Fränkische Biere sind bekannt in der ganzen Welt und Brauereien gibt es wirklich genug. Wie das kleine gallische Dorf den Römern trotzt, so will Robert Alexander Smith, wohnhaft in Wallenfels, geboren wie Robin Hood in Nottingham/England, mit seiner kleinen Brauerei "Malzschmied" durch Qualität überzeugen.

Wer ist Robert Smith? Vor 35 Jahren begann die Städtepartnerschaft zwischen Wallenfels und Bingham. Als erster Praktikant aus Bingham kam 2004 ein junger Mann namens Robert Smith nach Wallenfels. Vier Wochen arbeitete er bei der Stadt, zwei Wochen beim Sägewerk Müller-Zeiner und dann für zwei Wochen in der Brauerei Kaiserhof. Und das war der Wendepunkt in seinem Leben. Das Bierbrauen ließ ihn nicht los. Er hatte damit seine Berufung gefunden.

Sofort nach dem Abitur kam er zurück in den Frankenwald und fing an, Braumeister zu lernen. Heute ist er ein Meister seines Faches mit Meisterprüfung von 2014 - und immer noch in der Flößerstadt.

Hier hielt ihn die Liebe zu Lisa, mit der er 2015 eine Familie gründete. Erfahrung sammelte er bei verschiedenen Brauereien, wo er als Braumeister tätig war. Er hat sich hervorragend in Franken integriert, spricht akzentfreies Deutsch und perfekt Wallenfelser Dialekt. "Ich fühle mich hier als Franke mit englischem Pass zu Hause", sagt er. Von den Wallenfelsern wurde er sofort akzeptiert. Sozial engagiert ist er vor allem in der Wasserwacht und hilft überall, wo er gebraucht wird.

Ein Sudhaus aus Neukölln

"Tue, was du liebst, dann musst du keinen Tag mehr arbeiten", lautet seine Philosophie. Der Wunsch, in der Heimat zu arbeiten, sein eigener Herr sein und nur allein für sein Tun verantwortlich zu sein, das waren die Beweggründe für den Braumeister, seinen Traum wahr zu machen. Nach der Idee 2016/17 wurde es mit einer Existenzgründerberatung 2019 konkret. Weihnachten 2019 erwarb er ein Sudhaus von der Brauerei Berliner Berg in Neukölln, die sich vergrößerte. Die Anlage (Baujahr 2015) war in einem guten Zustand und passte in die vorgesehenen Örtlichkeiten. Zusammen mit seiner Familie, Freunden und Bekannten ging es an die Arbeit. Seine Frau Lisa stand immer hinter ihm, auch wenn sie noch ein wenig skeptisch und vorsichtig ist. Aber für sie zählt nur, dass ihr Mann glücklich ist mit dem, was er tut. Und wenn Robert glücklich ist, ist es auch die kleine Familie mit Lisa, ihrem Sohn und einer Tochter, die im Februar 2021 alles perfekt machen wird.

Doch wie sieht es finanziell aus mit der kleinen Brauerei? Die Kosten von circa 170 000 Euro finanzierte Robert Smith vor allem aus seinen kompletten Ersparnissen, seinem Erbe und einem Kredit. In den Räumen waren einige Investitionen notwendig, aber dafür ist die Miete verhältnismäßig günstig und die Vermieterin Charlotte Korn äußerst rührig. Die Räume der neuen Brauerei beherbergten ein Geschäft und später eine Flaschenbierhandlung. Es ist zudem das Elternhaus von Bürgermeister Jens Korn.

Ungewöhnliche Biernamen

Die Brauerei Malzschmied fängt mit drei Bieren an: dem Meisterdieb, dem Floßmeister und dem Flaschnermeister. Das Handwerk ist Robert Smith sehr wichtig, das soll in den Namen seiner Biere auch hervorgehoben werden. Gebraut wird ausschließlich nach dem Reinheitsgebot mit Zutaten, wenn möglich, aus der Region. Ausnahme ist ein Ale, das mit Hopfen und Malz aus Nottingham in England gebraut wird. Aber ebenfalls nach dem Reinheitsgebot. Später sollen dann Saisonbiere dazukommen und auch ein hochprozentiges Kraftbier.

Insgesamt kann die Brauerei 600 Hektoliter im Jahr herstellen. In der Abfüllanlage mit vier Kammern können bis zu 300 Flaschen in der Stunde befüllt werden. Die Bedienung erfolgt ausschließlich in Handarbeit. Abgefüllt wird momentan in 0,33-Liter Flaschen, in Sonderfällen auch in 0,75 l Flaschen, wie für eine Hochzeit gerade gewünscht. Auch können Fässer mit 30 Liter gefüllt werden. Verkauft wird in 6er-Tragerln und 12er-Kartons.

Mit den großen Brauereien aus der Gegend kann er natürlich preislich nicht ganz mithalten. Aber sein Bier ist von Meisterhand gebraut, authentisch und unfiltriert. Bei ihm kostet die Maß bzw. der Liter momentan um die 3 Euro. Das ist natürlich etwas teurer, aber Qualität kann man eben auch schmecken. "Ein Bier zum Genießen" ist das Motto der Brauerei.

Mit dem englisch-fränkischen Ale "Meisterdieb" zollt der Braumeister seiner Heimat Respekt. Die Gerste ist englisch und fränkisch, die Hefe aus Nottingham. Das rot-braune Bier ist charakteristisch und lecker. "Man kann sich beim Trinken durchaus die Abenteuer im Sherwood Forest vorstellen", bekräftigt Rob Smith. "Flaschnermeister" hat keinen ganz so hohen Malzgehalt, ist jedoch hopfiger und heller in der Farbe. Floßmeister liegt bei niedrigerem Malzgehalt, ist trotzdem hopfig und ganz hell. Der Alkoholgehalt geht von 4,6 bis 5,4 Prozent.

Pläne für die Zukunft

Robert Smith hat schon einige Ideen und Pläne für die Zukunft seiner Brauerei. Allerdings macht ihm auch hier die Corona-Pandemie einen Strich durch die Rechnung. "Es verschiebt sich viel auf das nächste Jahr. Hoffentlich können wir dann auch mit den Aktionen rund ums Bier loslegen", meint der Braumeister.

Aktionen sind für ihn Brauereiführungen und Verkostungen. Außerdem bietet er über die Volkshochschule Hobby-Braukurse an und veranstaltet auch Mitbrautage.

Vertrieben werden soll das Bier in den örtlichen Gastwirtschaften "Homerudl" und "Egersmühle", in Steffis Getränkemarkt, und mit dem Sagasser Getränkehandel steht er auch in Verbindung.

Von Geschmack und Qualität überzeugen kann man sich beim Feierabendmarkt am kommenden Donnerstag auf dem Marktplatz, wo er mit einem Verkaufsstand vertreten sein wird.

Wallenfels und das Brauwesen - eine über 500 Jahre alte Geschichte

Das Braurecht in Wallenfels existiert bereits solange wie das Marktrecht, nämlich seit 1507. Das Kommunbrauhaus wurde 1774 erbaut und musste im Zweiten Weltkrieg stillgelegt werden. Danach konnte es nicht mehr genutzt werden.

Die Reihenfolge der Brauberechtigten wurde ausgelost und jeder konnte 25 Hektoliter im Jahr brauen. Ausgeschenkt wurde im "Blechla", einem aus Weißblech speziell in Wallenfels gefertigten Seidlakrug.

1927 gab es in der Stadt zwei Gastwirtschaften, 42 Kommunwirtschaften und zwei Flaschenbiergeschäfte. Die Maß Bier kostete im Jahr 1914 0,40 Reichsmark, 1980 2,50 DM, 1998 6,- DM und heute bei Malzschmied ab Brauerei um die 3 Euro. Im Supermarkt gibt es natürlich Biere, die nur einen Bruchteil kosten, aber nicht von Hand hergestellt und mit so viel Liebe gebraut werden, wie das bei Robert Smith der Fall ist.

Und wie steht der Bürgermeister von Wallenfels, Jens Korn, zu der neuen Brauerei in der Stadt? "Über den erfolgreichen Start der Brauerei Malzschmied freue ich mich in mehrfacher Hinsicht: Als Bürgermeister, weil Wallenfels um eine Attraktion reicher geworden ist, die ganz hervorragend zu unserem Genussort passt. Als Vorsitzender des Förderkreises Bingham, weil ein Engländer, der nicht nur fränkisches Bier braut, sondern auch noch astreines Fränkisch spricht, zeigt, wie lebendig unsere Partnerschaft ist. Und natürlich auch als Biertrinker, denn das Bier vom "Malzschmied" schmeckt wirklich hervorragend", sagt Jens Korn nach einer internen Verkostung des "Flaschnermeister" stolz.