Die Kirchengemeinde Rehweiler gedachte in einem Gottesdienst des 250. Todestages von Ludwig Friedrich Graf zu Castell-Remlingen, kurz Graf Lutz genannt. Gleichzeitig begannen im sächsischen Herrnhut die Feierlichkeiten zum Jubiläum "300 Jahre Herrnhut". Dort hat am 17. Juni 1722 Zimmermann Christian David den ersten Baum für die neue Kolonie Herrnhut gefällt, in der sich evangelische Glaubensflüchtlinge aus Böhmen und Mähren auf einem Gut des Grafen Ludwig Nikolaus Zinzendorf niederließen. Zinzendorf war ein sieben Jahre älterer Cousin von Graf Lutz und wurde für Graf Lutz zu einem Vorbild im pietistischen Glauben. Im Alter von 15 Jahren erlebte Graf Lutz 1722 auf der Hochzeit von Zinzendorf in Ebersdorf seine erste, 1729 seine zweite Erweckung.

Nach seinem Jurastudium in Frankfurt an der Oder besuchte der junge Graf 1731 und 1733 Herrnhut. 1734 kaufte er das Gut Rehweiler, das aus nur wenigen Gebäuden bestand. Wie sein Cousin Zinzendorf, auf den die Herrnhuter Losungen zurückgehen, so wollte auch Graf Lutz ein pietistisches Gemeinwesen in Rehweiler, ein Herrnhut im Steigerwald, aufbauen. Davon zeugt bis heute die Schlössleinskolonie unterhalb der Saalkirche. Im Haus Nr. 8 wohnte der Graf selbst. Handwerkern aus Herrnhut halfen beim Bau mit. Nach anfänglich großem Zulauf von erweckten Christen zu den Versammlungen versandete der Neuaufbruch nach wenigen Jahren. Der Kontakt zu seinem Cousin Zinzendorf brach ab. Es fehlten die finanziellen Mittel. Alchemistische Studien führten zu keinen Erfolgen. In Gräfin Ferdinande Adriane von Stollberg-Wernigerode fand Graf Lutz eine gleichgesinnte, treue Gattin. Die Ehe blieb kinderlos. Nach dem Tod seiner beiden Brüder wurde Graf Lutz 1767 Alleinregent und Senior des Hauses Castell. 1770 zog er nach Castell und baute in Castell ein Archivgewölbe.

Ludwig Friedrich Graf und Herr zu Castell-Remlingen verstarb am 22. Juni 1772 in Castell. Er hat verfügt, dass keine Leichenrede gehalten wird. Hofprediger Georg Ernst Engelhard hielt sich daran, nur wenig aus dem Leben des Grafen zu erwähnen. Seine lange, barocke Grabrede am 25. Juni 1722 umkreiste mit immer neuen Aspekten den Wahlspruch des Grafen Lutz: "Der Name des Herrn ist ein festes Schloss, der Gerechte läuft dahin und wird beschirmt." (Sprüche 18,10)

Dekan Hanspeter Kern ging auf diesen Spruch näher ein: Gott selbst wird mit einem festen Schloss, lateinisch "castellum", verglichen. Sicher hat Graf Lutz seinen Familiennamen Castell hier in der Bibel wiedergefunden in Verbindung mit Gott.

Für die Kirchengemeinde Rehweiler wirft das Gedenken an Graf Lutz bereits Licht auf das Jubiläum "250 Jahre Kirche Rehweiler", das in zwei Jahren ansteht, denn der von Graf Lutz initiierte Kirchenbau konnte erst zwei Jahre nach seinem Tod fertiggestellt werden.

Von: Hans Gernert (Pfarrer, Evang.-Luth. Pfarramt Rehweiler)