Für Sabine und Stefan Schnupp ist das Bräuwerck "eine Kampfansage an die Gastronomie". Die Betreiber des gleichnamigen Brauereigasthofs können die Aussagen der Bürgermeister-Kandidaten in der Podiums-Diskussion der Bayerischen Rundschau in der vergangenen Woche nicht nachvollziehen. Die Politiker hatten das Bräuwerck nicht als Konkurrenz zu den anderen Betrieben gesehen.

"Das stimmt so nicht", sagen die beiden. Zwar wirke sich das Bräuwerck nicht unbedingt auf das Tagesgeschäft aus, wohl aber auf Veranstaltungen wie Konfirmationen und Geburtstagsfeiern. "Bei den Weihnachtsfeiern haben wir das extrem gemerkt." Ihr Bierstübla haben sie nach der Eröffnung des Bräuwercks gar nicht mehr aufgesperrt.

Das Argument, die anderen Betriebe vor Ort würden vom Bräuwerck mit profitieren, weisen sie vehement zurück.
Zudem kritisieren sie eine Wettbewerbsverzerrung durch die hohe Förderung, die es für die Sanierung des Bräuwercks gegeben habe.

"Keine faire Marktwirtschaft"

Auch Michael Rothenbücher und Sabine Hachmann sehen das Bräuwerck "sehr wohl als Konkurrenz". Die beiden betreiben das Hotel-Restaurant Bergmühle. "Wir werden zwar nicht dran kaputtgehen und merken nur bei den Sonntagskaffee-Gästen einen Rückgang", erklärt Michael Rothenbücher, aber eine faire Konkurrenzsituation sehe anders aus. Denn dann hätte das Bräuwerck und das Pächterehepaar, das den Betrieb verantwortlich führt, nicht die Gemeinde im Rücken. "Mit fairer Marktwirtschaft hat das nichts zu tun", sagen auch Rothenbücher und Hachmann.


Das sagt der Bürgermeister

"Der historische Brauerei-Gasthof von 1649 ist ein Stück Ortsgeschichte", betont dagegen Bürgermeister Dieter Schaar (FW) mit Blick auf das Bräuwerck. Er hofft, dass ganz Neudrossenfeld von Einrichtungen wie dem Lindenmuseum auf dem Brauerei-Areal profitiert. "Wenn man sonntags durch den Ort gelaufen ist, war nicht viel Betrieb." Er verweist darauf, dass die Fördermittel nicht für den Wirtschaftsbetrieb geflossen sind, sondern um die vom Verfall bedrohte "Seele des Ortes" zu retten. Auch Familie Schnupp habe für ihr denkmalgeschütztes Haus Fördergelder erhalten.

Langfristig profitieren

Auf lange Sicht werden alle vom Bräuwerck profitieren. Davon ist Rudolf Bock, der SPD-Bürgermeister-Kandidat überzeugt. Mit einem entsprechenden touristischen Konzept werde es gelingen, mehr Gäste nach Neudrossenfeld zu locken. "Da sind Synergien möglich." Dass durch das Bräuwerck der Familie Schnupp viele Weihnachtsfeiern verloren gegangen sind, will er nicht so recht glauben: "Denn so viele Weihnachtsfeiern gab es im Bräuwerck nicht." Die Förderung durch öffentliche Mittel sei aber ein Vorteil, "der nicht wegzudiskutieren ist."

Verfall hätte gedroht

CSU-Bürgermeister-Kandidat Harald Hübner verweist darauf, dass im Bräuwerck schon früher ein Gasthaus mit eigener Braustätte war. Deshalb habe sich nach der Sanierung eine Nutzung aufgedrängt, die es dort schon einmal gegeben hat. Sollten Bräuwerck-Gäste eine Übernachtungsmöglichkeit suchen, dann werde "Schnupp die erste Adresse sein", auf die man verweise. Auch dürfe man nicht vergessen, dass das Bräuwerck gerade erst eröffnet habe und viele Neugierige die Einrichtung frequentieren. "Das wird sich im Laufe der Zeit sicher austarieren", ist Hübner überzeugt.

AG muss es selbst schaffen

"Irgendwann ist der Punkt erreicht, dass die Förderung nicht mehr weitergehen kann. Die Aktiengesellschaft muss es selbst schaffen. Es kann nicht sein, dass ihr die Gemeinde unter die Arme greift", stellt Björn Sommerer fest. Wenn das Bräuwerck durch die Kommune unterstützt werde, dann sei das eine Wettbewerbsverzerrung, sagt der Bürgermeister-Kandidat der neuen Liste "Für unsere Gemeinde". Wenn alles mit fairen Mitteln zugehe, dann sei das Bräuwerck keine Konkurrenz zur restlichen Gastronomie, dann könnten die Betriebe wirklich voneinander profitieren.