Der idyllische Eindruck trügt: Auf der Fahrt von Bad Staffelstein nach Unterzettlitz säumen gelbe Weizenfelder den Straßenrand. Ein ähnliches Bild ist im ganzen Landkreis Lichtenfels zu sehen. "Normalerweise müsste das zu dieser Jahreszeit grün sein", sagt Michael Bienlein. Der Kreisobmann des Bayerischen Bauernverbandes (BBV) für den Lichtenfelser Landkreis schätzt die Ernteeinbußen bei Weizen und Sommergerste auf rund 20 bis 30 Prozent im Vergleich zu einem Durchschnittsjahr.

Bei der Wintergerste, deren Ernte im Landkreis bereits angelaufen ist, sei alles im grünen Bereich, sagt Bienlein. Aber die Trockenheit hat andere Pflanzen, wie den Weizen, stark geschädigt. "Die Wasservorräte im Boden sind erschöpft. Der Regen vom Wochenende hat nur den Pflanzen genützt, die noch Regenerationsvermögen haben."

Entscheidende Phase zu trocken

Das Problem sei, dass die Pflanze nicht genug Wasser und damit Energie habe, um volle Körner auszubilden. Für die Landwirte ist es ein doppelter Schaden, erklärt Bienlein: "Sie ernten weniger, und das, was sie ernten, hat eine schlechtere Qualität." Für die Produktion von Backwaren ist das geerntete Korn kaum noch geeignet. "Viel Getreide für die Nahrungsmittelproduktion geht in den Futtertrog", sagt der Kreisobmann.

Der zwei- bis dreiwöchige Wachstumsvorsprung durch den milden Winter habe sich inzwischen relativiert. Kurios sei, dass die Pflanzen, die auf dem höher gelegenen Jura angebaut werden, besser dastehen. Die seien an weniger Niederschlag angepasst, sagt der 49-jährige Bienlein. Gegen die Trockenheit im Boden half auch das verregnete Wochenende nichts.

Tropfen auf den trockenen Boden

"Elf Liter Niederschlag pro Quadratmeter sind gefallen", sagt Lothar Teuchgräber. Der 43-jährige Landwirt bewirtschaftet rund 44 Hektar und hat die Ursache für die aktuelle Situation ausgemacht: "Das schöne Pfingstwetter hat dem Winterweizen den Todesstoß versetzt." Er geht in ein gelbes Weizenfeld bei Unterzettlitz. Dort, wo einige grüne Ähren aus dem Gelb hervorstechen, bleibt er stehen und reißt ein Pflänzchen heraus. Ein Drittel bis ein Viertel der unteren Körner seien normal entwickelt, der Rest sei verkümmert, erklärt Teuchgräber.

In Zahlen ausgedrückt erwirtschaften die betroffenen Landwirte drei bis vier Euro weniger pro Dezitonne Getreide, so Bienlein. Auf einem Hektar können zwischen 40 und 80 Dezitonnen Weizen angebaut werden. Der Erzeugerpreis - die Summe, die ein Bauer in Bayern für sein Getreide bekommt - für Brotweizen lag Ende Juni bei etwa 16,50 Euro pro Dezitonne. Vor einem Vierteljahr seien es noch rund 18 Euro gewesen, sagt Bienlein.

Weltmarkt: Segen und Fluch

Und spätestens hier kommt der Weltmarkt ins Spiel. Denn auch dort sinken die Getreidepreise seit einem Vierteljahr. Auf die Landwirte im Landkreis Lichtenfels hat die Trockenheit dadurch zweierlei Auswirkungen, wie Teuchgräber erklärt: Zum einen haben sie weniger Getreide mit schlechterer Qualität, das sie verkaufen können. Zum anderen bekommen sie durch den niedrigeren Preis weniger Geld.

Für den Verbraucher hat der Weltmarkt aber einen klaren Vorteil, gibt Bienlein zu. "Früher hätte es in so einer Situation Hungersnöte gegeben. Heute merkt der Verbraucher nichts, weil der Weltmarkt regionale Verluste ausgleicht. Heute sei alle sechs bis acht Wochen irgendwo auf der Welt Getreideernte. Da könne es schon mal vorkommen, dass im deutschen Brot australischer Weizen und umgekehrt verarbeitet werde, sagt Bienlein. Gegenmaßnahmen gegen die Launen der Natur gibt es nur wenige. "Trotz einer hoch technisierten Landwirtschaft sind wir machtlos, wenn das Wetter nicht mitspielt", sagt Bienlein.