Leo Minnich zückt sein Mobiltelefon, aber nicht zum Telefonieren, sondern zum Spielen. Der 13-Jährige aus Ziegel-anger spielt "Pokémon Go". Das Handyspiel ist weltweit ein Renner. In Deutschland kann man sich die kostenlose App seit einer Woche offiziell auf das Smartphone herunterladen. "Ja, mir macht's ziemlich viel Spaß. Es ist halt etwas ganz Neues, was man so noch nicht gesehen hat", sagt Leo Minnich begeistert.
Die Spielidee ist einfach: Es geht darum, so viele "Pokémon" (Abkürzung für "Pocket Monster" - auf Deutsch "Taschenmonster") wie möglich zu sammeln. "Schnapp' sie dir alle!", lautet das Motto. Je mehr Pokémon man fängt, desto höher steigt das Level. Der Clou ist, dass die Spieler diese virtuellen Fabelwesen in der realen Welt finden müssen.


Karte zeigt, wo die Monster sind

An diesem Vormittag startet Leo Minnich seine Jagd in der Zeiler Innenstadt. Er öffnet das Programm auf seinem Smartphone und eine Karte erscheint auf dem Display. Die Straßen und Plätze von Zeil sind eindeutig zu erkennen. Sobald sich der 13-Jährige mit dem Handy bewegt, läuft auch die kleine virtuelle Spielfigur auf der Karte. Das funktioniert über GPS, genau wie bei einem Navigationsgerät.
Weil in der Zeiler Hauptstraße keine Pokémon zu finden sind, muss er woanders suchen. Mit dem Smartphone in der Hand, den Blick die meiste Zeit auf den Bildschirm gerichtet, läuft Leo los. Kurz vor dem Zeiler Stadtturm taucht auf der Karte ein kleines geflügeltes Monster, ein "Zubat", auf. Die Anzeige auf dem Bildschirm ändert sich: Durch die Kamera des Smartphones scheint das virtuelle Monster mitten auf der Oberen Torstraße zu fliegen. "Die Realität in Verbindung mit dem Spiel, das ist richtig cool", findet der 13-Jährige. Er kann sogar ein Bild von sich und dem Zubat machen. Um es zu fangen, wischt Leo mit den Fingern über den Bildschirm und wirft einen virtuellen Ball, in dem das kleine Ungeheuer gefangen wird.

Während der Bub mit dem Spiel beschäftigt ist und am Straßenrand steht, fahren viele Fahrzeuge an ihm vorbei durch die Zeiler Innenstadt. Weil sich die "Pokémon-Go"-Fans in der echten Welt bewegen und oft abgelenkt sind, kann das Spiel auch gefährlich sein. Meldungen über brenzlige Vorfälle im Zusammenhang mit dem Spiel häufen sich. In Berlin und Bochum wurden Spieler, die auf dem Fahrrad auf der Jagd waren, von der Polizei angehalten. Und in Niedersachsen hielten sich drei "Pokémon"-Spieler auf einem Truppenübungsplatz auf, auf dem mit scharfer Munition geschossen wurde.


Polizei hat das Phänomen im Auge

Die Polizeiinspektion in Haßfurt hat "Pokémon Go" in ihren Besprechungen auch schon thematisiert. Bisher sei noch nichts vorgefallen, sagt der Leiter der Haßfurter Dienststelle, Norbert Mohr. Aber im Straßenverkehr sei jede Ablenkung gefährlich, betont er. "Deswegen passt auf! Lasst euch nicht ablenken! Und im Straßenverkehr am besten Finger weg vom Handy!", rät Norbert Mohr.

"Es könnte passieren, dass es gefährlich werden kann", weiß auch der Bub aus Ziegelanger: "Aber ich passe immer auf. Außerdem bin ich nicht nur zu Fuß unterwegs und normalerweise auch nicht am Straßenrand."
Nachdem er das fledermausähnliche Monster zu seiner Pokémon-Sammlung hinzugefügt hat, geht die Suche weiter. Auf der Karte erscheint am Stadtturm eine sogenannte Arena, wo die Pokémon-Trainer, wie sich die Spieler nennen, indirekt gegeneinander antreten. Jeder Spieler ist Teil eines Teams: Man muss sich zwischen den Fraktionen rot, blau oder gelb entscheiden. Leo gehört zum blauen Team - wie die allermeisten aus Zeil und Umgebung, erklärt er. Mit ihren gesammelten Taschenmonstern, die verschiedene Fähigkeiten und Angriffstechniken beherrschen, können die Spieler die Pokémon-Arenen einnehmen. Die Kampfarena am Stadtturm gehört bereits zu Leos blauer Mannschaft.

In der Zeiler Innenstadt laufen an diesem Tag mehrere Jugendliche mit dem Smartphone in der Hand herum und spielen "Pokémon Go". Weil das Videospiel in kürzester Zeit von vielen Menschen gespielt wurde, stürzten am Wochenende sogar die Computerserver des Spieleherstellers ab. Viele Fans konnten die App nicht öffnen.
Die meiste Zeit verbringen die Spieler damit, "Pokéstops" zu suchen, wo sie in regelmäßigen Abständen Bälle, Pokémon-Eier und andere Hilfsmittel erhalten. Auf der Karte erscheinen sie als blaue Türme. Man findet diese Versorgungspunkte meistens an historischen oder bedeutenden Gebäuden, Skulpturen und Denkmälern. Leo entdeckt solche Pokéstops an der Stadtmauer, der Kirche, der Schule und am Speiersbrunnen.


Nichts für Stubenhocker

Um den Ungeheuern auf die Schliche zu kommen, nehmen die Trainer weite Distanzen auf sich. "Pokémon Go" ist nichts für Stubenhocker: Die gesammelten Eier entwickeln sich zum Beispiel nur zu Monstern, wenn man ausreichend Strecke zurücklegt, während die App geöffnet ist. "Pro Tag laufe ich so vier Kilometer. Aber mit dem Bus kommt noch mehr dazu", sagt der 13-Jährige. Circa zwei Stunden am Tag verbringt er mit "Pokémon Go", sagt Leo und begibt sich wieder auf die Jagd.


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