Fred Weißenberger ist einfach interessiert an Geschichte. Nicht nur an seiner Familiengeschichte, sondern auch an der Vergangenheit seiner Heimatstadt Marktsteft. Und die ist bewegt, das hat der Senior schon herausgefunden. Rund 450 Briefe und Postkarten hat er in den letzten 40 Jahren angesammelt, alle sind thematisch unterteilt und in Ordnern abgelegt - und alle erzählen eine Geschichte.

Von Behördenbriefen über Einschreiben bis hin zu Rechnungen und kirchlichen Briefen reicht die Sammlung. Teilweise hat Fred Weißenberger sie gekauft, teilweise ersteigert oder geschenkt bekommen. Darauf gestoßen ist er über die Briefmarkenfreunde - und so ist manch exotische Marke zu entdecken. Etwa eine Marktstefter Marke mit der damaligen Postleitzahl 202. Oder eine, die vor der Wende nur in Westdeutschland anerkannt war - und inklusive Brief postwendend zurückkam.
Oder ein Stempel, auf dem aus "Marktsteft" dummerweise "Marktstett" wurde.

All diese Geschichten wird Fred Weißenberger gerne auch am Wochenende erzählen. Dann wird seine Sammlung nämlich ausgestellt. Schließlich erstrahlt die Kirchenburg und das Gemeindehaus endlich in Gänze in neuem Glanz - und das will gefeiert werden. Da passt es wunderbar, dass auch an die alten Zeiten erinnert wird. Die ältesten Briefmarken aus Weißenbergers Sammlung stammen aus dem Jahr 1889, die ältestens Briefe gar aus 1555. Von diesen altertümlichen Dokumenten hat er sogar Übersetzungen, beziehungsweise Umschriften anfertigen lassen. Nur echte Experten hätten sie entschlüsseln können.

Um die neueren Briefe und Postkarten zu lesen, muss man kein Experte mehr sein - aber es ist doppelt spannend, wenn man sich ein bisschen in Marktsteft auskennt. Alte Ansichten von markanten Bauten wie dem Keerlhaus, der Präparandenschule oder der Alten Brauerei sind ebenso zu finden wie Bilder vom Historischen Hafen oder dem entstehenden Kleider-Gelände. Und natürlich gilt es, manchen Groß- oder Ur-Großvater auf den Abbildungen zu erkennen.

Auch Kurt Leykauff findet das sehr spannend. "Ich sag' das ja schon lange, dass die Sammlung gezeigt werden muss." Er hat zusammen mit Bürgermeister Rudolf Riegler dafür gesorgt, dass Fred Weißenberger seine Schätze endlich einmal der Öffentlichkeit präsentiert. Außerdem ist er selbst Sammler und hat in den letzten Jahrzehnten viele kleine und große Kuriosiäten aus Privathaushalten gerettet, ehe sie auf dem Sperrmüll landeten. In der Alten Tenne der Brauerei Kesselring stellt er sie ab Samstag aus, erst einmal an diesem Kirchweihwochenende, später vielleicht auch öfter. Von den Kennzeichen des ersten Geschäftswagens von Elektro Kleinschroth über das Essigfass der Familie Sammet bis hin zur "Kapp vom Seitzer Fritz" hat Kurt Leykauff seine Stücke nach den verschiedenen Berufen geordnet. Bäcker, Metzger, Fotografen, Apotheker, Fassbinder und allein drei Malerbetriebe habe es einst in Marktsteft gegeben - und noch vieles mehr. Und von allen gibt es Zeugnisse in Form von Messern, Zangen, Hämmern und Co.

Die Ausstellung am Kirchweihwochenende soll jedenfalls einmal ein Anfang sein, die Marktstefter und ihre Gäste noch mehr für die Geschichte ihrer Stadt zu begeistern. Natürlich kann nicht jeder gleich so Feuer und Flamme sein wie Fred Weißenberger - aber es ist garantiert für jeden eine interessante Geschichte dabei.

A propos Feuer und Flamme: Rund um die Tenne und das Bäckerhäusle wird die Kirchenburg mit ganz besonderem Licht erhellt. Wilfried Bischoff widmet sich seit geraumer Zeit der Blechbildnerei und kreiert neben fantasievollen Skulpturen auch individuelle Kerzenständer und Feuertonnen. Die verleihen den historischen Mauern rund um die St. Stephanskirche eine ganz besondere Atmosphäre - und das vielleicht nicht nur am Kirchweihwochenende.