nachfrage nach dem Schuldenstand beantwortete die Bürgermeisterin in ihren Rechenschaftsbericht. Mit den ersten Haushaltsberatungen für das Jahr 2015 werde im März zu rechnen sein.

Burgkunstadt verliert auch weiterhin an Einwohnern, wie Bürgermeisterin Frieß in ihrem Rechenschaftsbericht feststellte. Hatte Burgkunstadt 2011 noch 6581 Einwohner, sank die Zahl bis Ende 2014 auf 6421 Personen. Einen leichten Anstieg verzeichneten gegenüber 2013 die Ortsteile Gärtenroth (plus 4), Kirchlein (3), Ebneth (4), Hainweiher (1), Reuth (1) und Lopphof (3). Unter den Einwohnern befinden sich 381 Bürger aus 52 Nationen, wobei die russischen Mitbürger mit 89 Personen die stärkste Gruppe stellen, gefolgt von den Kasachen mit 75 Personen, 34 Polen und 17 Türken. Positiv entwickelte sich im letzten Jahr die Geburtenrate, die sich gegenüber 2013 auf 53 Babys gut verdoppelte. Leicht gestiegen sind auch die Sterbefälle von 89 (2013) auf 102. Sinkende Einwohnerzahlen führen auch zu weniger Steuereinnahmen und einer ganzen Reihe weiterer Problemen. Um dem entgegenzuwirken, möchte die Stadt neue Baugebiete für junge Familien ausweisen, ohne dabei die Leerstände in der Kernstadt aus den Augen zu verlieren. Weiter würde sich Bürgermeisterin Frieß wünschen, dass es gelingt, Asylbewerber ebenso in die Bevölkerung zu integrieren wie es vor Jahren mit den Russlanddeutschen gelang. Allerdings müsse auch der Wille zur Integration vorhanden sein.

Kommunale Zusammenarbeit

Einen weiteren Ansatzpunkt zur Attraktivitätssteigerung der Stadt sieht die Rathauschefin im Bau der langersehnten Skateranlage und im Bau eines Lehrschwimmbeckens. "Das Bad würde dem strukturellen Ausbluten der Region entgegenwirken", ist Frieß überzeugt. Ein weiterer Schwerpunkt zukunftsorientierter Arbeit sei die kommunale Zusammenarbeit mit Burgkunstadt und Weismain. So soll im jährlichen Wechsel eine Technik- und Automobilmesse in den drei Kommunen stattfinden.

Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum ist im letzten Jahr das Realsteuereinkommen von 2,85 Millionen Euro auf 2,7 Millionen Euro leicht zurückgegangen. Für das laufende Jahr erwartet die Stadt wieder eine Schlüsselzuweisung. Der Schuldenstand habe sich von 10,61 Millionen Euro (2013) auf 11.288 Millionen Euro erhöht. Rund 1,57 Millionen Euro investierte die Stadt im letzten Jahr. Größter Posten war mit 257 228 Euro die Erneuerung der Fernwirkanlage für die Wasserversorgung, gefolgt von der Anschaffung eines Tanklöschfahrzeuges für 244 790 Euro und der Sanierung des Pumpwerks und des Hochbehälters Meuselsberg für 210 976 Euro.