Über der Festung ziehen sich die Wolken zusammen. Einige Tröpfchen fallen, der Wind frischt auf. Michael Haufe nimmt es gelassen. Um die Resultate seiner Arbeit macht er sich trotz des aprilhaften Mai-Wetters keine Sorgen. Holz, Stoff und Styropor sind so hergerichtet, dass sie Wind und Wasser über Monate trotzen sollten.

Haufe kennt solche Herausforderungen, wie sie jetzt die drei Open-Air-Stücke der Rosenberg-Festspiele an ihn stellen. Seit 30 Jahren ist er Bühnenbildner, hat mit namhaften Musikern ebenso gearbeitet wie in der Theaterszene. Er pendelt gerne zwischen Rockkonzert, Theater und Freilichtbühne.

"Im Wesentlichen ist der Bühnenbildner der Architekt, der eine Vision für das Stück entwickelt", erklärt er seine Aufgabe. Er skizziert seine Ideen, spricht sich mit dem jeweiligen Regisseur ab und entwickelt die Planung so Schritt für Schritt weiter. Haufe gesteht, in dieser Hinsicht etwas konservativ zu sein. Er mag es nicht, wenn sich ein Regisseur am Autor eines Stückes vorbei in den Vordergrund spielt. Das bedeutet aber nicht, dass keine eigenen Gedanken einfließen dürfen. Und dafür, dass seine Ideen am Ende so funktionieren, wie er es sich vorstellt, sorgt Haufe selbst. Weil er eine sehr handwerkliche Ader hat, absolvierte der Bruder von Stefan Haufe (künstlerischer Leiter der Kronacher Festspiele) zusätzlich noch die Ausbildung zum Theatermaler und -plastiker. "Anfang der 90er Jahre habe ich meine eigene Werkstatt aufgemacht", erzählt er.


Multifunktionale Requisiten

Aus dem Atelier hat er gleich mehrere Dekorationsgegenstände mitgebracht. Wobei diese Bezeichnung nicht so ganz stimmt. "Ich mache ungern Bühnenräume, die nur zur Dekoration da sind", erklärt Michael Haufe. Was er ins Bühnenbild einbringt, soll möglichst multifunktional sein. "Man muss damit spielen können." Als Beispiel nennt er einen kleinen Tunnel, den er gerade am Rand der Bühne anlegt. So können die Schauspieler zwischen ihren Auftrittsorten wechseln. Gleichzeitig kann daraus aber eine Kulisse werden. Haufe könnte sich gut vorstellen, dass aus der Verkleidung des Gangs "Tiere" beim "Dschungelbuch" ihren Kopf quasi aus dem Dickicht des Urwalds herausragen lassen.

Eine edle Säule für "Mirandolina" hat er ebenfalls schon zu Hause angefertigt. "Sie ist ein Hohlbau aus Styropor", erläutert er in einfachen Worten, was in der Praxis mit vielen Arbeitsschritten verbunden ist. "Locker drei Tage" müsse für eine solche Requisite an Arbeitszeit einkalkuliert werden. Warum er diese Aufgabe nicht vor Ort erledigt hat? Der Bühnenbildner lächelt: "Hätte ich das hier gemacht, dann hätt's in Kronach geschneit." Auch diese Säule kann er sich in den anderen Stücken vorstellen, wo sie beispielsweise Teil einer Ruine werden könnte. Und eine Klettergelegenheit für das "Dschungelbuch" könnte sich für das "Wirtshaus im Spessart" schnell in eine Höhle verwandeln. Mit diesem Konzept geht Haufe an viele Requisiten für die Festspiele heran. Schließlich muss er gleich drei Stücke rechtzeitig in Form bringen.


Stimmen zum neuen Bühnenbild

Die Leiterin des Tourismus- und Veranstaltungsbetriebs der Kreisstadt, Kerstin Löw, freut sich, mit Michael Haufe einen professionellen Bühnenbildner für die Festspiele gewonnen zu haben. Sie verspricht sich von seiner Arbeit ein "überraschendes und vielfältiges Bühnenbild" sowie "zusätzliche optische Reize".

Die leere Fläche auf der Bastion habe in der Vergangenheit zwar einen speziellen Reiz ausgeübt, doch mit den Requisiten ergäben sich nun völlig neue Möglichkeiten. Auch für die Statisten werde es sicher interessant, den Bühnenraum nun auf ganz andere Weise bespielen zu können. Ein weiterer Grund zur Freude für die TVB-Leiterin: Die Requisiten bleiben nach der Saison im Kronacher Fundus.

Otto und Elke Heinisch, zuständig für die Kostüme und eifrige Helfer von Michael Haufe, finden durch die Veränderung ebenfalls frischen Spaß am Freilichttheater. "Es wird sehr schön", verspricht Otto Heinisch schon jetzt. Da kann ihm Elmar Geigerhilk vom Festungsteam nur beipflichten. Elke Heinisch sieht zudem gute Fortschritte bei den Kostümen. Kerstin Löw ergänzt, dass Kronach von den Schauspielbühnen Stuttgart freundlich unterstützt wird. Diese stellen ihre Dschungelbuch-Kostüme zur Verfügung.