Das neue Haus ist frisch bezogen, endlich lacht die Sonne und nun möchte man eigentlich nur noch im Garten Platz nehmen können. Aber da bleibt vorerst einmal der Blick auf den graubraunen Boden der Restbaustelle und es kommen die Fragen auf: "Wie kann ich jetzt mein Baufeld noch gestalten oder welchen Garten wünsche ich mir?"

Genau diese Fragen stellten sich vor einigen Wochen Silke und Nicole Öchsner aus Haßfurt und wir wollen sie bei ihrer Herausforderung, einen neuen Garten anzulegen, begleiten.

Gerade in Neubauvierteln sieht man immer mehr Stein- und Schottergärten. Weißer Flusskiesel, Schotter, geschliffener Granit und grauer Betonstein, umzäunt mit einem Metallzaun finden immer mehr Hausbesitzer schick und praktisch. Als pflegeleicht, unkrautfrei und topmodern werden solche Gärten angepriesen.

Von pflegeleicht und unkrautfrei sind diese steinwüstenähnlichen Gärten allerdings weit entfernt. Das mag vielleicht das erste Jahr so sein. Langfristig lagern sich zwischen den Steinen aber altes Laub und Samen ab, suchen sich Moos und Unkraut ihren Weg und das Jäten oder Zupfen aus Schotterflächen ist äußerst mühsam. Es kann zu einer Sisyphusarbeit werden, denn die Verwendung von Unkrautvernichtungsmitteln (Herbiziden) auf diesen Flächen ist ja verboten. Noch dazu verfärben sich helle Steinchen schnell.

Stein heizt sich auf

Dazu kommen andere ökologische Probleme, die auf die Hausbesitzer selbst zurückschlagen. Bei heißen Wetterlagen heizt sich der Stein auf, speichert die Hitze und gibt sie nachts wieder ab. Das erzeugt ein Mikroklima wie in einer Felswüste mit Lufttemperaturen in der Sonne von 50 Grad. Nicht selten bleiben deswegen die Rollläden hinter solchen Flächen auch tagsüber heruntergelassen und der Anblick gleicht einer "Visitenkarte" aus Stein und Fels.

Auch biologisch sind solche Gärten "tot", denn sie bieten den meisten Tieren und Pflanzen weder Nahrung noch Lebensraum. Insekten, Kleinlebewesen oder auch Vögel finden keine Nahrung mehr und es wird totenstill, statt zu summen und zu brummen. Selbst Reptilien, die Wärme eigentlich lieben, fühlen sich auf diesen monotonen Flächen nicht wohl und machen einen Bogen um sie herum. Grünflächen und Pflanzen tragen aber dazu bei, das Kleinklima in Siedlungen durch Abkühlungseffekte, Versickerungs- und Wasserspeicherbereiche zu verbessern. Diese Erkenntnisse predigen die beiden Gartenfachberater des Landkreis Haßberge schon seit langem.

Welch ökologischen Wert ein "grüner Garten" hat und welche Freude man in einem solchen Garten finden kann, wurde gerade vielen Menschen in der "Corona-Zeit" vor Augen geführt. Gärten wurden für viele zu einem "Auffangbecken" und "Betätigungsfeld", das sogar frühere Öffnungszeiten für Bau- und Gartenmärkte nach sich zog.

Auch für die beiden Frauen wurde die Bedeutung eines schönen Gartens in den vergangenen Wochen noch mehr als je zuvor deutlich. Für sie scheidet deswegen so ein Schottergarten aus, "denn wir sind beide mit einem Garten aufgewachsen und wissen auch, dass ein Garten Arbeit macht. Auf jeden Fall möchten wir viel Grün, auch mit blühenden Pflanzen in den verschiedenen Jahreszeiten", meint Silke. Beide geben aber auch zu, dass sie sich mit Pflanzen und Blumen relativ wenig auskennen und natürlich immer wieder einmal Bekannte um Ratschläge fragen.

Nicole ergänzt, dass man sich auch schon bei einem "Tag der offenen Tür" Gärten angeschaut habe. "Wir wollen auch nicht einfach etwas drüberstülpen lassen durch einen Galabauer, wo alles bis zum Rasen gleich fertig ist, sondern wir wollen dabei selbst Hand anlegen und alle Bereiche genau überlegen und mitgestalten."

Silke ist Polizistin, Nicole Zollbeamtin, beide sind also berufstätig und haben zu Hause auch noch Hund und Katze. Auch das gilt es sicherlich bei einem nachhaltigem Gartenkonzept mit einzubeziehen, egal, ob sich nun Planer oder "Hobby-Berater" mit ihrem Gartenkonzept beschäftigen, das auf einem Grundstück mit 661 Quadratmetern, abzüglich der Fläche für Haus und Garage mit 154 Quadratmeter, verwirklicht werden soll.

Beim Gang über das Grundstück zeigen sie auf den Vorgarten oder Eingangsbereich, der ja auch so etwas wie die "Visitenkarte für die Hausbewohner" sein soll und vielleicht mit niedriger Staudenmischung und einem kleineren Baum gestaltet werden könnte. Hier ist schon erster Rat gefragt, ob auf Grund des Klimawechsels ein besonderer Baum ins Auge gefasst werden sollte.

Für wichtig erachten sie den Terrassenbereich mit Sitzplatz, einem Sprudelstein oder einer Vogeltränke und in der Nähe einen Grillplatz mit Sichtschutz zur Straße oder Nachbargrundstück. Mitten im Garten gilt es auch noch, ein Carport für Zweitauto und Anhänger zu integrieren, möglicherweise auch mit Abstellplätzen für Abfalltonnen. Da kommt ihnen die Idee, dies mit Hochbeeten und einem kleinen Gemüsegarten zu kaschieren. Der Metallzaun, der das Grundstück einrahmt, soll durch Bewuchs in den Hintergrund treten, wobei die Pflanzabstände zur Grenze beachtet werden müssen. Dies muss nun in einen Plan maßstabsgerecht eingearbeitet werden.

Fachmännische Pflanzenauswahl

Für die Auswahl der Pflanzen, Sträucher, Blumen und Bäume wollen die Frauen auf jeden Fall einen Fachmann zu Rate ziehen. Denn sie wollen mit insekten- und bienenfreundlichen Pflanzen ihren Beitrag zum Erhalt der Artenvielfalt leisten, wozu auch Platz für ein Insektenhotel gehört. Noch ist nichts von all den Plänen auf dem Gartengrundstück zu sehen, aber wir werden die nächsten Schritte verfolgen mit Planentwurf, Pflanzliste und der Umsetzung der umfangreichen Arbeiten in Schritten.