Immer mehr Deutsche sind überschuldet. Die Situation habe sich 2014 wieder verschlechtert, teilt die Schuldnerberatung am Kitzinger Landratsamt mit. Hauptursachen für Überschuldung sind vor allem Arbeitslosigkeit und prekäre Beschäftigungsverhältnisse mit niedrigen Einkünften. Deshalb stellen die Schuldnerberatungen ihre bundesweite Aktionswoche vom 15. bis 19. Juni unter das Motto „Arm und überschuldet – trotz Arbeit“.

Wie Elisabeth Schmitt von der Schuldnerberatung am Landratsamt weiß, ist die Überschuldung von Privatpersonen 2014 nach einem leichten Rückgang im Vorjahr wieder merklich angestiegen. Der „Schuldner-Atlas Deutschland 2014“ der Creditreform Wirtschaftsforschung zeige, so der Pressetext des Landratsamtes, dass zum Stichtag 1. Oktober 2014 rund 6,7 Millionen Bürger über 18 Jahren überschuldet waren und nachhaltige Zahlungsstörungen aufwiesen. Das ist ein Anstieg von rund 90 000 Personen (plus 1,4 Prozent).

Immer mehr Menschen in Deutschland seien „arm und überschuldet – trotz Arbeit“. Gründe dafür liegen auch in atypischen bzw. prekären Beschäftigungsverhältnissen. 2013 lag der Anteil der atypisch Beschäftigten bei 13,3 Millionen. „Hierzu zählen befristet Beschäftigte, Teilzeitbeschäftigte, geringfügig Beschäftigte und Zeitarbeiter“, wird Schmitt zitiert. Die prekären Beschäftigungsverhältnisse zeichnen sich durch mangelnde berufliche Perspektiven und mangelnde Integration in die sozialen Sicherungssysteme aus. Außerdem werden Standards wie Kündigungsschutz oder Lohnfortzahlung im Krankheitsfall unterschritten und es wird kein existenzsicherndes Einkommen erzielt.

Mehrere Jobs

„Die Betroffenen versuchen das oft auszugleichen, indem sie mehrere Jobs ausüben“, so die Schuldnerberaterin. Welche Auswirkungen der mittlerweile eingeführte Mindestlohn hat, bleibe abzuwarten. „Besonders bei Langzeitarbeitslosen und bei Menschen in prekären Beschäftigungsverhältnissen ist die Gefahr der Überschuldung groß“, weiß Schmitt aus der täglichen Beratungsarbeit. Miet- und vor allem die stark gestiegenen Energiekosten reißen bei Haushalten mit geringem Einkommen tiefe Löcher in die Kasse.

Kontakt: Unabhängige und kostenfreie Beratung bietet die Schuldnerberatung am Landratsamt Kitzingen, Tel. (0 93 21) 9 28- 52 15 und per Mail an schuldnerberatung@kitzingen.de.