Ihr weißgraues Gefieder erstrahlt schon von weitem aus dem Dunkel des Waldes. Ihre Augen sind auf den Gottesgarten am Obermain gerichtet. Am Pilgerweg begrüßt eine Eule die Wanderer aus nah und fern auf ihrem Weg zur Basilika Vierzehnheiligen. Sie zücken ihre Kameras oder bleiben vor Bewunderung entzückt stehen. Ihr Gegenüber ist nicht aus Fleisch und Blut, sondern wurde geformt mit einer Kettensäge aus einem Fichtenstamm. Ihr Schöpfer ist Klaus Schmidt aus Weismain.

"Die Eule als Tier des Waldes ist ein idealer Blickfang neben einer Hohlgasse, die Spaziergänger in einen Forst führt", findet der Künstler, der sich im Glanz seines bewunderten Kunstwerks sonnt. Der 54-jährige ist von Kindesbeinen an in den Werkstoff Holz verliebt. Schon als kleiner Bub habe er aus Kiefernrinde Boote geschnitzt, erzählt der Weismainer. Auch durch sein Berufsleben zog sich der organische Rohstoff wie ein roter Faden - zunächst als Schreiner und heute als Forstwirt.

"Holz ist warm, überall einsetzbar und wächst nach", erklingt sein Loblied auf einer Parkbank unweit seines Kunstwerkes. Wohnen tut er - wie könnte es auch anders sein - in einem Holzhaus. Die Eule ist nicht die erste Figur, die Schmidt erschuf. Adler, Bären, Eichhörnchen, Pferdeköpfe und Reiher sind seiner kreativen Ader entsprungen. Auch ein ganz kurioser Geselle ist darunter. Für einen Krieg-der-Sterne-Fan aus dem Weismainer Ortsteil Geutenreuth verwandelte er einen Baumstumpf in Yoda, den Jedi-Großmeister mit dem faltigen Gesicht.

Die Leidenschaft für das Baumschnitzen wurde vor 20 Jahren bei einem beruflichen Fortbildungskurs "Holzbearbeitung mit der Kettensäge" geweckt. Wer meint, Schnitzen mit der Säge sei ein Kinderspiel - der befindet sich für Schmidt auf dem Holzweg. "Man braucht eine kreative Ader, muss Formen und Proportionen gut einschätzen können", spricht der Fachmann aus ihm. Im Unterschied zu seiner Arbeit als Forstwirt gebe es keine klar abgegrenzten Arbeitsschritte. "Es ist vielmehr ein kreativer Prozess mit fließenden Übergängen. Vor meinem geistigen Auge entsteht die Figur, die ich dann mit der Säge aus meinem Stamm herausforme", beschreibt Schmidt seine künstlerische Tätigkeit.

Worauf muss man achten, damit beim Schnitzen nichts schiefgeht? Für Schmidt gilt das Sprichwort "Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste". Man müsse sich an eine Figur herantasten und dabei Zeit lassen. Andernfalls habe man das Malheur: "Was weg ist, ist weg. Dann kann ich den Stamm nur noch verschüren."

Zu dem Auftrag kam Schmidt wie die sprichwörtliche Jungfrau zum Kinde. Der 54-Jährige arbeitet als Forstwirt bei der Bayerischen Forstbetriebsgemeinschaft Coburg. Dort hatte Forststudent Lorenz Hertel ein Praktikum gemacht. Danach leitetete der junge Mann einen Maschineneinsatz im Bad Staffelsteiner Stadtwald. Um der Verkehrssicherheitspflicht nachzukommen, mussten schadhafte Bäume gefällt werden. "Hertel erinnerte sich an mich und mein Steckenpferd und fragte an, ob ich nicht aus einem der Bäume eine Figur schnitzen würde." Gesagt getan. Auch beim Kur- und Tourismusservice war man Feuer und Flamme für die Idee.

Dem kommissarischen Bürgermeister Hans-Josef Stich, ebenfalls angetan von der Kunstaktion, wurden mehrere Vorschläge für Figuren vorgelegt. "Kirchliche Schnitzereien gibt es rund um die Basilika schon einige. So entschied er sich für ein tierisches Motiv", erzählt der Baumschnitzer. Von der Stadt erhält er eine Aufwandsentschädigung.

Schmidt legt großen Wert darauf, dass es ihm nicht um das Finanzielle gehe. Er schnitze aus Spaß an der Freude. "Mein Hobby schenkt mir Entspannung und Selbstbestätigung. Wenn die Leute sich an meinen Kunstwerken erfreuen, dann pocht auch mein Herz vor Freude", sagt er. 14 Stunden hat er schon an seiner Eule herumgesägt. Ein paar werden noch hinzukommen. Mit einem Bunsenbrenner will er die Konturen hervorheben und ganz zum Schluss noch ein paar farbliche Akzente setzen, damit ein gelungenes Kunstwerk die Wanderer erfreut.