• Bäckereien im Kulmbacher Land schlagen in offenem Brief Alarm
  • Dumler-Chef: "Existenzbedrohend für ganzen Betrieb"
  • Hilfen der Regierung seien nur an Industrie adressiert
  • Bäckereien sehen Arbeitsplätze in Gefahr

Die Lage für die Bäckerhandwerksbetriebe spitzt sich immer mehr zu. Das zeigt ein eindringlicher Hilferuf von Kulmbacher Bäckereien in einem offenen Brief, den der Geschäftsführer der "Bäckerei Dumler" aus Kupferberg Friedrich Dumler auf Facebook veröffentlicht hat. "Sie können den Mittelstand nicht den Bach heruntergehen lassen", sagt er dazu im Gespräch mit inFranken.de.

Kulmbacher Bäckerei-Chef in tiefer Sorge - "können alle dicht machen"

Friedrich Dumler betreibe seine Bäckerei bereits in der dritten Generation mit neun Filialen. Seine Tochter sei inzwischen die vierte Generation. Während so mancher Höhe und Tiefe in ihrer Geschichte betonte die Bäckerei immer wieder den Wert des Handwerks. Gerade dieses sehen Dumler und seine Kolleg*innen im Kulmbacher Land in Gefahr. Die Kostenexplosionen nagten an der Branche enorm.

Unter anderem mache Dumler der drohende Preissprung bei Strom nach einem Vertragsablauf Sorgen. "Wenn der Preis jetzt nochmal um das Doppelte steigen sollte, können wir als Handwerksbetriebe alle dicht machen. Es ist einfach existenzbedrohend für den ganzen Betrieb." Im vergangenen September habe die Bäckerei die Kundenpreise erhöht, im April 2022 noch einmal. Die Grenze sei inzwischen erreicht, denn die Kundschaft weiche sonst auf die Supermärkte aus.

Dumler und seine Kolleg*innen störe die Gestaltung des sogenannten "Energiekostendämpfungsprogramms" (EKDP) der Regierung. Es ist ein Zuschussprogramm für energie- und handelsintensive Unternehmen, dessen Antragsverfahren am 15. Juli 2022 startete. Belastungen oberhalb der Verdoppelung der Kosten für Erdgas und Strom sollen hiermit gedämpft werden. Nur die Industrie werde hierbei allerdings berücksichtigt, so die große Kritik der Bäckereien. In einem Brandbrief stellten sie am 22. Juli 2022 deshalb ihre Forderungen an die Politik und baten dabei die zuständigen Abgeordneten um Hilfe.

Kulmbacher Landtagsabgeordneter wendet sich an Robert Habeck

"Wir sind diejenigen, die in der Region Ausbildungsplätze schaffen. Wir leisten einen unverzichtbaren Beitrag zur Sicherung der Nahversorgung der Bevölkerung mit Brot und Backwaren und damit Grundnahrungsmitteln in der Region. Und außerdem leisten wir einen Beitrag zum Zusammenhalt in unserer Gemeinde", heißt es hierin. Das EKDP sei so gestaltet, "dass Handwerksbäckereien bisher keine Zuschüsse aus dem Programm beantragen können".

Die Bäckereien als "systemrelevante Branche" erbäten und erwarteten in diesem Zuge die Korrektur des Programms und der Bevorzugung sozialer Einrichtungen und Privathaushalte bei Gasknappheit. Die Bäckereien sollten auch in dieser Situation weiterhin mit Gas beliefert werden. "Denn es dürfte niemandem geholfen sein, wenn im Fall einer Gasknappheit Privathaushalte weiter mit Gas versorgt werden, die betroffenen Beschäftigten aber dann ihren Arbeitsplatz verlieren, Unternehmen zur Aufgabe gezwungen werden und die Versorgung der Bevölkerung mit Grundnahrungsmitteln in Gefahr gerät", heißt es in dem Brief weiter.

Der Brief habe bereits Wirkung gezeigt. So habe sich der Kulmbacher Landtagsabgeordnete Rainer Ludwig (Freie Wähler) an den Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) gewandt. "Das finde ich richtig, denn es muss sich irgendwas tun", sagt Friedrich Dumler.