Kulmbach Der Lötkolben sprüht wieder grell-weiße Farben. Im Leben von Mathew Ebner kommt das öfters vor. Mit Leidenschaft werkelt er an der Modelleisenbahn seines Großvaters herum. "Ich bastle nicht nur Häuser und bearbeite Holz, sondern verlöte auch Kabel", erzählte der 15-jährige Thurnauer. Am Samstag schnupperte er in der Firma Glen Dimplex, die Wärmepumpen herstellt, in den Beruf des Mechatronikers für Kältetechnik hinein.

Ersatz für die Ausbildungsmesse

Unter Anleitung von Lehrling Leon Würffel verlötete er zwei Kupferrohre miteinander. "Man hat gemerkt, dass er schon einmal einen Brenner in der Hand hatte", lobte der Auszubildende den Schüler der Kulmbacher Carl-von-Linde-Realschule. Der 15-Jährige, der sich selbst als Bastler und Tüftler bezeichnet, tauchte ein in die Welt der handwerklich-technischen Berufe. Ihm gleich taten es Hunderte von Schülern aus dem Landkreis Kulmbach, die am Tag der Ausbildung teilnahmen.

Aufgrund der Corona-Pandemie musste die Ausbildungsmesse zum zweiten Mal abgesagt werden. Als Ersatz hatte Geschäftsführer Florian Schneider von der Firma ASK Rohrleitungsbau einen Tag der offenen Tür organisiert. Neun weitere Unternehmen, die ebenfalls im Industriegebiet "Am Goldenen Feld" beheimatet sind, öffneten ihre Pforten für Schüler, die einen Ausbildungsplatz suchen. Dies waren die AGO Energie und Anlagen GmbH, die Automation & Control Systems GmbH, Autotechnik Hahn, die Drechsler Umweltschutz KG, die Glen Dimplex Deutschland GmbH, die Murrmann GmbH, die Raps GmbH & Co. KG, die VI Verkehrsinstitut Bayern GmbH und die WBG WasserBauGesellschaft Kulmbach mbH. Die Messe, die vom Arbeitskreis Schule-Wirtschaft und dem Landratsamt organisiert wird, wurde auf das Frühjahr 2022 verschoben. Die Kulmbacher Brauerei sowie die Firma Ireks, die Backwaren herstellt, und die Druckerei Töpfer hatten bereits vor einer Woche um Auszubildende geworben.

"Der Mechatroniker für Kältetechnik ist in Zeiten des Klimawandels ein Beruf mit Zukunft", sagte Constantin Wendel. Der 15-jährige Realschüler informierte sich bei der AGO Energie und Anlagen GmbH über diesen Beruf. Der junge Kulmbacher ist auf der Suche nach einem handwerklichen Beruf. "Ein Büroberuf, bei dem man den ganzen Tag nur herumsitzt, kommt für mich nicht infrage", betonte der junge Mann. Welcher Beruf es einmal sein wird, dass weiß Wendel noch nicht. Der 15-Jährige befindet sich nach eigener Aussage noch in der Findungsphase.

"Was ist Ihr Traumberuf?" Auf diese Frage muss Teresa Schweiger derzeit noch passen. Für sie gilt: "Früh übt sich". Die 16-jährige Kulmbacherin, die derzeit die Vorklasse der Kronacher Fachoberschule besucht, hat schon mehrere Praktika hinter sich. In der Werbebranche, bei einem Augenoptiker und in der Grundschule. Letzteres fand sie besonders interessant. "Kinder dabei zu beobachten, wie sie Fortschritte beim Lesen und Rechnen machen, ist höchst interessant. Dabei erfährt man viel über den Charakter eines jungen Menschen", erzählt Schweiger. Jetzt könnte ein weiteres hinzukommen: Bei der Firma Raps informierte sie sich im Gespräch mit der Auszubildenden Jana Österreicher aus Hochstadt am Main über den Beruf der Industriekauffrau.

Baggerfahren ausprobiert

Bei der Firma ASK fuhren die jungen Leute unter Anleitung von erfahrenen Mitarbeitern Bagger. Auf dem Gelände des Unternehmens hatte auch die offizielle Begrüßung stattgefunden, an der zahlreiche Persönlichkeiten aus Politik, Schule und Wirtschaft teilnahmen. Der Gedanke, "das bisherige System mit neuen Ideen, wie dem Tag der Ausbildung am Goldenen Feld, zu verbinden", wie es Landrat Klaus Peter Söllner formulierte, fand einhellige Zustimmung. "Auf dem eigenen Firmengelände kann man die Werkstätten und Maschinen besser darstellen", erklärte ASK-Geschäftsführer Florian Schneider. Ein solcher Tag der Ausbildung könnte zum Beispiel immer eine Woche nach der Messe stattfinden, hieß es.