Von strikten Verboten hält Beate Kaufmann wenig. "Alles was verboten ist, wird für Kinder erst recht reizvoll", weiß die Leiterin des Kindergartens St. Franziskus in Steinbach am Wald. Für sie sei es wichtig, dass die Kinder möglichst viele Erfahrungen sammeln. Deswegen gehöre es beim gemeinsamen Backen auch mal dazu, dass die Kinder den Rührteig vom Löffel abschlecken. Kaufmann weiß, dass alleine dies bei den heutigen strengen Hygienevorschriften schon eine Gratwanderung sein kann. "Das ist schon schwierig, aber so etwas gehört auch zur Kindlichkeit dazu", sagt sie. Kaufmann bedauert, dass es heutzutage viele Eltern gibt, die zu Hause mit ihren Kindern gar nicht mehr gemeinsam kochen oder backen.

In einigen Kindergärten und Kindertagesstätten in Deutschland gehen die Probleme jedoch genau in die andere Richtung. Eltern möchten gerne einen Geburtstagskuchen für ihre Kinder backen, dürfen es aber nicht mehr. Selbstgebackenes zum Geburtstag oder zu anderen feierlichen Anlässen wird nicht mehr in allen Einrichtungen akzeptiert.


Unsicherheit über EU-Verordnung


Ein Auslöser für das Kuchen-Verbot in einigen Kindergärten war eine neue EU-Verordnung vom Dezember 2014. Diese besagte, dass jeder, der Speisen in der Öffentlichkeit anbietet, Allergene kennzeichnen muss. Liest man die Verordnung aber genau, werden Privatpersonen, die gelegentlich Speisen anbieten, von der Kennzeichnungspflicht ausgeschlossen. Für Verunsicherung sorgte die Verordnung bei Kindergärten und deren Trägern trotzdem. Aufsehen erregte das Kuchen-Verbot der Stadt Leipzig im September 2015.

"Die Anforderung an Hygienevorschriften und an die Deklaration von Allergenen sind so hoch, dass wir die Kontrolle nicht gewährleisten können", hieß es in einem Aushang des Jugendamts, der sich auf alle kommunalen Kindergärten der Stadt bezog. Nach heftigen Protesten der Eltern wurde das Verbot einige Tage später allerdings wieder gelockert. Aus dem Verbot ist eine Empfehlung geworden. Auch der Kita-Zweckverband des Bistums Essen gibt als Träger von insgesamt 270 Kindertagesstätten vor, dass zum Kindergeburtstag keine selbstgebackenen Kuchen angenommen werden dürfen. Aus Hygienegründen und fehlender Transparenz der Inhaltsstoffe.

Doch wie ist die Situation in der Region? Auch in Franken wird das Ritual des selbst gebackenen Geburtstagskuchens nicht mehr überall gelebt. Andrea Schütz leitet den Kindergarten in Hetzles (Landkreis Forchheim),. Sie erklärt auf Anfrage: "Wir haben schon vor 20 Jahren die Entscheidung getroffen, dass Eltern zu Geburtstagen keine Kuchen mitbringen sollen." Vielmehr können die Kinder in Hetzles aus zwei verschiedenen Gerichten auswählen - entweder gibt es Eis zu den Geburtstagsfeiern oder einen Knabberteller.

"Die Eltern sind sehr zufrieden mit unserer Lösung, sie müssen so auch nichts selbst organisieren. Und alle unsere Kinder können so auch das Gleiche genießen", so Schütz. Die erfahrene Erzieherin will mit ihrem Kuchen-Verbot einen Wettbewerb der Eltern untereinander (Wer backt die größten und schönsten Torten?) vermeiden. Auf diese Bestimmung weist der Kindergarten auch in speziellen Info-Briefen hin.


Hygiene-Vorschriften für Eltern

Im Katholischen Kindergarten St. Franziskus in Steinbach am Wald dürfen die Eltern noch selbst gebackenen Kuchen und andere Speisen mitbringen. Allerdings mit gewissen Einschränkungen. Seit 2009 wird den Eltern bei der Anmeldung ihres Kindes ein Informationsblatt zur Einhaltung der Lebensmittelhygiene-Verordnung ausgehändigt. Die Eltern werden in der Verordnung unter anderem gebeten, auf Speisen mit rohen Eiern oder mit frischem Mett zu verzichten. Dazu sollten die mitgebrachten Speisen auch am selben Tag zubereitet und die Kühlkette sollte nicht unterbrochen werden.

Auch im Kindergarten Wickie in Wickendorf (Teuschnitz) dürfen die Eltern Kuchen mitbringen. "Das thematisierte Problem spielt bei uns keine Rolle, im Regelfall bringen die Eltern individuell etwas für die Kindergartengruppe mit", erklärt Michael Hebentanz, Zweiter Vorsitzender des Kindergartenträgervereins Wickie e.V. Neben selbstgebackenen Kuchen stehen an Geburtstagen in Wickendorf auch Wiener oder Obst- und Gemüseplatten hoch im Kurs. Was genau zubereitet wird, sprechen die Eltern mit dem Kindergartenteam im Vorfeld ab. "Grundsätzlich ist uns der stetige Kontakt zu den Eltern sehr wichtig", so Hebentanz.

Hygienevorschriften (beispielsweise Verbot von rohen Eiern) müssen auch von den Eltern in Wickendorf eingehalten werden. Dazu werden bei der Anmeldung schriftlich Allergene und Unverträglichkeiten der Kinder abgefragt. In der Kindertagesstätte Arche-Noah in Schneckenlohe (Mitwitz) sind die Favoriten der Kinder an Geburtstagen Erdbeerkuchen und Muffins. Die Kuchen werden entweder in der Einrichtung selbst gebacken oder von zu Hause mitgebracht. "Meistens werden trockene Kuchen mitgebracht, nur selten mal ein Sahnekuchen", sagt Kindertagesstättenleiterin Anett Korn. "Strikte Vorschriften oder Verbote gibt es nicht, wir vertrauen da den Eltern." Absprachen gibt es hingegen mit Eltern, deren Kinder unter Lebensmittelunverträglichkeiten leiden. In Schneckenlohe sind das beispielsweise Kinder mit Laktoseintoleranz oder einer Allergie gegen bestimmte Farbstoffe.


Lebensmittelallergien nehmen zu

Die stetig steigende Zahl an Lebensmittelallergien bei Kindern kann auch Beate Kaufmann beobachten. "Bei Allergien muss man sehr vorsichtig sein", erklärt sie. "Die Erzieherinnen kennen die Allergien der Kinder und achten drauf, dass bestimmte Speisen nicht gegeben werden. Das liegt in unserer Verantwortung." Da die Einrichtung mit rund 50 Kindern verhältnismäßig klein sei, würde sich der Aufwand für solche Kontrollen aber im Rahmen halten, so Beate Kaufmann.

Kritischer sieht das eine Mitarbeiterin des Evangelischen Kindergartens Regenbogen in Tettau, die namentlich nicht genannt werden möchte. Sie findet es zwar auch schlimm, wenn Kinder Allergien hätten, aber hält es für nicht richtig, wenn sich viele Kinder bei den Speisen nach einem Kind richten müssen. In der heutigen Hygiene-Gesellschaft würden Allergien sogar noch gezüchtet werden.

Aus ganz pragmatischen Gründen wird im Kindergarten Regenbogen zumeist auf den Geburtstagskuchen verzichtet. "Die Kinder freuen sich über eine kleine Süßigkeit, die sie schnell verspeisen dürfen mehr, als über einen Kuchen, den sie gar nicht mögen", erklärt die Mitarbeiterin unserer Zeitung.