"Die Revolutionäre haben friedlich eine Diktatur zu Fall gebracht. Das ist eine Sternstunde, die auf ewig Platz in unserer deutschen Demokratiegeschichte hat", sagte Kreis- und Stadtrat Thomas Nagel vom Kreiskuratorium "Tag der Deutschen Einheit" bei der Gedenkfeier vor dem Mahnmal an der Berliner Brücke. Der Liberale sprach sich auch mit Blick auf die seit 33 Jahren bestehende Städtepartnerschaft mit Saalfeld für die Aufstellung einer Gedenktafel in Kulmbach aus, die an die friedliche Revolution erinnert. Im Gedenken an die Opfer von Gewaltherrschaft und DDR-Diktatur verneigten sich Landrat Klaus Peter Söllner (Freie Wähler), der Kulmbacher Oberbürgermeister Ingo Lehmann (SPD) und der Saalfelder Bürgermeister Steffen Kania (CDU) vor dem Mahnmal, an dem man einen Blumengruß niedergelegt hatte.

Dank für Starthilfe

Kania würdigte im Gespräch mit der Bayerischen Rundschau, die Kulmbacher Starthilfe in der Wendezeit. Die Tatsache, dass bereits 1988 - also noch zu DDR-Zeiten - die Partnerschaft ins Leben gerufen worden sei, habe sich positiv ausgewirkt. "Kulmbach konnte uns sofort beim Aufbau einer Verwaltung, unterstützen, die auf den Prinzipien einer freiheitlich-demokratischen Grundordnung fußte", freute sich der Redner. Die Demokratie, die die Wiedervereinigung den Ostdeutschen beschert habe, ist für den Christdemokraten das allergrößte Geschenk und eines, das nicht selbstverständlich sei. Dafür müsse man jeden Tag kämpfen, stellte er mit Blick auf die in Thüringen erstarkenden antidemokratischen Kräfte fest.

Eine unsichtbare Mauer

Nagel merkte in seiner Festrede kritisch an, dass es für viele Menschen im Osten noch immer keine Wiedervereinigung auf Augenhöhe gebe. Er sprach von der unsichtbaren Mauer, die uns in manchen Dingen noch teile, und warnte eindringlich: "Wenn Menschen sich dauerhaft zurückgesetzt fühlen, dann bröckelt der Zusammenhalt, dann steigt das Misstrauen in die Politik, dann wächst der Nährboden für Populismus und extremistische Parteien."

Vorsitzender Wolfram Brehm vom Kreiskuratorium erinnerte an die lange Tradition der Gedenkstunde. Bereits ein Jahr nach dem blutig niedergeschlagenen Arbeiteraufstand in der DDR am 17. Juni 1953, hatte ein "Ausschuss 17. Juni" zu einer Veranstaltung auf dem Kulmbacher Marktplatz mit Fackelschein, Chorgesang und Standkonzert geladen. Damals hatten sich 3000 Menschen eingefunden. Verglichen damit, waren die 50 Teilnehmer, die sich 67 Jahre später zusammenfanden, überschaubar gewesen. Brehms Rede geriet zu einem Plädoyer für Menschenwürde, Meinungsvielfalt und gegenseitigen Respekt. "Egal ob man nun für Impfungen oder dagegen ist", schlug er gedanklich die Brücke zur aktuellen Gesundheitskrise.

Kein Rückfall in Kleinstaaterei

Für Kreis- und Stadtrat Simon Moritz sind die deutsche Einheit und die europäische Integration untrennbar miteinander verbunden. Der Sozialdemokrat warnte vor nationalen Egoismen, dem Rückfall in Kleinstaaterei, militärische Drohgebärden und autoritäre Gesellschaften. "Sie waren in Europas Geschichte niemals Teil der Lösung - sondern immer Kern des Problems", stellte der Redner fest.

Simon Schmidt, Maximilian Friedrich und Rainer Streit vom Posaunentrio der Musikschule Kulmbach spielten die National- und die Europahymne, in der die Teilnehmer freudig mit einstimmten.