Der Stolz ist ihm anzusehen, ein bisschen Frust aber auch. Heiko Richter schwankt ein wenig zwischen diesen beiden Gefühlen beim Rundgang durch die neuen Hallen, die in Kitzingen schon von weitem zu sehen sind.

Neben dem Wertstoffhof des Landkreises und in unmittelbarer Nachbarschaft zum Kitzinger Flugplatz ist innerhalb von acht Monaten ein riesiges Gebäude entstanden. Zwölf Meter hoch sind die Hallen, 192 Meter lang und 108 Meter breit ist das Gebäude. Die Grundfläche: 16.430 Quadratmeter. Die Immobilienentwicklungs- und Investmentgesellschaft Scannell Properties hat das Projekt verwirklicht. Heiko Richter ist deren Managing Director Germany und empfängt Vertreter der Stadt und des Landkreises zur ersten Besichtigung zunächst außerhalb des Gebäudes. Dort kommt er gleich zur Sache und verkündet die unangenehme Nachricht. Der vorgesehene Mieter der Halle, der Paketzustellungsdienst UPS, ist kurzfristig abgesprungen. „Sehr ärgerlich“, bekennt Richter. Zumal seine Firma schon Extrawünsche des vermeintlichen Mieters realisiert hat. Büros, Umkleiden, Teeküche. „Müssen wir zur Not wieder zurückbauen“, meint er.

Drei potenzielle Mieter

Den Optimismus hat der Managing Director deshalb nicht verloren. Und das liegt nicht nur an einer beträchtlichen Summe, die UPS seinem Unternehmen überwiesen hat, um sich aus dem Vertrag wieder freizukaufen. Heiko Richter hat längst Kontakt zu anderen potenziellen Mietern aufgenommen. Drei namhafte Unternehmen aus der Region seien interessiert. Namen nennt er nicht. Aber Orte. Die Firmen kommen aus Geiselwind, Uffenheim und Würzburg. Sie haben anscheinend alle Interesse an einer Halle, die in kürzester Zeit bezogen werden kann.

Scannell Properties baut eine Reihe von spekulativen Immobilienprojekten an Standorten, die das Unternehmen als zukunftsträchtig bewertet. Kitzingen gehört offensichtlich dazu. Die Lage sei ideal für E-Commerce-Anbieter. Nicht nur wegen der Anbindung an die Autobahnen A7 und A3. Im Pendlerumkreis von einer Stunde leben nach den Recherchen von Scannell 1,9 Millionen Erwerbstätige. Wie viele Arbeitnehmer tatsächlich in den riesigen Hallen benötigt werden, kann Heiko Richter noch nicht sagen. Der künftige Nutzer ist ja noch gar nicht gefunden. Er geht aber von einer niedrigen dreistelligen Zahl aus.

Immenser Flächenverbrauch

1990 ist Scannell Properties gegründet worden. Niederlassungen gibt es in den USA, Kanada, Frankreich, Italien, Spanien, Großbritannien und Deutschland. Mehr als 450 Projekte sind nach Unternehmensangaben bislang realisiert worden. Die Gesamtfläche: 10,6 Millionen Quadratmeter. Ein immenser Flächenverbrauch. Heiko Richter zählt denn auch die Naturschutzmaßnahmen auf, die sein Unternehmen in Kitzingen realisiert hat. 23 Pappeln mussten gefällt werden – dafür sind 47 neue Bäume gepflanzt worden. „Wir würden gerne noch mehr pflanzen“, versichert er. Ein grüner Wall außerhalb des Zaunes, der dem Unternehmen ebenfalls gehört, wird von einem Schäfer bewirtschaftet. Es gibt ein Regenrückhaltebecken, Photovoltaik auf dem Dach, Zapfsäulen für E-Fahrzeuge und E-Bikes. Die Wärmeerzeugung erfolgt CO2-neutral. Nistkästen für Falken und Fledermäuse sollen an dem Gebäude angebracht werden, an den Kosten für einen Biberlehrpfad in der Nähe des Gewerbegebietes will sich Scannell beteiligen. Die Anforderungen der Energieeinsparverordnung (EnEV) werden nach seinen Worten mehr als erfüllt.

In einer Woche sollen die Restarbeiten am Gebäude beendet sein, für Bauamtsleiter Oliver Graumann und Oberbürgermeister Stefan Güntner hat Heiko Richter ein dickes Lob parat: Die Zusammenarbeit mit der Stadt habe reibungslos funktioniert. Keine schlechte Basis für die weitere Zusammenarbeit. Auf dem Gelände von ConneKT hat das Unternehmen noch zwei weitere Flächen erworben, die mit noch größeren Hallen bebaut werden sollen. Ende 2022 beziehungsweise 2023 sollen sie fertiggestellt sein. Heiko Richter spricht von mehr als 1000 Arbeitnehmern, die dort Platz finden werden. Interessierte Unternehmen haben die Verträge schon unterschrieben. Der Managing Director Germany geht stark davon aus, dass sie dieses Mal nicht wieder kurzfristig abspringen.