Kulmbach
Handwerksbetrieb unter Druck

"Hätten wir nie gedacht": Kulmbacher Zimmerei erhält deutliche Absagen von schockierten Kunden

Die Kulmbacher Zimmerei Heinz Konrad hat derzeit massiv mit der Kostenexplosion bei den Holzpreisen zu kämpfen. Der Traditionsbetrieb erlebt deshalb vermehrt Absagen von Kunden - und zieht Konsequenzen.
Kulmbach: "Zimmerei Heinz Konrad" erlebt Holzpreisexplosion - "kein Ende in Sicht"
Die Kulmbacher "Zimmerei Heinz Konrad" lebt von dem Interesse ihrer Kundschaft an Holzleistungen aller Art. Doch diese schwindet aufgrund der Preise. Foto: Zimmerei Heinz Konrad
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  • Kulmbacher "Zimmerei Heinz Konrad" leidet unter steigenden Holzkosten
  • "Vielen Dank für Ihre Bemühungen": Chefin berichtet von vermehrten Kundenabsagen
  • Preis für hölzernes Einfamilienhaus inzwischen mehr als doppelt so teuer
  • "Energiekosten uferlos": Traditionsbetrieb zieht Konsequenzen 

Das Gut Holz wird angesichts der Gaskrise als Heizmittel immer wertvoller und auch für die Zimmerei-Branche bekommt die angespannte Lage auf dem Markt deutlich zu spüren. Für die "Zimmerei Heinz Konrad" aus Kulmbach habe sich der Kundenpreis etwa für ein Haus seit der Pandemie mehr als verdoppelt und eine Besserung sei nicht in Sicht.

Kulmbacher Zimmerei erlebt Kundenabsagen trotz boomendem Holzbau 

Eigentlich boomt der Holzbau schon seit Vor-Pandemie-Zeiten und wurde durch diese noch verstärkt. Holz steht im Gegensatz zu Beton zu klimafreundlichem Bauen und im Jahr 2021 habe sich gezeigt, wie sehr sich Menschen mehr auf ihr eigenes Heim konzentrieren und beispielsweise in eine hölzerne Terrasse investieren. Das bilanzierte der Präsident des Bundesverbands der Deutschen Säge- und Holzindustrie Jörn Kimmich im Januar 2022. 

Der Kulmbacher Familienbetrieb "Heinz Konrad" besteht seit 1979 und bietet Leistungen wie Holzhäuser, Dachstühle, Fassaden oder den Innenausbau an. Von drei Herstellern beziehe das Unternehmern "das normale Holz und für das Konstruktionsvollholz habe ich zwei Firmen", berichtet Rita Konrad gegenüber inFranken.de. Auch für die Dämmung werde viel Holz benötigt. "Das ist alles sehr teuer und es sind unheimlich lange Wartelieferzeiten". 

Zwar habe die Zimmerei derzeit noch viele Aufträge, doch es komme derzeit immer wieder vor, dass Privatleute absprängen. "Schon ein paar Mal kam als Antwort: 'Vielen Dank für Ihre Bemühungen, aber wir hätten nie gedacht, dass es so teuer ist'", schildert ihre Tochter und Geschäftsführerin Katrin Mayer.

"Energiekosten müssen runter" - Kulmbacher Traditionsbetrieb stoppt dringend benötigte Investitionen 

"Die Nachfrage ist bei Weitem nicht mehr so, wie sie mal war und die Baumaterialien werden ständig teurer." Seit Beginn der Pandemie habe sich der Preis zum Beispiel für ein Einfamilienhaus in Holzständerbauweise mehr als verdoppelt. "Und es ist kein Ende ein Sicht", so Mayer. Die Erfahrungen zeigten, dass eine Umlage auf den Kundenpreis ihre Grenzen habe und im Vergleich - etwa zu Bäckereien - könne ein Zimmereibetrieb die Preise nicht täglich ändern. Diese seien in den individuellen Auftragsbestätigungen festgelegt, auch wenn sie später tatsächlich höher sein müssten.

So halte man sich immer mehr bei Aktivitäten zurück, die sich nicht gleich finanziell auszahlen. "Außerdem treten wir bei den Anschaffungen auf die Bremse", erklärt Mayer und spricht zwei benötigte neue Autos an. Was müsste sich in den Augen der Kulmbacher Zimmerei ändern? "Die Energiekosten müssen auf jeden Fall runter, denn ich bin der Meinung, dass das ganz viel ausmacht", antwortet sie. 

So könnten die Lkw wieder günstiger fahren. "Dann zahle ich nicht so viel Fracht auf alle gekauften Produkte. Auch die Energiekosten für Kunststoff oder Glas für Dachfenster sind uferlos." Ihres Wissens hätten sogar Dachziegelhersteller aufgrund der enormen Gaskosten die Produktion eingestellt. Noch fürchtet Mayer selbst nicht um die Existenz ihrer Kulmbacher Zimmerei. "Wir kämpfen weiter und stecken den Kopf nicht in den Sand."

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