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Kulmbach
Asyl

Nach Abschiebung nach Afghanistan: Flüchtling Zaki (20) will zurück nach Kulmbach

Ein junger Mann aus Afghanistan wird abgeschoben. Ein Helferkreis bemüht sich nun, dem 20-Jährigen doch noch eine Ausbildung in der Region zu ermöglichen.
 
In diesem Raum leben Mohammad Zaki Sharifi und zwei andere junge Männer in Kabul. Der 20-Jährige verlässt die Unterkunft selten - er hat zuviel Angst.Foto: privat
In diesem Raum leben Mohammad Zaki Sharifi und zwei andere junge Männer in Kabul. Der 20-Jährige verlässt die Unterkunft selten - er hat zuviel Angst.Foto: privat

Die Voraussetzungen hätten besser nicht sein können: Der junge Mann ist intelligent und fleißig. Seinen Quali schafft er mit einem Notendurchschnitt von 1,5; in Deutsch hat er eine Eins, in Mathematik eine Zwei. Beim Praktikum in einem Handwerksbetrieb stellt er sich so gut an, dass der Chef ihm eine Ausbildungsstelle anbietet.

Aber daraus wird nichts. Der junge Mann ist gebürtiger Afghane, kam als Flüchtling nach Kulmbach, hat keine Papiere. Eine Ausbildungsgenehmigung wird ihm von der Zentralen Ausländerbehörde deshalb versagt. Stattdessen wird die Ausweisung angeordnet.

Von Leipzig aus abgeschoben

Mohammad Zaki Sharifi, um den es hier geht, wird am 30. Juli in der Kulmbacher Polizeiinspektion festgehalten, als er dort seiner Meldepflicht nachkommen will. Wenige Stunden später wird er in Leipzig in ein Flugzeug nach Kabul gesetzt.

Obwohl afghanischer Abstammung, ist dem 20-Jährigen die Hauptstadt des Landes völlig fremd. Seine Familie war in den Iran geflohen, als er noch klein war. Dort ist Mohammad Zaki Sharifi aufgewachsen, dort hat er Farsi gesprochen. Dari, die Sprache der Kabuler Afghanen, versteht er nicht. Was noch schlimmer wiegt: Er gehört der Volksgruppe der Hasara an, die diskriminiert werden und mit steter Verfolgung rechnen müssen.

Einmal, so berichtet Zaki, wie sie ihn alle nennen, sei er sogar übel niedergeschlagen worden. Nicht nur deswegen sorgen sich seine Kulmbacher Freunde sehr um ihn. "Er hat nie erfahren, was Krieg ist", sagt Rebekka Krauß. Sie gehört dem Unterstützerkreis an, der sich dafür einsetzt, Zaki zurück nach Deutschland zu holen. "Während andere es gewöhnt sind, dass geschossen wird und Bomben fallen, verunsichert das alles Zaki sehr. Er hat große Angst und traut sich kaum auf die Straße."

In ihren Augen ist Afghanistan alles andere als ein sicheres Land. Eigentlich, so sagen Zakis Unterstützer, dürfte niemand dorthin abgeschoben werden. Dem Kreis gehört auch Hans-Georg Friedmann an, Sprecher der örtlichen Aktionsgruppe der Menschenrechts-Organisation Amnesty International. Er präsentiert Zahlen, die die Situation schildern.

Bombenangriffe, Luftangriffe, gewaltsame Übergriffe sind an der Tagesordnung. Im Jahr 2018 seien allein in der Hauptstadt Kabul 1866 zivile Opfer registriert worden. Aber viele Tote tauchen in der Statistik nie auf. "Der Alltag in Kabul ist lebensgefährlich", schreibt Amnesty International. "Jeder Weg auf den Markt, in die Schule, ins Büro oder zum Arzt kann in den Tod führen."

Für die Organisation ist damit klar: "Menschen nach Afghanistan abzuschieben, ist in Anbetracht der äußerst schlechten Menschenrechts- und Sicherheitslage im Land völker- und europarechtswidrig."

Oft krank

Die Kulmbacher machen sich deshalb große Sorgen um Zaki. Der lebt mittlerweile mit anderen jungen Männern in einem Raum in Kabul, ohne Heizung, ohne Strom. Familie gibt es nicht, sieht man von einer verwitweten Tante ab, die dement ist und ihn nicht erkennt. Sein Kontakt zur Außenwelt ist sein Handy - das er nur betreiben kann, weil ihm Unterstützer aus Deutschland immer wieder etwas Geld zukommen lassen. Dem jungen Mann geht es nicht gut. Er sei oft krank, schreibt er in einer Mail an Sigrun Gremer vom Helferstützerkreis. Er habe große Angst, wisse nicht, wo er nun hin solle.

Seine deutschen Freunde versuchen nun, einen Weg zu finden, Zaki doch wieder nach Deutschland zu holen, damit er hier seine Berufsausbildung beginnen kann. Hilfe bekommen sie dabei unter anderem vom Bayerischen Flüchtlingsrat, von Stefan Reichel vom Verein "matteo - Kirche und Asyl" und von einem auf derartige Fälle spezialisierten Rechtsanwalt.

Touristen-Visum

Die Idee: Zaki reist mit einem Touristen-Visum nach Indien, wo er an einem ökologischen Projekt einer Hilfsorganisation mitarbeiten kann. Von dort aus bemüht er sich um ein Ausbildungsvisum für Deutschland. Das alles wird seine Zeit dauern. Immerhin: Einen Reisepass hat der junge Mann mittlerweile, der Antrag für das Visum zur Einreise nach Indien läuft.

Der Weg von dort nach Kulmbach wäre dann immer noch weit. Aber eines wäre immerhin geschafft: Dass Zaki in Sicherheit ist.

Zur Person Mohammad Zaki Sharifi, geboren 1999 in Afghanistan, aufgewachsen im Iran, seit 2015 in Deutschland, B2-Sprachprüfung, qualifizierender Hauptschulabschluss, Juli 2019 abgeschoben.

Ziel Zaki soll zunächst mit einem Touristenvisum nach Indien reisen; dann wird er eine Ausbildungsgenehmigung für Deutschland beantragen. Hier hat er bereits einen Ausbildungsplatz in Aussicht.

Unterstützerkreis Zaki erhält Unterstützung von einem Kreis von Kulmbachern, die ihn in Behördenangelegenheiten beraten und ihn auch in Kabul finanziell unterstützen.

Spenden Um diese Hilfe weiter leisten zu können, ist der Unterstützerkreis auf Spenden angewiesen. Spenden sind möglich auf das Konto DE48 7715 0000 0000 1693 00 bei der Sparkasse Kulmbach, Verwendungszweck: Migrantenarbeit - Zaki Sharifi

Kontakt Arbeitskreis Zaki, Ilka Greim, Tel. 0157-53274134

Bericht aus Kabul: "Ich weine oft hier, bevor ich schlafe" Kabul

Vor zwei Monaten ist Mohammad Zaki Sharifi in die afghanische Hauptstadt Kabul abgeschoben worden: In ein Land, das er nicht kennt, dessen Sprache er nicht spricht und das kein sicherer Ort für ihn ist. Wie es ihm geht, schildert der 20-Jährige in Mails und Whats-App-Nachrichten an seine deutschen Freunde.

Wir veröffentlichen hier einen seiner Berichte, den er am 26. August, vier Wochen nach der Abschiebung, geschrieben hat, im Wortlaut (einige Fehler haben wir korrigiert):

"Als ich fünf war, haben meine Eltern Afghanistan aus Angst vor den Taliban verlassen. Ich habe trotz vieler Schwierigkeiten und Diskriminierungen im Iran die Schule bis zur zehnten Klasse besucht. Im Iran hatte ich keine menschlichen Rechte. 2015 habe ich gehört, dass man leicht über die Grenz nach Europa kann. Deswegen habe ich mich entschieden, es nach Europa zu schaffen. Ich war sehr jung und wollte ein neues Leben anfangen wie die anderen. Ich wollte einen Ort finden, wo ich mich sicherer fühlte und als Mensch Rechte habe.

Ich wollte den anderen helfen und positiv für Deutschland sein. Ich war 45 Tage auf dem gefährlichen Weg nach Europa. Ja, ich habe etwas riskiert und mein Leben in Gefahr gebracht.

In Deutschland war ich sehr glücklich und habe 2016 die 9. Klasse mit einem Durchschnitt von 1,5 geschafft. Dann habe ich B 2 geschafft (eine Sprachprüfung, die ein nahezu fließendes Deutsch bescheinigt - red.).

2019 war ich in einem Gymnasium. Vor einem Monat bin ich abgeschoben worden.

Ich kann es aber noch nicht glauben, dass ich hier in Kabul bin. Hier war ich einige Tage in einer Moschee, dann habe ich nach meiner Tante gesucht. Ich habe sie gefunden, aber sie erkannte keinen mehr und war schwer krank. Ihr Mann ist gestorben und sie war allein.

Dann habe ich ein Zimmer für drei Personen zum Leben gefunden. In diesem Monat war ich oft krank und habe schlechte Gefühle gehabt.

Ich weiß jetzt nicht, wohin ich gehöre. Ich bin in Afghanistan geboren, aber ich hasse es hier; ich war nie hier und habe große Angst vor den Leuten hier. In den Iran kann ich nicht, weil ich mit einem Visum höchstens drei Monate im Iran bleiben kann. Dann werde ich wieder von Iran nach Afghanistan abgeschoben.

Ich bin komplett durcheinander und weiß nicht, was ich machen kann. Wohin kann ich jetzt?

Bitte hilf mir! Ich weine oft hier, bevor ich schlafe. Ich habe euch sehr vermisst. Die Leute hier sind anders. Für die bin ich ein Fremder. Wie schlecht es hier ist, kann ich nicht gut beschreiben. Hier ist nur das Schlimmste."