Sie arbeiten oft im Hintergrund, aber mit ihrem Fachwissen, einer umfangreichen Ausrüstung und speziellen Gerätschaften sind sie unverzichtbar für die Allgemeinheit: Die Männer und Frauen des Technischen Hilfswerks (THW) Haßfurt.

Stolze 14.500 Arbeitsstunden leisteten die Ehrenamtlichen im vergangenen Jahr. Eigentlich sollte 2020 auch das 60-jährige Bestehen des THW-Ortsverbandes Haßfurt und gleichzeitig 70 Jahre THW Deutschland gefeiert werden. Die Vorbereitungen liefen auf Hochtouren für ein im Mai geplantes, großes Familienfest auf dem Marktplatz der Kreisstadt. Durch Corona wurden aber schlussendlich alle Bemühungen zunichte gemacht, das THW der Öffentlichkeit in einem großen Rahmen zu präsentieren.

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Die Pandemie hat es auch mit sich gebracht, dass fast die Hälfte der gesamten THW-Einsatzzeit, nämlich 6500 Stunden, auf ihr Konto geht. "Wir sind im Landkreis über 5500 Kilometer gefahren", erklärt Dienststellenleiter Christian Günther, der bereits seit 2005 dieses Amt innehat. Alleine im Frühjahr bei der Verteilung von Desinfektionsmitteln, Mund-Nasen-Masken und Visieren wurden 250 Auslieferungsstellen im ganzen Landkreis angefahren. Bis zu vier THW-Einsatzfahrzeuge belieferten parallel Altenheime, Arztpraxen, mobile Pflegedienste und später auch Schulen und Kindergärten.

Corona-Teststationen aufgebaut

Tatkräftig bei der Sache waren die THWler auch beim Aufbau der Teststationen an verschiedenen Standorten. Der erste Corona-Fall im Landkreis erforderte eine mobile Teststation in Eltmann, die am Freibad aufgebaut wurde. Ähnliche Aufgaben hatten dann die THW-Helfer in Haßfurt bei der Einrichtung zweier Teststationen zu bewältigen. Schließlich hat das THW Haßfurt im Auftrag des Landkreises Haßberge im Oktober das Testzentrum in Wonfurt weiter ausgebaut und winterfest gemacht. Dadurch konnten die Testkapazitäten noch einmal ausgeweitet werden.

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Von Anfang an mit eingebunden war das THW auch in die Führungsstruktur des Katastrophenfalls im Frühjahr. Im Landratsamt und der gegenüberliegenden Stadthalle in Haßfurt arbeiteten alle involvierten Behörden und Organisationen, wie zum Beispiel das Gesundheitsamt, die Feuerwehr, die Unterstützungsgruppe Örtliche Einsatzleitung, das Rote Kreuz und die Polizei, Hand in Hand. "Die Zusammenarbeit mit dem Landratsamt und allen anderen Verantwortlichen verlief reibungslos", sagt Günther dankend an alle Helfer.

Bei Bränden zur Stelle

Natürlich gab es auch noch andere Aufgaben: Bei einigen Bränden oder Unfällen wurden die THW-Fachberater angefordert, um mit ihrem Wissen die Feuerwehren zu unterstützen. Gleich zwei Mal im vergangenen Jahr musste der technische Zug nach Eltmann ausrücken. Beim Brand einer Lagerhalle wurde mit Hilfe des Teleladers das Dach abgedeckt, um versteckte Glutnester freizulegen. Einige Monate später beim Brand mehrer Heuballen auf dem Grundstück eines Pferdehofs im Industriegebiet war der Radlader des THW von großem Nutzen. Hier galt es, die einzelnen Ballen vom Brandherd zu entfernen und für die Löscharbeiten der Feuerwehr auf einem nahe gelegenen Platz auszubreiten.

Mit dabei war immer Zugführer Sebastian Böhm, der noch von einem Einsatz zu berichten weiß, der so nicht alle Tage vorkommt. Im Haus Haßfurt der Haßberg-Kliniken war ein Bauteil der Notstromversorgung defekt. Um die Energieversorgung auch bei einem Stromausfall sicherstellen zu können, half das THW mit seiner 400-kVA-Netz-Ersatzanlage aus.

Knowhow richtig anwenden

Der stellvertretende Dienststellenleiter Jonas Schierling erinnert an die Instandsetzung der Netz-Ersatzanlage, die ursprünglich 30 Jahre beim Stadtwerk Haßfurt im Dienst stand: "Hier wurde wieder deutlich, wie fachlich versiert und teamorientiert unsere Helfer solche speziellen Herausforderungen meistern können." Einerseits aus ihrem Beruf und andererseits durch verschiedene THW-interne Fachausbildungen bringen die Ehrenamtlichen dieses Knowhow mit. In 2200 Helferstunden wurde damals innerhalb eines Jahres mit einem halben Dutzend Helfer die Anlage auf Vordermann gebracht.

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Wie bei der Feuerwehr hat die Ausbildung auch bei der THW-Mannschaft einen hohen Stellenwert. Im vergangenen Jahr besuchten sechs Dienstleistende Lehrgänge für den THW-eigenen Teleskoplader und machten sich fit, um andere als Kraftfahrer ausbilden zu können oder in der Öffentlichkeitsarbeit erfolgreich die Organisation darstellen zu können. Stolz ist das Führungsduo Günther und Schierling auf drei neue Helfer, die 2020 zum Ortsverband hinzukamen, und sechs weitere Ehrenamtliche, die ihre Grundausbildung erfolgreich absolvierten.

Nachwuchs fürs THW gewinnen

Insgesamt stehen beim THW Haßfurt rund 65 ehrenamtlich Engagierte bereit, um im Ernstfall schnell und effektiv eingreifen zu können. Damit das auch weiterhin so bleibt, legt der Ortsverband großen Wert auf die Nachwuchsgewinnung. Mit einer jungen Powerfrau an der Spitze macht es den Kindern und Jugendlichen im Alter von zehn bis 17 Jahren viel Spaß, Neues zu lernen. Patricia Will ist die Jugendleiterin, die mit vielen kreativen Ideen die 16 Jungmitglieder begeistert. So gibt es im Normalfall neben regelmäßigen Ausbildungs- und Aktionstagen auch Freizeitaktivitäten, die die Gruppenzusammengehörigkeit stärken sollen. Höhepunkt war bisher immer die Teilnahme an einem großen Zeltlager, bei dem die THW-Jugend aus ganz Bayern zusammenkommt.

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2020 war jedoch alles anders als sonst. Zumindest war es im Sommer möglich, den Jugendraum im Dienstgebäude am Haßfurter Baggersee am Mooswäldchen gründlich zu renovieren. Hier wurde fleißig gewerkelt, der Boden erneuert sowie Tische und Stühle gestrichen, damit sich der Nachwuchs in seinem Raum wohlfühlt. Ebenfalls stattfinden konnte eine Funkausbildung für die Jugendlichen. Patricia Will ließ es sich auch nicht nehmen, an Weihnachten jedem ihrer Schützlinge ein kleines Geschenk zu Hause vorbeizufahren und unter Einhaltung der Hygiene- und Abstandsregeln zu überreichen.

Das Haßfurter THW-Team

Kontakt Wer sich für die Arbeit des THW interessiert, kann sich auf der Facebook-Seite "THW OV Haßfurt" darüber informieren. Hier besteht auch die Möglichkeit, mit den Verantwortlichen des Ortsverbandes Kontakt aufzunehmen. "Jeder ist bei uns herzlich willkommen", betont Leiter Christian Günther.

Unterstützung Auch über Spenden an die THW-Helfervereinigung freut sich der Ortsverband. Diese sind auf das Konto bei der Sparkasse Schweinfurt-Haßberge unter der IBAN DE90 7935 0101 0000 0083 75 möglich.