Update: Durchbruch im Mordfall Peggy Knobloch: Mann legt Geständnis ab

Am 14. Mai des vergangenen Jahres endete der erneut aufgerollte Mordprozess um die seit 14 Jahren verschwundene Peggy mit einem Freispruch für Ulvi K. Die Missbrauchsvorwürfe standen damals jedoch nicht auf dem Prüfstand. Bereits im Januar hatte inFranken.de über ein mögliches Wiederaufnahmeverfahren berichtet. Saschenbrecker sagte damals: "Es muss ein zweites Wiederaufnahmeverfahren geben, dann muss es um die Missbrauchsvorwürfe gehen."

Saschenbrecker erklärte nun gegenüber inFranken.de: "Ich habe eine umfassende Akteneinsicht beantragt und strebe die Wiederaufnahme des Verfahrens in den kommenden vier bis sechs Wochen an. Ich bin zuversichtlich, dass mir dies auch gelingen wird."


Kritik an früheren Gutachter

Der Verteidiger sieht vor allem die Einschätzungen eines Gutachters kritisch, dessen Schlussfolgerungen dazu führten, dass Ulvi K. zunächst verurteilt wurde. "Es wurden aber keine Spuren des Mädchens im Zimmer von Ulvi K. sichergestellt und die abenteuerlichen Einschätzungen des Sachverständigen führten schließlich zur Verurteilung", fügt Saschenbrecker an. Der Anwalt steht weiter in engem Kontakt mit seinem Mandanten.

Der geistig behinderte K. lebt zur Zeit in einem Heim für behinderte Menschen und arbeitet in einer Werkstatt. "Dort geht es ihm gut. Er wird menschlich behandelt und er fühlt sich wohl,", sagt Saschenbrecker. Mit der Rehabilitation von allen Vorwürfen will Thomas Saschenbrecker den Weg ebnen, dass sein Mandant auch eine finanzielle Entschädigung vom Freistaat einfordern könne.

"Dann kann er seine Unterbringung auch selbst finanzieren, was für dessen Selbstwertgefühl enorm wichtig ist", stellt der Anwalt klar. Ulvi K. habe sich fortentwickelt und "als gut führbar und integrierbar erwiesen".

Der 39-Jährige hatte im Juli - nach insgesamt 14 Jahren - die geschlossene Psychiatrie in Bayreuth verlassen. Er war wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern in der Psychiatrie in Bayreuth untergebracht.

Im Mai 2001 war die damals neunjährige Peggy aus ihrem Heimatort Lichtenberg spurlos verschwunden. Drei Jahre später wurde Ulvi K. wegen Mordes verurteilt.

Im Laufe der Jahre kamen aber immer mehr Zweifel an seiner Schuld auf. Der Fall wurde neu aufgerollt, weil ein Zeuge eine frühere Aussage widerrief. Im Mai 2014 sprach das Landgericht Bayreuth Ulvi K. vom Vorwurf des Mordes an Peggy frei. Im Fall um das verschwundene Mädchen ist damit wieder alles offen. Auch ohne neue Ermittlungen blieben erfolglos.
 


Chronologie: Der Fall Peggy

Der spektakuläre Fall Peggy beschäftigt seit Jahren Ermittler und Öffentlichkeit. Eine Chronik der Ereignisse:

07. Mai 2001: Die neunjährige Peggy aus dem oberfränkischen Lichtenberg wird letztmalig auf dem Heimweg von der Schule gesehen. Ihre alleinerziehende Mutter gibt noch am Abend eine Vermisstenanzeige auf. Wochenlange Suchaktionen - unter anderem mit Tornados der Bundeswehr - bleiben ohne Erfolg.

August 2001: Der geistig behinderte Ulvi K. wird festgenommen. Er gibt zu Protokoll, sich an Peggy und drei weiteren Kindern sexuell vergangen zu haben.

22. Oktober 2002: Die Ermittler präsentieren den 24-jährigen Gastwirtsohn als mutmaßlichen Mörder der spurlos verschwundenen Schülerin.

28. Februar 2003: Die Staatsanwaltschaft Hof erhebt Anklage wegen Mordes.

07. Oktober 2003: Vor dem Landgericht Hof beginnt der Prozess. Nach fünf Verhandlungstagen platzt er wegen einer fehlerhaften Besetzung der Strafkammer.

11. November 2003: Das Verfahren beginnt erneut.

30. April 2004: Ulvi K. wird wegen Mordes an Peggy zu lebenslanger Haft verurteilt.

17. September 2010: Ein wichtiger Belastungszeuge hat seine Aussage widerrufen und erhebt schwere Vorwürfe gegen die Ermittlungsbehörden.

04. April 2013: Der Anwalt Michael Euler beantragt beim Landgericht Bayreuth die Wiederaufnahme des Falls.

22. April 2013: Die Polizei sucht wieder nach Peggys Leiche. Hinweise führen die Ermittler zu einem Anwesen mitten in Lichtenberg. Knochen in einer Sickergrube stammen aber nicht von Peggy.

21. November 2013: Ein Mann aus Halle in Sachsen-Anhalt ist ins Visier der Ermittler geraten. Er war ein enger Freund von Peggys Familie und gilt für die Staatsanwaltschaft mittlerweile als Tatverdächtiger. Sein Elternhaus wird durchsucht.

09. Dezember 2013: Das Landgericht Bayreuth ordnet die Wiederaufnahme des Verfahrens gegen Ulvi K. an.

08. Januar 2014: Auf dem Friedhof Lichtenberg öffnen die Ermittler ein Grab. Sie vermuten, dass bei einer Beerdigung im Mai 2001 Peggys Leiche dort abgelegt worden sein könnte. Doch es gibt keine Hinweise auf die sterblichen Überreste eines Kindes in dem Grab.

10. April 2014: Prozessauftakt im Wiederaufnahmeverfahren gegen Ulvi K. vor dem Landgericht Bayreuth.

07. Mai 2014: Das Landgericht Bayreuth beendet die Beweisaufnahme aus Mangel an Beweisen nach nur sechs Verhandlungstagen vorzeitig.

14. Mai 2014: Ulvi K. wird freigesprochen.

18. Februar 2015: Die Staatsanwaltschaft Bayreuth stellt ihre Ermittlungen gegen drei Verdächtige ein. Es gibt keine stichhaltigen Beweise. Ein Ermittlungsverfahren gegen Unbekannt wird weiter aufrecht erhalten, um mögliche Spuren weiterzuverfolgen. dpa