"Einiges von dem, was Ludwig Leisentritt erzählt hat, kenne ich noch aus meiner Kindheit und Jugend, denn ich bin am Main in Eltmann aufgewachsen. Wir wohnten direkt neben dem Schelchbauer Schneider, und ich sah ihm oft zu, wie er seine Schelche baute. Ich weiß noch, dass es immer nach Teer gestunken hat, wenn er die Kelche abdichtete", erzählt Ilse Grimmer (Ebelsbach).

Sie hatte mit weiteren knapp 60 Bürgern aus dem ganzen Landkreis das Kulturcafé des Landkreises im Hotel Goger in Augsfeld besucht, bei dem der Stadtarchivar der Stadt Zeil und Heimatforscher Ludwig Leisentritt aus Zeil einen interessanten Vortrag zum Thema "Vom Verkehr längs und quer - Flößerei und Fährbetrieb auf dem Main" hielt.
Über die vielen Gäste freuten sich besonders der Gastgeber, Landrat Rudolf Handwerker, und die Organisatorin Sibylle Kneuer, die angesichts der derzeitigen bayerischen Landes-ausstellung "Main und Meer" in Schweinfurt zu dem Vortrag angeregt hatte.

Lebendige Erinnerung an die Flöße

Leisentritt beleuchtete anhand vieler historischer Fotografien den Fährverkehr auf dem Main und die Geschichte der Flößerei im Landkreis Haßberge. "An die Flöße kann ich mich auch noch gut erinnern", sagt Ilse Grimmer, "denn in der Nähe unseres Hauses in Eltmann wurden früher die Flöße zusammengebaut." Als Kind hat sie oft mit anderen Mädchen und Buben auf den Flößen gespielt. "Eine Mutprobe war, auf einem einzelnen Stamm im Wasser zu laufen", berichtet sie. "Manchmal konnten wir uns auf dem Stamm halten, manchmal aber fielen wir dabei ins Wasser."

Weil sie mit der Tochter des letzten Holzhändlers, Hans Reuther, befreundet war, hatte sie 1954 die Möglichkeit bekommen, zusammen mit ihr ein Floß bis Mainz zu begleiten. Doch sie bekam von ihrem damaligen Chef keinen Urlaub für die Reise und bedauert noch heute, dass sie die aufregende Fahrt nicht hatte antreten können.

Der Main ist in Deutschland der einzige größere Fluss, der von Ost nach West fließt, immer wieder durch Überschwemmungen und Menschenhand in seinem Lauf verändert. In Sand profitierten, wie Ludwig Leisentritt beschrieb, die Korbflechter von der Mainumleitung, die im alten Mainbett geeigneten Boden für den Anbau der Weiden fanden.

Er skizzierte den Schelchbau, der in Knetzgau, Sand und Eltmann zeitweise florierte. Das Handwerk verschwand aber. In Knetzgau wurde der Schelchbau 1953 nur noch von Franz Betz aufrechterhalten.

Albrecht Dürer in Zeil

Er schilderte eine Episode von Albrecht Dürer, der 1520 mit seiner Frau von Bamberg aus eine Flussreise in die Niederlande unternahm. Als er an Zeil vorbeifuhr, schrieb er in sein Tagebuch: "Also fuhr jch von Bamberg gen Eltmann und zeigte mei Zollbrief, do ließ man mich fahren zol frey. Und von dannen fuhren wir für zeil. In mittler Zeit gab jch auß 21 Pfennig. Darnach kam ich gen Haßfurth." Er passierte Zeil aber weit südlicher als heute. Denn bis 1838, wie Leisentritt anhand einer Zeichnung von 1822 zeigte, befand sich das Flussbett in der Nähe von Sand.

Im weiteren Verlauf des Abends schilderte der Referent den Verkehr mit Kähnen, Schelchen und Fähren auf dem Main bei Eltmann, Zeil, Knetzgau, Haßfurt und Theres und ging auch auf verschiedene Brücken über den Main ein. So wurde ab 1727 erstmals eine alljährliche Prozession der Zeiler mit einem Kahn nach Maria Limbach erwähnt.

1863 war die Mainüberfahrt zwischen Zeil und Sand Eigentum der Stadt Zeil geworden, die den Fahrschelch auf jeweils ein Jahr verpachtete. Die 1868 bewilligte "fliegende Brücke" wurde sogar in die Liste der Denkmäler in Zeil aufgenommen. Als 1960 die Zeiler Mainbrücke für den Schiffsverkehr angehoben werden musste, wurde zum letzten Mal eine Fähre zwischen Zeil und Sand eingesetzt. Bei Knetzgau wiederum herrschte ab 1965 Ruhe an der Fährstelle.

Für Haßfurt ist auf einer Karte von 1847 ebenfalls eine Fähre dokumentiert. Denn ab 1632, als die Schweden die bereits 1354 erwähnte Holzbrücke niederbrannten, war die Stadt 235 Jahre ohne einen festen Mainübergang. Erst 1867 wurde eine der ersten Auslegerbrücken in Deutschland dem Verkehr übergeben, die 1961 abgebrochen wurde.

Auch von der Flößerei, die ihre Blütezeit vor dem Ersten Weltkrieg hatte, wusste Leisentritt viel Interessantes zu berichten. So wurden in Eltmann im Jahr 1892 allein 62 000 Tonnen Holz zusammengestellt, und 1905 gab es im einstigen Hauptspannplatz noch 23 Flößer.

Nach den Zeiler Stadt- und Kirchenrechnungen brachten vor allem Flößer aus Kronach, Steinwiesen, Wallenfels, Neusig und Zeyern geschnittenes Holz und Schiefersteine nach Zeil. Sie gingen hier mit ihren "Maynbrettern" hausieren - wie später die Sander mit ihren Körben.

Das endgültige Ende

1840 gab es im Bereich des heutigen Landkreises Floß-Lagerplätze in Dippach, Stettfeld, Eschenbach, Eltmann, Sand, Knetzgau, Augsfeld, Haßfurt, Wülflingen, Wonfurt und Untertheres. 1846 wurde auch in Zeil eine Lände errichtet. Das letzte Floß wurde in Eltmann 1955 zusammengestellt, und das allerletzte Floß passierte die Schleuse Würzburg im Jahre 1968.

Ein Floß auf dem Main durfte maximal 120 Meter lang und neun Meter breit sein. Auf diese Weise wurden rund 500 Stämme transportiert. Oft dauerte es Wochen, bis die Flößer an Ort und Stelle waren. Meistens trieben die Flöße bis zur Rheinmündung bei Mainz, wo sie dann ihre Reise zu noch größeren Flößen rheinabwärts fortsetzten; häufig bis nach Holland, wo die Stämme aus den Haßbergen und dem Steigerwald für den Schiffbau Verwendung fanden. Die ganze Zeit blieben die Flößer auf dem Floß und kochten und schliefen in der Hütte.

1938 heißt es, dass jedem Flößer sieben Liter Bier pro Tag zur Verfügung standen. Bier und Proviant hatten nach alter Tradition die Holzhandlungen zu beschaffen. Ein alter Flößer erzählte, dass einmal auf einem Floßverband etwa 475 Hektoliter Bier gezapft worden seien.