Nicht wegen der Gewalttaten, die konnten nicht nachgewiesen werden, weil alle Beteiligten schwiegen. Verurteilt wurde der Mann vielmehr wegen des Besitzes von zwei verbotenen Waffen, einem Springmesser und einem sogenanntes Butterfly-Messer.

Die Vorwürfe liegen fast auf den Tag genau ein Jahr zurück. Weit nach Mitternacht soll der 33-Jährige auf seine zehn Jahre jüngere Frau brutal losgegangen sein und sie geschlagen haben. Die 23-Jährige holte ihre Mutter zu Hilfe. In der Wohnung angekommen soll sie der rabiate Angeklagte zunächst gegen einen Schrank geschleudert haben, dann soll er eines der Messer gepackt und auf die 51-Jährige losgegangen sein. Nun war es laut Anklage wieder die Ehefrau, die sich dazwischen stellte und somit Schlimmeres verhinderte. Immerhin trug die Ehefrau eine kleine Schnittwunde an der Hand davon.
Dann sind beide Frauen erst einmal geflüchtet.
Die Ehefrau kehrte wohl schon bald aus Sorge um ihre beiden Kinder zurück, während ihre Mutter zur Polizei ging. Mit zwei Streifen machten sich die Beamten sofort auf den Weg, mussten aber in der Wohnung des jungen Paares nach langem Klopfen und Klingeln feststellen, dass plötzlich niemand mehr mit der Polizei sprechen wollten - so erinnerte sich eine Beamtin aus Kulmbach. Immerhin ergab ein Alkoholtest beim Angeklagten fast ein Promille, die Schnittwunde der jungen Frau wurde zu Dokumentationszwecken fotografiert, außerdem wurden drei Messer festgestellt, von denen zwei klar verboten sind.

Nur noch eine Zeugin

Der Angeklagte, der von seinem Rechtsanwalt im Stich gelassen wurde, weil kein Fall von Pflichtverteidigung vorlag und ganz offensichtlich anders die Bezahlung nicht zu sichern war, machte vor Gericht keine Angaben, ebenso die beiden Opfer, die Ehefrau und deren Mutter.
Als nahe Verwandte konnte beide von ihrem Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch machen. Einzige Zeugin war nun die Polizeibeamtin, die aber beim direkten Tatgeschehen nicht dabei war. Bei ihr hatte die Schwiegermutter des Angeklagten zwar ausgesagt, doch reicht diese Aussage nicht zu einer Verurteilung aus, so sieht es die Strafprozessordnung vor. Zumindest eine richterliche Vernehmung hätte es geben müssen, auf die sich das Gericht stützen könnte. So hatte das Gericht praktisch gar nichts, was zu einer Verurteilung ausgereicht hätte.
Somit könne der Vorfall nicht mehr festgestellt werden, sagte Richterin Sieglinde Tettmann, übrig blieb lediglich der Straftatbestand des verbotenen Waffenbesitzes. Das sah auch Staatsanwältin Susanne Vonbrunn so. Der Familienstreit habe sicher stattgefunden, sonst wäre die Schwiegermutter des Angeklagten ja nicht zur Polizei. Die Staatsanwältin beantragte die letztlich auch verhängte Geldstrafe von 40 Tagessätzen zu jeweils 20 Euro.
"Bei uns ist alles in Ordnung", hatte der Angeklagte in seinem letzten Wort noch gesagt.