An einer Betonmauer an der Verbindungsstraße von der Wolfskehle nach Heinersreuth befindet sich eine Tafel mit folgender Inschrift "Erbauer der Strasse Theodor Heublein 1925/26". Wer war dieser Theodor Heublein? Warum wird hier an ihn erinnert?

Zu unserer Freude hat sich Ottmar Schmidt in seinem Werk "Wegmarken" über Kulmbacher Straßennamen auch ausführlich mit der Theodor-Heublein-Straße und ihrem Namensgeber beschäftigt. Auf den Recherchen des ehemaligen Redaktionsleiters der Bayerischen Rundschau fußt die heutige Entdeckertour, wir danken ihm herzlich für die geleistete Vorarbeit.

Bürgermeister im Frankenwald

Geboren wurde Theodor Heublein am 16. März 1888 in Weißenbrunn. Nach dem Besuch der dortigen Volksschule wollte er Lehrer werden und besuchte von 1902 bis 1905 die damalige Präparandenschule in Kulmbach, danach das Lehrerseminar in Bayreuth.

1907 erhielt er seine erste Stelle in Laineck, beim dortigen Schulhausbau erkannte man schnell sein Organisationstalent. Einige Zeit war er dann in Förmitz tätig und später in Schwarzenstein. Nach dem Ersten Weltkrieg herrschte Not und Elend in den Familien, daher wandte er sich der Politik zu und wurde Erster Bürgermeister der Frankenwaldgemeinde.

"Ich war nie ein Parteipolitiker"

Die Kommunalpolitik ließ ihn auch nach seiner Versetzung zurück ins Kulmbacher Land, nach Heinersreuth bei Trebgast, nicht mehr los. Alsbald wurde er in den Gemeinderat von Heinersreuth berufen. Seine Frau stammte aus Trebgast, seine Schwiegereltern wohnten dort.

Heublein über sich selbst: "Ich war nie ein Parteipolitiker, sondern immer reiner Kommunal- und Realpolitiker." Nachdem es von Heinersreuth nach Kulmbach nur eine sehr schlechte Verbindung gab, setzte er sich mit Nachdruck für eine bessere Straßenführung ein. "Die Ranga-Bauern braung a gscheita Zufahrt", argumentierte Heublein. Tatsächlich gelang dieses Vorhaben, sodass ihm zu Ehren an einer Stützmauer in der Wolfskehle - an der Straße nach Heinersreuth - die Gedenktafel angebracht wurde.

1933 übersiedelte Theodor Heublein nach Trebgast, allerdings ohne sich politisch zu betätigen. Dadurch erlangte er nach Ende des Zweiten Weltkrieges das Vertrauen der Amerikaner, die ihn bereits 1945 als Trebgaster Bürgermeister einsetzten. In diesem Amt traf er weitblickende und vorausschauende Entscheidungen und wurde bald in den Kreistag berufen. Auf Wunsch seiner Kollegen von CSU und FDP, die in dem Gremium die Mehrheit bildeten, übernahm er 1947 als Parteiloser das Amt des Landrats, das er 23 Jahre lang behalten sollte.

Vital und volkstümlich

Seine Vitalität, seine unermüdliche geistige Beweglichkeit und seine urwüchsige Kraft, aber auch seine Bescheidenheit und Volkstümlichkeit, sicherten Heublein das Vertrauen der Bürger. Er verstand es, alle von der Notwendigkeit zu überzeugen, dass man mit der Zeit gehen und auch auf dem Land lebenswerte Bedingungen schaffen müsse.

Sein Verdienst war es, dass in verhältnismäßig frühen Jahren in den Gemeinden des Kreises Licht, Wasser, Kanalisation und bessere Straßen selbstverständlich waren. Mit Zähigkeit und diplomatischem Geschick erreichte er weiterhin, dass Marktschorgast einen Autobahnanschluss erhielt, was der Gemeinde Vorteile bei der Erreichbarkeit im Winter und bei der Industrieansiedlung brachte.

Landwirtschaft im Blick

Die Förderung von Industrie und Handwerk und damit einhergehend die Schaffung von Arbeitsplätzen war für ihn vorrangig. Ebenso galt seine berechtigte Sorge der Erhöhung der Rentabilität in der Landwirtschaft, einmal durch Bodenverbesserungen und dann durch Festigung der Viehzucht durch eine planvoll betriebene Zuchtwahl.

Als nach 16 Jahren seine Wiederwahl anstand, sagte er einmal: "Ich führe keinen Wahlkampf, ich habe es nicht nötig. Ich habe 16 Jahre Wahlkampf hinter mir, wer mich da nicht kennengelernt hat draußen in den Gemeinden, wird es auch im Wahlkampf nicht tun."

Seine Steckenpferde waren die Pflege des Obst- und Gartenbaus, die Ortsverschönerung und vor allem die Flurbereinigung. Hohen Stellenwert maß er der Arbeit für die Jugend zu (das Amt eines Kreisjugendpflegers wurde unter Heublein geschaffen), ebenso dem Ausbau des Schulwesens und der Förderung des Vereinslebens, insbesondere bei der Feuerwehr, beim Roten Kreuz und anderen gemeinnützigen Verbänden.

Neues Landratsamt gebaut

Nicht immer schaffte er Veränderungen im ersten Anlauf, aber wenn er etwas als gut und richtig erkannt hatte, dann verfolgte er sein Ziel mit unerschütterlicher Zähigkeit und größtem Beharrungsvermögen. Es freute ihn ganz besonders, dass der von ihm verfolgte Plan für den Bau eines neuen Landratsamts noch unter seiner Zeit als Landrat verwirklicht werden konnte.

Am 30. April 1970 trat er nach 23-jähriger Amtszeit mit 82 Jahren als dienstältester Landrat Oberfrankens und ältester amtierender Landrat Bayerns in den wohlverdienten Ruhestand.

Zahlreiche Namensgebungen von Straßen und Schulen und die Ernennung zum Ehrenbürger in einer ganzen Reihe von Gemeinden unterstrichen die Achtung und Anerkennung für ihn und seine Arbeit. Die Stadt Kulmbach ehrte ihn mit dem Eintrag ins Goldene Buch. Weitere Auszeichnungen waren der goldene Ehrenring des Landkreises, der bayerische Verdienstorden, das Bundesverdienstkreuz und viele andere.

In Trebgast beigesetzt

Wenige Tage vor seinem 95. Geburtstag starb Theodor Heublein am 24. Februar 1983. Eine große Trauergemeinde nahm auf dem Trebgaster Friedhof Abschied von ihm.

Seine Nachfolger im Amt des Landrats waren Kurt Held von 1970 bis 1984, Herbert Hoffmann von 1984 bis 1996 und Klaus Peter Söllner (ab 1996).