Valentino Mager ist Volontär bei Radio Plassenburg. Als angehender Redakteur nimmt er Termine wahr, spricht mit Leuten, berichtet vor Ort. Als er den Auftrag erhält, bei den Castings zum Hollywood-Streifen "The Happy Prince" über Oscar Wilde vorbeizuschauen, denkt er sich nichts dabei. Der 26-jährige Auszubildende macht sich auf den Weg. Was dann passiert, steht so in keinem Drehbuch.

Wie darf man sich das vorstellen: Als Reporter zum Casting - als Statist zurück in die Redaktion?
So war es, aber so war es nicht geplant. Eigentlich sollte eine andere Kollegin hin, aber die konnte nicht. So kam ich zu dem Termin. Ich hatte Frühschicht, war seit sechs Uhr im Dienst. Ich dachte mir: Naja, gehste dahin und guckst mal, was bei einem solchen Casting so abgeht.

Es kam anders.
Allerdings. Ich wollte nicht bloß von außen drauf schauen, sondern mal wissen, was so alles dahinter steckt. Ich wollte es selber durchlaufen. Also habe ich so einen Schein ausgefüllt, denn wenn ich nur dabei stehe, dann bekomme ich ja nichts mit. Dann wurden Fotos geschossen. Gewundert hat mich die Zahl der Leute, die da mitgemacht haben: Es waren rund 250 Bewerber - und es war doch schon das dritte Casting. Plötzlich taucht Regisseur Rupert Everett persönlich auf, seinen Assistenten im Schlepptau, und sichtet die Reihen. Ich habe das von außen beobachtet. Manche haben angefangen, sich in Positur zu stellen, um aufzufallen. Da guckt Everett her zu mir. Ich habe dann weggeschaut und mal geblinzelt und gemerkt: Der guckt immer noch her. Dann kam er direkt auf mich zu. Einer seiner Gefolgsleute sagte dann auf Englisch: ,Wir mögen Dein Gesicht und hätten Dich gerne in unserem Film dabei.'

Wie reagiert man darauf?
Puh, also ich habe mich bedankt und erst mal nicht wirklich gewusst, was ich sagen soll. Ich wollte mich ja wirklich nicht aufdrängen. Lustig war auch, dass ich zwar seinen Namen kannte, aber ich musste ehrlich gesagt mit dem Handy sein Gesicht googeln. Die Assistentin hat dann meinen Namen notiert. Da standen schon andere Namen drauf. Alle, die auf dieser Liste waren - etwa 20 Leute - sollten noch dableiben. Dann wurde uns mitgeteilt, dass wir tags darauf zur Kostümprobe kommen sollen. Ich wurde gefragt, ob ich meine langen Haare abschneiden lassen würde. Die waren mal schulterlang. Ich sagte, ich hatte es eh vor - dass es ein Haarschnitt passend zum Jahr 1890 wurde, wusste ich da noch nicht. In einer Halle standen reihenweise Klamotten, dazu wurden mehrere Make-up-Räume eingerichtet. Dann kam eine Friseurin aus Köln zu mir. Die kürzte mir die Haare. Dann kamen die Visagisten. Italiener. Ein Schauspiel. Die haben an meinen Haaren rumgefummelt und immer wieder geschwärmt, was für feines Haar ich doch hätte. Mir war das leicht peinlich.
Als er mich nach meinem Namen fragte und ich ihm sagte, dass ich Valentino heiße, ist er komplett ausgerastet. Er hat seinen Kumpel Francesco gerufen. Irgendwann standen die zu dritt um mich rum - aber auch wenn mein Vater italienischer Abstammung ist, spreche ich leider überhaupt kein Italienisch. Dann wurden mir sieben Kostüme angelegt. Schließlich bin ich in eine bürgerliche Montur gesteckt worden. Als ich zum Schminken sollte, hat mich einer der Italiener wieder abgefangen und der Maskenbildnerin gesagt, sie solle mich bloß nicht anfassen, es sei alles perfekt.

Was passiert nun?
Sie planen mich ein für eine Bar-Szene ein. Ich soll einen jungen Mann spielen, der einen Drink bestellt. Näheres habe ich nicht erfahren. Die Leute am Set halten die Informationen streng unter Verschluss, da dringt absolut nichts nach außen.

Ist es eine Komparsenrolle oder darfst Du auch etwas sagen?
Die Crew hat uns gefragt, ob wir Englisch können. Ich habe das bejaht. Mir wurde gesagt, dass ich für einen oder zwei Drehtage vorgesehen bin. Das soll Ende September, Anfang Oktober über die Bühne gehen. Später hat man mir erzählt, ich sei deswegen ausgewählt worden, weil ich ein Charaktergesicht hätte und - anders als andere - mich nicht in den Vordergrund gedrängt habe. Von solchen Selbstdarstellern würden sie beim Film eher Abstand nehmen.

Wie war die Redaktion in der Redaktion und in der Familie?
Gigantisch. Die Radio-Kollegen sind ausgeflippt und haben gleich einen Facebook-Post gemacht. Meine Mutter schwärmte mir gleich von Rupert Everett vor, er sei eine Legende. Sie wollte wissen, wie ich das angestellt habe. Und ich sagte: Eigentlich habe ich gar nix gemacht, es ist einfach so passiert.