Dominik Lindner nimmt seine Virtual-Reality-Brille ab. "Ich war gerade auf einem Dach. Schornsteinfeger haben mir gezeigt, wie man einen Kamin reinigt", erzählt der 15-jährige Stadtsteinacher. Ob er auch im realen Leben mit schwarzem Zweireiher, Kehrbesen und rußbeflecktem Gesicht von Haus zu Haus gehen würde? "Wohl eher nicht", entgegnet der 15-Jährige. Die virtuelle Reise in die Welt der Kaminfeger, die ihm die Kaminkehrerinnung Oberfranken beschert hatte, war für ihn trotzdem hochinteressant.

Seine Berufswünsche liegen woanders. Der Jugendliche, der die 9. Klasse der Realschule in Gefrees besucht, liebäugelt mit dem Beruf des Programmierers. Zur Fernsehserie "Flash" hat der Stadtsteinacher eine eigene Website programmiert. "Dazu musste ich mir jede Menge Codes merken, was mir leicht viel", erzählt Lindner. In ihm steckt auch der Forscherdrang. "Eine Ausbildung zum Chemielaboranten würde mich auch reizen", sagt der 15-Jährige.

Er ist einer von unzähligen jungen Leuten, die sich am Samstag auf der ersten Kulmbacher Karrieremesse über die Ausbildungsmöglichkeiten in der Region informiert haben. In der Turnhalle, dem Anbau, der Mensa und dem Pausenhof der Carl-von-Linde-Realschule in Kulmbach herrscht geschäftiges Treiben. 103 Firmen präsentieren den jungen Leuten ihre Ausbildungsmöglichkeiten. Organisiert haben die Messe der Arbeitskreis Schule-Wirtschaft und der Landkreis Kulmbach.

"Endlich wieder eine Ausbildungsmesse in Präsenz", freut sich Rektorin Monika Hild bei der Eröffnung. Eine gute Ausbildung ist für die Pädagogin die Grundlage einer erfolgreichen Zukunft für jeden einzelnen und die gesamte Region.

Auch die beiden Vorsitzenden des Arbeitskreises, Alexander Battistella (Schule) und Clemens Dereschkewitz (Wirtschaft), und Landrat Klaus Peter Söllner sind erleichtert, dass nach zwei Jahren Pandemie wieder eine Ausbildungsmesse im gewohnten Rahmen stattfinden kann. Die persönlichen Gespräche zwischen Firmenvertretern und jungen Leute seien durch digitale Angebote nicht zu ersetzen, spricht Battistella allen aus der Seele.

Anna-Louisa Voigtmann informiert sich am Stand der Kulmbacher Berufsfachschule über den Beruf des pharmazeutisch-technischen Assistenten. In der Schule hatte ihr Herz für das Fach Biologie geschlagen. "Ich finde es faszinierend, sich mit Vorgängen im menschlichen Körper zu befassen", verrät die junge Frau. Die 20-Jährige, die 2021 ihr Abitur am Gymnasium Burgkunstadt gemacht hat, könnte sich aber auch vorstellen, Journalistin zu werden. Erfahrungen hat sie bereits gesammelt. Bei Radio Plassenburg und der Mediengruppe Oberfranken schnupperte sie in die Welt des Journalismus hinein.

Als technikaffin gibt sich Florian El Sayed zu erkennen: "In meiner Freizeit repariere ich gerne alte Kameras und Tonbandgeräte." Am Stand der Schwender Energie- und Gebäudetechnik GmbH mit Sitz in Thurnau presst der 16-jährige Kulmbacher ein Kupferherz zusammen. Sein Berufsziel: ein Maschinenbaustudium. "Mich hat schon immer fasziniert, wie technische Geräte funktionieren, wie man sie baut, wartet und repariert", sagt der Jugendliche, der die 11. Klasse des Caspar-Vischer-Gymnasiums in Kulmbach besucht.

Auf dem Pausenhof hat die Firma ASK aus Kulmbach, die Rohrleitungsbauer und Tiefbaufacharbeiter ausbildet, ihren Bagger abgestellt. Er lenkt die Blicke von Tony Michel auf sich. Der Lehenthaler kann sich vorstellen, auf dem Bau zu arbeiten. "Dort geht es abwechslungsreich zu", meint der 15-Jährige, der gerne an der frischen Luft arbeitet. Als Bauarbeiter war er schon tätig, wie sein Vater Thomas verrät. Bei der Renovierung des Hauses und beim Bau eines Carports habe er fleißig mitgeholfen.

Die Karrieremesse hat eine gelungene Premiere erlebt. Wird sie die zwei Ausbildungsmessen im Herbst und Winter ersetzen? Das, so Battistella, hänge von den Corona-Infektionszahlen in der kalten Jahreszeit ab.