Ein bemerkenswerter Mensch muss er gewesen, dieser Adolph Kurt Böhm. Gebürtig in Oberlangenstadt, geflüchtet vor den Nazis nach Paris, zuhause auf vielen Bühnen der Welt, gelebt in Murnau, verstorben im Februar diesen Jahres. Er war Komponist, Maler, Autor. Die ihn gekannt haben, seine Frau Christine, ihr Sohn, enge Freunde, schwärmen von seinem Humor, seinem einnehmenden Wesen. Eigentlich hätte er selbst am Klavier sitzen sollen. Aber das Schicksal machte aus einem Konzert von ihm ein Konzert für ihn, Andenken und Trauerbewältigung zugleich.

Dazu passte der intime Rahmen der Veranstaltung, denn coronabedingt beschränkte sich das Publikum auf 35 geladene Gäste. Kreiskulturreferentin Gisela Lang sprach vom exklusivsten Konzert ihrer Laufbahn. Sie selbst setzte mit ihrer kenntnisreichen Moderation besondere persönliche Akzente.

Aber insbesondere der Initiative der Küpser Cellistin Ulrike Maria Gossel ist es zu verdanken, dass Adolph Kurt Böhm, der lieber "Mutz" genannt wurde, so wie die Bärenfamilie in seinem Lieblingskinderbuch, dass dieser Mutz also trotz seiner Abwesenheit so präsent war. Zusammen mit dem Bariton Martin Trepl und der Pianistin Kyoko Frank ließ sie ihn durch seine Musik sprechen: "Wir können ihn heute nicht sehen, aber wir können ihm und seinen Melodien unsere Herzen öffnen. Vielleicht ist es die Rührung unserer Herzen, die uns hinausrettet aus der Isolation dieser Zeit".

Die Musik Böhms jedenfalls tat das ihre, diesen Wunsch Wirklichkeit werden zu lassen. Denn ungeachtet aller stilistischen Entwicklungen im zwanzigsten Jahrhundert komponierte er in schönster melodienreicher Harmonie, ganz verschrieben der Romantik, Gefühle groß geschrieben. Seine Instrumentalstücke sind Lieder ohne Worte, wo es Worte brauchte, vertonte er vor allem Gedichte deutscher Romantiker.

In Mitwitz aber zu hören waren Texte von Hermann Hesse und Manfred Kyber. Dessen Gedicht "Heimat" sei das Lieblingslied von Mutz gewesen: Da dürfen Klavier und Cello dramatisch donnern und Trepl darf seinen Bariton ausfahren, um dann wieder zurückzufallen in wehmütige Sehnsucht in verhaltenen Tönen. "Wunderbar gesungen und gespielt!", entfährt es da der Witwe Böhms, Christine. In der Tat wirken die Musikerinnen und der Sänger vollendet zusammen und obwohl die Tragik von Böhms Tod immer mit im Raum schwebt, gelingt es ihnen, das Publikum in die Gefühlswelten der Lieder mitzunehmen, von nachdenklich bis leichtsinnig lustig, von wehmütig bis hoffnungsfroh. Aus der Geschichte vom Zirkuspferd, nach einem Gedicht seines Vaters Josef, komponierte er eine ganze Suite, die Musik zum Film eines harten Lebens.

Die Musik Böhms ist eine süffige Melange aus Kunstlied, Salonmusik und Operettenmelodien. "Mutz" notierte seine Partituren feinsäuberlich mit der Hand, gedruckte Noten gibt es nicht. Ulrike Maria Gossel gestaltete eine Porzellantasse mit dem Skript des Lieds "Frühlingsnacht" außen und vielen Blüten innen. "Becher sind Sammelgefäße für die Liebe, die uns mit dem Komponisten verbindet. Der Saal ist angefüllt damit. Wir danken für den Reichtum einer erfüllten Seele."