Seit Beginn der Plassenburg-Open-Air-Reihe genießt klassische Musik einen hohen Stellenwert im Programm. Um so größer war für viele die Enttäuschung, als bekannt gegeben wurde, dass die Bamberger Symphoniker, die sich für dieses Jahr angesagt haben, aufgrund der Corona-Bestimmungen nicht kommen können. Kurzerhand verpflichtete die Konzertagentur Motion die Hofer Symphoniker mit Gast-Dirigent Enrico Delamboye. Der Ersatz entpuppte sich als echter Gewinn. Die Klassik-Fans wurden nicht enttäuscht.

Mit der weltbekannten Ouvertüre zur Oper "Die Fledermaus" von Johann Strauss gewann Gast-Dirigent Enrico Delamboye sofort die Herzen der Zuhörer. Die Hofer Symphoniker musizierten, dass es eine echte Wonne war. Beschwingt, aber nicht gehetzt, zart und einfühlsam, dass sofort klar war, dass der Abend ein purer Musik-Genuss werden würde. Mit seinem niederländischen Conferencier-Charme tat der Dirigent ein Übriges für einen wundervollen Abend in magischem Ambiente und entschädigte auch diejenigen, die bemängelt hatten, dass kein gedrucktes Programm auslag.

Geboten wurden bei dem Klassik-Open-Air auch Béla Bartóks bekannte Rumänische Tänze und Johannes Brahms "Ungarische Tänze" Nummer 5 in g-Moll und 6 in D-Dur. Die Hofer Symhoniker zelebrierten die Werke. Dass sich bei den Orchesterfassungen des Allegros die Tonart von fis-Moll in ein gefälliges g-Moll änderte und beim Vivace von Des-Dur in die strahlende D-Dur-Version tat der Wirkung keinen Abbruch, sondern brachte die Stücke erst recht zum Strahlen.

Der Mittelteil war musikalischen Leckerbissen bestimmt. Als absoluter Höhepunkt erwies sich Arthur Honeggers "Pastorale d'Eté". Honegger schrieb dieses Stück 1920 während eines Aufenthaltes in Wengen in der Schweiz. In acht Minuten gelang es den Hofer Symphonikern, musikalisch die Morgenröte, die herrliche Berglandschaft, die Stille des Alpenpanorames und das lustige Zwitschern der Vögel nach Franken zu bringen.

Gast-Dirigent Enrico Delamboye bewies mit Jacques Iberts "Divertissement" eine gehörige Portion Witzigkeit. Der Komponist nahm Kompositionen aus aller Welt aufs Korn. Er intonierte Walzer mit zwei Tönen und forderte von den Holzbläsern einiges an Können.

Die Hofer Symphoniker präsentierten außerdem Astor Piazollas "Oblivion" und Horacio Salgans "A fuego luento". Mit Carl Michael Ziehrers "Hereinspaziert"-Walzer, der zum "Herausspaziert-Walzer", wurde, beendete die Symphoniker die Nacht der Klassik. Das Publikum genoss den Abend vor herrlich illuminierter Kulisse und forderte Zugabe um Zugabe, die die Musiker nach der langen Zeit der Live-Abstinenz natürlich gerne gewährten.