Bis 150 Meter vor seiner Wohnung schaffte er es noch am frühen Morgen des 19. Juli dieses Jahres, dann legte er sich auf dem Gehweg und schlief ein.

Was folgte, brachte den Mann jetzt vor Gericht. Anwohner hatten die Polizei gerufen. Zwei Streifenbeamte kamen, weckten ihn auf und ehe sie sich versahen, pöbelte er die Polizistin und ihren Kollegen an, beschimpfte sie mit den übelsten Ausdrücken und wehrte sich mit aller Kraft dagegen, dass er zur Ausnüchterung mit auf die Wache genommen werden soll.

Zwei Tage im Krankenhaus

"Ich weiß das alles nur aus den Akten", entschuldigte sich der Angeklagte. Ab circa zwei Uhr morgens könne er sich an nichts mehr erinnern. Er könne sich erst wieder erinnern, dass er in einer Zelle aufgewacht sei und von Polizisten ins Krankenhaus gebracht wurde. Tatsächlich wurde der Mann wegen zahlreicher Prellungen und offener Schürfwunden am Kopf und an den Armen noch zwei Tage lang stationär behandelt.

Von einem überaus aggressiven Verhalten des Angeklagten berichtete die Polizistin, die mit ihrem Kollegen eigentlich wegen einer Ruhestörung gerufen worden war. Man habe ihm erklärt, dass er leise sein soll, doch ohne Erfolg. "Er ist überhaupt nicht auf uns eingegangen und hat stark nach Alkohol gerochen", sagte die Beamtin. Sie berichtete auch von einem Handgemenge, bis der Mann endlich an Händen und Füßen gefesselt abtransportiert werden konnte.

Obwohl sich der Mann persönlich auf der Wache bei ihr und ihrem Kollegen entschuldigt hatte, war die Polizistin noch immer empört über die Kraftausdrücke, die ihr der Angeklagte vor den Anwohnern, die das Geschehen von ihren Fenstern aus beobachteten, an den Kopf geworfen hatte. "Die Beleidigungen kamen so richtig von innen heraus", sagte die Frau. Die Entschuldigung des Angeklagten habe sie zwar angenommen, den Strafantrag werde sie aber nicht zurückziehen.

Wegen Vollrausch verurteilt

Verteidiger Andreas Wölfel aus Tröstau wollte mit einem Beweisantrag ein Gutachten erreichen, in dem geprüft werden sollte, ob sein Mandant aufgrund des starken Alkoholgenusses zum Tatzeitpunkt schuldunfähig war. Das Gutachten sei nicht nötig, das Gericht gehe schon davon aus, dass die Schuldunfähigkeit bei zwölf Flaschen Bier und einer dreiviertel Flasche Schnaps nicht auszuschließen ist, so Richterin Sieglinde Tettmann. Rechtlich bedeutet dies, dass der Angeklagte nicht wegen der ursprünglichen Vorwürfe des Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte und wegen Beleidigung verurteilt wird, wohl aber wegen Vollrausches.

So kam es dann auch: Die Vertreterin der Staatsanwaltschaft beantragte eine Geldstrafe von 2800 Euro (80 Tagessätze zu 35 Euro). Verteidiger Wölfel plädierte dagegen nur auf 20 Tagessätze und stellte die Tagessatzhöhe in das Ermessen des Gerichts. Die Schuldunfähigkeit seines Mandanten sei nicht auszuschließen, sagte der Rechtsanwalt. Er gab aber auch zu bedenken: "Würde es sich bei den Beleidigungen nicht um Polizisten handeln, wäre das Verfahren längst eingestellt worden." Die Widerstandshandlungen selbst seien eher passiv, wie bei einer Sitzblockade einzustufen, so dass lediglich ein alkoholbedingter Exzess im Raum steht, für den sich sein Mandant mittlerweile mehrfach bei den Betroffenen entschuldigt hatte.

Richterin Tettmann urteilte schließlich auf 2100 Euro (60 Tagessätze zu je 35 Euro). Die Schuldunfähigkeit sei tatsächlich nicht auszuschließen, allerdings hätten sich die Beleidigungen über einen längeren Zeitraum erstreckt. Nicht zuletzt war der Angeklagte auch schon wegen eines Gewaltdelikts vorbestraft. "Der Angeklagte muss lernen, sich künftig besser zu beherrschen", gab die Richterin dem Mann mit auf den Weg.