Ein bisschen kühler ist es ja jetzt wieder - zumindest so kühl, dass man sich nicht am liebsten direkt in die nächsten Fluten stürzen würde. Die heißen Tage sind erstmal vorbei.
Im Main herrscht nach dem Hochwasser noch immer Ausnahmezustand - auch bakteriell. Bei den letzten Untersuchungen, die in regelmäßigen Abständen vom Gesundheitsamt des Landkreises Kitzingen durchgeführt werden, wurde festgestellt, dass im Mainwasser vermehrt Indikatorkeime wie die E-Choli-Bakterien vorhanden sind. "Das ist nicht außergewöhnlich", erklärt Amtsarzt Stefan Roth. Dennoch rät er davon ab, im Main zu baden. "Ob man drei Stunden oder drei Sekunden im Wasser ist, macht keinen Unterschied." Wenn man Wasser schluckt, ist das nicht gerade gesundheitsförderlich. Allerdings stelle das zurückgehende Hochwasser auch eine Sondersituation dar.
Durch die großflächigen Überschwemmungen seien die unterschiedlichsten Schadstoffe in den Main gespült worden, die in so kurzer Zeit nicht abgebaut werden können.

Abraten vom Baden im Main

Darum hat Stefan Roth in Absprache mit Hygienekontrolleur Willi Weiß für heute eine erneute Wasserprüfung angeordnet. "Erst, wenn die Indikatorkeime dauerhaft in höherer Dosis zu finden sind, werden wir aktiv und sprechen offizielle Warnungen aus", sagt der Experte. Eine solche Situation habe es während seiner Amtszeit aber bisher erst einmal gegeben, und das sei schon über zehn Jahre her. Damals klagten Bürger, die im Main gebadet hatten, vermehrt über Hautveränderungen und Ausschläge. "Mit solchen Ausmaßen rechnen wir derzeit aber nicht - auch wenn wir vom Baden im Main abraten."

Alternativen gibt es im Landkreis ja genug - Willi Weiß plädiert zum Beispiel grundsätzlich dafür, die gepflegten und hygienisch einwandfreien Schwimmbäder zu nutzen. Viele Wasserratten zieht es aber an die natürlicher erscheinenden Gewässer - auch wenn man dort eigentlich gar nicht baden soll.

Baden verboten

Direkt untersagt ist das Schwimmen zum Beispiel im Dettelbacher Baggersee. "Das ist ein Privatgelände mit bestehendem Abbaubetrieb", erklärt Jürgen Popp, technischer Leiter des Dettelbacher Werks der Heidelberg Cement Group, die dort Sand und Kies gewinnt. Hier ist das Baden ausdrücklich nicht erlaubt, geschweige denn das Betreten des Geländes. "Wenn es sein muss, werfen wir die Leute auch raus oder holen die Polizei." Mehr als einmal habe er unbelehrbaren Baggerseebesuchern mit einer Anzeige wegen Hausfriedensbruch drohen müssen. Zum einen sei die Verletzungsgefahr für die Badenden zu groß. Stahlseile und schweres Gerät stören diese scheinbar nicht bei ihrem Bad, manche werfen sogar im trockenen Gras mit Nähe zu Hecken und Sträuchern den Grill an. "Wenn das Flammen fängt, kommen die da nicht mehr raus." Von der Gefahr im Wasser selbst gar nicht zu reden. Erst im Jahr 2005 ertrank dort ein Mann, nachdem er sich beim Einspringen den Kopf gestoßen hatte. In so einem Fall müssen Taucher kommen, den Untergegangenen suchen. Während dieser - manchmal auch tagelangen - Aktion herrscht im Kieswerk Produktionsstopp. Das kostet, ganz abgesehen von einem Menschenleben, eine Menge Geld und gefährdet sogar Arbeitsplätze. Jürgen Popp appelliert darum immer wieder an die ungeliebten Badegäste - auch wenn er teilweise sogar Verständnis aufbringt. "Wer soll es den Leuten verdenken, die wollen bei heißen Temperaturen einfach zum Wasser", sagt er, ergänzt aber direkt: "Es gibt aber auch genügend Ausweichmöglichkeiten."

Baden auf eigene Gefahr

Zum Beispiel die Baggerseen in Hörblach. Dort wird das Baden geduldet, obwohl auch dieses kein ausgewiesenes EU-Badegewässer ist. "Sonst müssten wir ganz andere Richtlinien befolgen und vom Bademeister bis hin zu den sanitären Anlagen unterschiedliche Kriterien nachweisen, die derzeit nicht vorhanden sind", erklärt Elisabeth Ziegler-Weißer von der LZR GmbH, die in Hörblach Sand und Kies abgebaut hat und Besitzerin des Gewässers ist. "Darum wird das Baden hier nur geduldet - man badet hier auf eigene Gefahr." Dabei sei die Wasserqualität bestens, wie bei allen Grundwasserseen.

Alternative suchen

Das zeigen die vielen Lebewesen, die Schüler ans Tageslicht befördern, wenn sie das Grüne Klassenzimmer nutzen und die Flora und Fauna des Gewässers erkunden. "Es kommt nicht darauf an, wie es aussieht", sagt Elisabeth Ziegler-Weißer über das Wasser in Hörblach. "Es kommt darauf an, was Du darin findest." Ihr persönlich wäre es auch lieber, wenn sie mehr Ringelnattern und weniger "Wasserratten" am See beobachten könnte. "Du hältst die Leute aber nicht vom Wasser weg", sagt sie - und hofft zusammen mit Jürgen Popp, Stefan Roth und Willi Weiß darauf, dass sich die Badefreunde in den nächsten, kühleren Tagen schon einmal nach Alternativen umsehen. Bis die Sommerhitze zurückkommt, sollten sie sich einen Plan B zurechtlegen können.


Wasserprüfung Die untersuchten Bakterien haben Indikatorfunktion. Tauchen sie im Wasser auf, bedeutet das, dass sich auch Krankheitserreger im Wasser befinden können.
Im Main und in den Seen sind die Indikatorkeime grundsätzlich vorhanden und stellen für einen gesunden, erwachsenen Schwimmer keine Gefahr dar. Anders sieht es da bei Säuglingen und Kleinkindern aus. Ihr Organismus kommt möglicherweise mit dem Wasser nicht klar.
Ver- und Gebote Das Wasser- und Schifffahrtsamt Schweinfurt macht darauf
aufmerksam, dass nach der Badeverordnung das Baden und Schwimmen in bestimmten Bereichen auf der ganzen Breite des Mains nicht erlaubt ist, insbesondere von 100 Meter oberhalb bis 100 Meter unterhalb von Wehr- und Schleusenanlagen, einschließlich der Schleusenvorhäfen, Kraftwerksanlagen, Hafeneinfahrten und Brücken. Besonders gefährlich ist der Sog im Bereich von Schiffen. Die geltenden Bade-, Benutzungs- und Befahrensverbote sollten auch im eigenen Interesse beachtet werden. Eltern werden gebeten, ihre Kinder zu
schützen, indem sie diese regelmäßig auf die Gefahren und Verbote hinweisen.
Alternativen Freibad Abtswind, Badesee Erlabrunn, Freibad Gnötzheim, Freibad auf der Mondseeinsel Kitzingen, Terrassenbad Markt Einersheim, Freibad Volkach, Geomaris in Gerolzhofen (wird derzeit aber noch umgebaut) und viele mehr...



"Meebrunser" und andere Schwimmer

Mit ausgemachten Meebrunsern ist das ja so eine Sache: Ins Schwimmbad zum Baden? "Nä. Im Mee is es doch viel schönner, viel natürlicher, viel ruhicher, viel sauberer. Da gibt's sogar Flusskrebse, so sauber is des!" Manch Auswärtiger hat für solche Aussagen nur Kopfschütteln übrig. "Da mag der Sandstrand noch so schö sei, in diese Dreckbrüh' geh' ich nit nei!"
Unabhängig davon, wie die persönlichen Vorzüge sind, hat das Baden im Main natürlich seine ganz speziellen Risiken - im Gegensatz zu denen im gechlorten, von Bademeistern überwachten Schwimmbecken in den sehr gepflegten Bädern des Landkreises. Gerade nach dem Hochwasser sind noch mehr Schadstoffe und Keime im Fluss, seinen Nebenarmen und Buchten, als ohnehin schon. Tödlich ist das in der Regel nicht, aber auch nicht unbedingt gesund.
Nur gut, dass bis zur nächsten Hitzeperiode noch ein paar Tage hin sind. Bis dahin hat sich der Main noch ein bisschen regeneriert, in den Schwimmbädern wurden die Eistruhen aufgefüllt - und jeder kann wieder seinen ganz persönlichen Vorzügen nachgehen.