Fünf Mal gräbt sich die Schaufel in den Erdwall - dann sickert erst ein Rinnsaal durch den Spalt, schließlich ergießt sich der Weiße Main schwallartig in sein neues Bett. Raus aus der ewigen Geraden, rein in ein mäanderndes Band durch die Pörbitscher Au.

Montagmorgen um kurz nach 11 Uhr war es, als der Fluss aus seinem Korsett befreit wurde. "Es ist schön, dass wir überhaupt ein bisschen Wasser haben", scherzte Andrea Künzl, stellvertretende Leiterin des Wasserwirtschaftsamts Hof. In der Tat wird die "Flutmulde" ihrem Namen aktuell nicht gerecht. Von Niedrigwasser zu reden, das wäre noch übertrieben. Aber nicht nur Oberbürgermeister Henry Schramm weiß, dass sich die Zeiten schnell wieder ändern. "In den vergangenen Jahren war die Dammkrone mehrfach fast erreicht. Es gab überschwemmte Gärten und voll gelaufene Keller. Mit dieser umfassenden Schutzmaßnahme vor Hochwasser soll das alles der Vergangenheit angehören."



15,5 Millionen Euro lässt sich der Freistaat die Großbaustelle Flutmulde kosten. Für die Stadt bleibt, so Schramm, ein "sehr überschaubarer Eigenanteil an den Kosten von rund 450 000 Euro übrig". Alleine hätte die Kommune ein solches Mammutprojekt niemals schultern können.


Schutz plus naturnahe Gestaltung

Im Zuge des Hochwasserschutzes legte das Wasserwirtschaftsamt Hof als ausführende Behörde Wert auf die Gestaltung eines abwechslungsreichen und naturnahen Gewässers, bekundete Andrea Künzl. Früher, beim Bau der Flutmulde, sei das Ziel ein gleichförmiger und möglichst geradliniger Flusslauf gewesen. Dieses starre Konzept werde nun aufgebrochen. "Zum einen sollen die Bürger wieder nahe an ihren Fluss heran dürfen, sie sollen ihn erleben können. Zum anderen entstehen dadurch viele neue Lebens- und Rückzugsräume für Tiere und Pflanzen."

Auch abseits des Wassers schreiten die Arbeiten voran. Auffällig sind neben der neuen Brücke für Fußgänger das fertiggestellte Pumpwerk am Rande der Pörbitscher Au, das bereits mit Holzbrettern verkleidet wurde und damit die gleiche Optik aufweist wie ein Teil der Spundwände, die zur Abdichtung tief im Sandstein gründen. Der Mauerschluss auf Höhe der Berliner Brücke steht noch aus.


Bepflanzung im Frühjahr

Im Frühjahr steht die weitere Bepflanzung des Areals an, sagt Andrea Künzl. Ferner werden die Arbeiten ausgeschrieben für die Maßnahmen, die den sicheren Wasserabfluss am Pörbitscher Hang gewährleisten sollen. Mit einem Abschluss der Arbeiten rechnen Wasserwirtschaftsamt und Stadt Kulmbach im Frühjahr 2018.