"Die ehemalige innerdeutsche Grenze wird heute vom Bund Naturschutz als grünes Band gefeiert. Doch einst war sie eine schreckliche Zerstückelung unseres Vaterlandes mit Minen, Schießapparaten und hochgerüsteten Soldaten", sagte der Vorsitzende des Kreiskuratoriums Deutsche Einheit, Wolfgang Protzner. Am Mahnmal an der Berliner Brücke gedachten gestern bei sonnigem Herbstwetter rund 50 Bürger, darunter viele Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens, der deutschen Wiedervereinigung vor 24 Jahren.

Einer, der mit der von Protzner angesprochenen Zonengrenze seine ganze eigenen Erinnerungen verbindet, war ebenfalls anwesend: Reiner Weber. Holzpfähle und Stacheldrahtgeflecht gehörten für den jungen Beamten beim Bundesgrenzschutz in den 80er Jahren des vorigen Jahrhunderts zum beruflichen Alltag.
"Die Flucht eines DDR-Bürgers nach Pressig im Landkreis Kronach im Sommer des Jahres 1988, die unblutig verlaufen war, wird mir für immer im Gedächtnis bleiben", erinnerte sich der 46-jährige Kulmbacher, der heute für die Bundespolizei in München tätig ist.

Ein ganz besonderes Erlebnis war es für Weber, als er nach der Grenzöffnung in Bamberg am Bahnsteig Obst und Süßigkeiten an eintreffende DDR-Bürger verteilen durfte. "Wenn man in Augen blickt, die Freude ausstrahlen, dann ist das emotional bewegend", erzählte Weber am Rande der Veranstaltung.

Auch er lauschte den Reden der beiden Stadt- und Kreisrate Simon Moritz und Thomas Nagel (FDP) sowie von Wolfgang Protzner, der als Vorsitzender des Kreiskuratoriums Deutsche Einheit wie alle Jahre wieder die eigentliche Festrede hielt. Der Sozialdemokrat blickte mit Freude dem 9. November entgegen, an dem sich der Fall der Berliner Mauer zum 25. Mal jährt. Dieser Tag sei für die Wiedervereinigung wegbereitend gewesen und habe auch die größte Symbolkraft ausgestrahlt, stellte der Redner fest. "Wir können dankbar sein über die in der Friedlichen Revolution errungene Freiheit", freute sich Nagel, der mit Blick auf die kriegerischen Auseinandersetzungen in der Welt die Vorbildfunktion der deutschen Wiedervereinigung herausstrich.

Auch Protzner baute eine gedankliche Brücke von der Wende- in die Jetztzeit. Unerklärlich werde für ihn immer bleiben, wie das Imperium der Sowjetunion sowohl in seiner Glaubensrichtung als kommunistischer Staat als auch in seiner Machtausdehnung zerfallen konnte. Man dürfe sich nicht wundern, wenn Putin jetzt die ganze Schose wieder rückgängig machen wolle, schlussfolgerte er die Ukraine-Krise im Blick.

In fünfzehn Jahren werde man eine Welt mit den fünf Führungsmächten USA, Russland, China, Indien und Brasilien haben, so der Experte. "Und wo sind wir?", fragte er und lieferte die Antwort gleich mit: "Wir müssen das europäische Haus so schnell wie möglich bauen, sonst werden wir zerrieben zwischen diesen Großmächten."
Tanja Schaller und Susanne Trottmann begleiteten mit ihren zarten Flötentönen einen vielstimmigen Teilnehmerchor, der inbrünstig sang: "Einigkeit und Recht und Freiheit für das Deutsche Vaterland."