Kaum hatte am Dienstag in Bayreuth ein großangelegter Drogenprozess begonnen, war er auch schon wieder zu Ende. Zumindest für einen der beiden Angeklagten, einen 31-jährigem Mann aus Betzenstein. Weil der Mann seit seinem 16. Lebensjahr ohne große Unterbrechungen Drogen konsumiert, entschied das Gericht, zur Frage seiner strafrechtlichen Verantwortung ein Sachverständigengutachten einzuholen. Das heißt, der Angeklagte wird vom Landgerichtsarzt darauf hin untersucht, ob er in einer Suchtklinik untergebracht werden soll. So lange wird die Verhandlung ausgesetzt. Er habe mal mehr, mal weniger konsumiert, sei aber immer wieder rückfällig geworden, sagte der 31-Jährige.

Verantworten musste sich dagegen ein mitangeklagter, ebenfalls 31-jähriger Mann aus dem Landkreis Kulmbach. Er wurde wegen Drogenhandels zu einem Jahr und zehn Monaten Haft auf Bewährung verurteilt.
Er soll den Betzensteiner im Dezember 2013 beauftragt haben, 100 Gramm Crystal Speed zu beschaffen, um es für 6500 Euro an eine Bekannte und deren Freund zu verkaufen. Als Gewinn hatte sich der Angeklagte 1000 Euro versprochen.


Beste Qualität

Der Betzensteiner soll daraufhin nicht nur 100, sondern sogar 130 Gramm Crystal in Tschechien beschafft und über Bad Elster eingeführt haben. Die Übergabe fand in einer Pottensteiner Wohnung statt. Aufgeflogen war die Sache im Februar im Zuge anderer Drogengeschichten des Betzensteiners. Bei einer Wohnungsdurchsuchung im östlichen Landkreis Kulmbach wurden sogar noch geringe Mengen Crystals sichergestellt. Dabei stellte sich auch heraus, dass die Droge von bester Qualität war und einen Wirkstoffgehalt von teilweise bis zu 90 Prozent hatte.

Der 31-Jährige aus dem Kreis Kulmbach war bislang nur als Kleinkonsument in Erscheinung getreten. Gericht und Staatsanwaltschaft konnten deshalb nicht so recht nachvollziehen, warum er sich plötzlich auf ein derart großes Geschäft eingelassen hat. Immerhin reichen 100 Gramm für tausende Konsumeinheiten. "Irgendwie ist das alles schon ein wenig irreal", sagte vorsitzender Richter Michael Eckstein. "Da macht jemand aus dem Stand ein Drogengeschäft mit 100 Gramm Crystal und 1000 Euro Gewinn", wunderte sich auch Beisitzer Jochen Götz. Staatsanwalt Daniel Götz ergänzte: "Uns kommt das alles seltsam vor."

"Ich habe nicht richtig nachgedacht, was das alles bedeutet", sagte der Mann vor Gericht. Klar war dagegen die finanzielle Dimension des Geschäfts: Genau 22,70 Euro hatte der Betzensteiner pro Gramm Crystal Speed in einem Lebensmittelladen in Asch bezahlt. Für 50 Euro pro Gramm kaufte es sein gleichaltriger Komplize, der es dann für 65 Euro an seine Bekannte und deren Freund veräußerte. "Diese Gewinnspannen sind absolut verlockend", sagte Verteidiger Wolfgang Schwemmer aus Bayreuth. Kein Wunder, dass alle Hemmungen fallen und der Crystal-Handel fast schon als normal angesehen wird.


"Umfangreich ausgepackt"

Bei seiner Festnahme am Arbeitsplatz soll der Angeklagte aus dem Landkreis ziemlich erschrocken gewesen sein. Er habe dann aber relativ schnell und umfangreich ausgepackt, erinnerte sich ein Beamter der Kriminalpolizei in Bayreuth. Dabei hatte der Mann auch viel über die ihm bekannte Drogenszene in der Region berichtet und einige Namen genannt. Deshalb kam ihm letztlich die Kronzeugenregelung zu Gute und fiel das Urteil mit einem Jahr und zehn Monaten auf Bewährung relativ milde aus.

Staatsanwalt Götz hatte zwei Jahre auf Bewährung wegen Anstiftung und Handels mit Drogen in nicht geringer Menge gefordert. Vor allem die Hilfe bei der Aufklärung soll ein Signal aussenden, sagte er. Verteidiger Wolfgang Schwemmer hielt eine Bewährungsstrafe von einem Jahr und sechs Monaten für ausreichend. Er sah die Anstiftung nicht als erwiesen an und beantragte die Verurteilung lediglich wegen des Handels.

Die Kammer unter Vorsitz von Richter Eckstein sah das genauso. Zusätzlich zur Bewährungsstrafe ordnete das Gericht gegen den jungen Mann 200 Stunden gemeinnützige Arbeit sowie den Verfall von 1500 Euro an. Das Problem dieser Region ist die Nähe zu Tschechien, sagte der Vorsitzende. "Hier reizt eben das Geld."

Der Prozess gegen den Betzensteiner wird heuer vermutlich nicht mehr stattfinden. Er muss sich zusätzlich wegen des schwunghaften Handels mit Crystal Speed zwischen Juli 2013 und Februar 2014 verantworten. Konkret werden dem Mann zehn Beschaffungsfahrten nach Tschechien vorgeworfen, bei denen er fast 700 Gramm Crystal Speed für beinahe 18.000 Euro erworben haben soll.