Die einen können es kaum noch abwarten, während andere schon beim Anblick einer Spritze das Weite suchen. Die Nation scheint in Impfgegner und Befürworter gespalten zu sein. In der Facebook-Gruppe "Was braucht der Landkreis Haßberge?" wollten wir daher wissen, wer hier bereits gegen Corona geimpft wurde, wer noch darauf warten muss und wer die Impfung generell ablehnt.

  • 75 Nutzer und somit die Mehrheit der Umfrageteilnehmer sprechen sich für die Corona-Impfung aus und wollen sich impfen lassen, sobald sie an der Reihe sind. Gruppenmitglied Mario P. sieht in der Impfung auch eine Chance für die Wiederbelebung der Wirtschaft: "Außer Frage steht für mich: Alles, was uns die Freiheit und die Möglichkeit wiedergibt, mein Geschäft auszuüben, ist ernsthaft in Erwägung zu ziehen. Somit auch das impfen lassen."
  • 44 Teilnehmer haben dagegen eine klare Anti-Haltung zum Thema Impfen und sagen: "Egal ob berechtigt oder nicht - ich werde mich trotzdem nicht impfen lassen."
  • Neun Teilnehmer stehen der Corona-Impfung grundsätzlich positiv gegenüber, möchten aber noch abwarten, bis der Impfstoff eine Zeit lang erprobt wurde. Nutzer Maik R. fügt in den Kommentaren an: "Oder wenn es einen Impfstoff gibt, der mich schützt und ich dann keinen mehr anstecken kann. Dieser Impfstoff zur Zeit ist das bestimmt nicht." Auch Gruppenmitglied Petra K. ist unentschlossen und schreibt: "Ich bin noch hin und hergerissen."
  • Vier Personen geben in der Umfrage an, zur Gruppe mit der höchsten Priorität zu gehören und somit bereits jetzt impfberechtigt zu sein - sich aber dennoch nicht impfen zu lassen.
  • Ein Nutzer bestätigt, ebenfalls zur Gruppe mit der höchsten Priorität zu gehören, aber bereits geimpft worden zu sein. (Stand vom 5. Januar)

Die Angst vor möglichen Nebenwirkungen macht viele Bürger skeptisch. Seit Beginn der deutschlandweiten Corona-Impfungen vor rund einer Woche kursieren immer wieder Geschichten von Patienten, die nach der Impfung einen allergischen Schock erlitten. Dabei ist eine derartige körperliche Reaktion extrem selten, gibt die Hofheimer Allgemeinmedizinerin Christina Bendig Entwarnung.

Nebenwirkungen vs. Impfeffekte

Selbst wenn nach der Impfung Kopfweh oder Muskelschmerzen auftreten sollten, gilt: "Das ist grundsätzlich keine Nebenwirkung, sondern ein Impfeffekt", unterscheidet die Ärztin. Mit dem Auftreten solcher Beschwerden sei mit Sicherheit zu rechnen, bei der zweiten Impfung sogar noch stärker. Sie würden sich aber nicht von den Effekten anderer Impfungen unterscheiden. "Es ist keine Nebenwirkung des Medikaments, sondern ein Zeichen dafür, dass das Immunsystem etwas macht", betont Bendig.

Wer jedoch nach der Impfung über starke Beschwerden, wie hohes Fieber, klagt, sollte sich beim Arzt melden. Allergische Schocks seien bisher bei Patienten aufgetreten, die schon vorab an starken Allergien litten. Kürzlich war dies in England der Fall. "Solche Personen sollten generell nicht geimpft werden, als Vorsichtsmaßnahme."

Kleinere Beschwerden sind normal

Wie die Geimpften dann behandelt werden, hängt von der Art der Beschwerden ab und ob eventuell eine andere Infektion dahintersteckt. "Die Effekte sind in der Regel aber sehr schwach und nach ein, zwei Tagen vorbei", beruhigt Bendig. Dass die Einstichstelle zunächst rot und warm werde, sei kein Grund zur Sorge. Den Arm zu kühlen könne gegen das unangenehme Gefühl helfen.

Bendig ist als ärztliche Leiterin zudem für das Hofheimer Impfzentrum zuständig, das vom Bayerischen Roten Kreuz betrieben wird. Ihre Kollegin Simone Wagenhäuser, mit der Bendig eine Gemeinschaftspraxis in Hofheim hat, war bei den Impfungen in den Hofheimer Caritas-Hausgemeinschaften Sankt Anna im Einsatz. Dass die Bewohner die Corona-Impfungen gut vertragen haben, ist für Bendig ein deutliches Zeichen: "Es bestärkt einen nur darin, dass diejenigen, die jetzt schon drankommen können, es auch machen sollten."

Impf-Reihenfolge streng einhalten

Aktuell liegt der Fokus der Impfungen auf der Gruppe mit der höchsten Priorität und größten Vulnerabilität. Konkret sind das Bewohner von Senioren-, Pflege- und Behinderteneinrichtungen sowie stationäres und ambulantes Personal. Auch über 80-Jährige und medizinische Angestellte auf Intensivstationen, in Notaufnahmen oder bei Rettungsdiensten sind bereits jetzt impfberechtigt. Die Reihenfolge soll auch bei der zweiten Impf-Runde beibehalten werden.

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Wer als nächstes an der Reihe ist, steht zwar schon fest. Aber wann genügend Impfstoff vorhanden ist, um auch die Gruppen mit hoher und erhöhter Priorität zu versorgen, ist noch unklar. Hohe Priorität haben beispielsweise über 70-Jährige, Personen mit Trisomie 21, Demenz, einer geistigen Behinderung oder Patienten nach einer Organtransplantation sowie deren enge Kontaktpersonen. Auch Kontaktpersonen von Schwangeren sowie einzelnen Polizei- und Ordnungskräften steht dann die Impfung zu. Genau wie Mitarbeitern im öffentlichen Gesundheitsdienst, in relevanten Positionen in Kliniken und in Flüchtlings- und Obdachloseneinrichtungen.

Zur dritten Gruppe zählen beispielsweise über 60-Jährige und Personen, die an Adipositas, Herzerkrankungen, Krebs oder HIV leiden sowie Angestellte in relevanten Positionen (Regierung, Verwaltung, Feuerwehr, Justiz, Pharmazie usw.). Auch Erzieher und Lehrer befinden sich in der dritten Gruppe.

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Während einzelne Kitas im Landkreis Bamberg bereits mit einem Schreiben darüber informiert wurden, dass die Mitarbeiter voraussichtlich ab Herbst 2021 an den Impfungen teilnehmen können, möchte das Landratsamt Haßberge keine voreiligen Versprechen machen. Aktuell konzentriere man sich darauf, die Gruppen der höchsten Priorisierung anzuschreiben und zu impfen. "Zum jetzigen Zeitpunkt können wir nicht sagen, wann die Gruppe der Lehrer und Erzieher an der Reihe ist", erklärt Pressesprecherin Monika Göhr. "Wir werden aber rechtzeitig darüber informieren, sobald der Zugang zum Impfangebot für eine nachfolgende Prioritätengruppe erweitert wird."

607 Personen wurden mittlerweile im Landkreis Haßberge von den mobilen Teams geimpft (Stand vom 4. Januar). Diese bestehen aus einem Arzt sowie unterstützenden Mitarbeitern aus dem medizinischen Bereich.