Vor genau einem Jahr tobte nicht nur der Fasching. Es herrschte auch Wahlkampf. Der wurde an Ständen und auf der Straße geführt, aber auch im Internet. Der Wahlkampf ist rum, die Internet-Aktivitäten auf den Homepages der Parteien im Stadtgebiet eingeschlafen, wie ein Probelauf in dieser Woche zeigte.

So vermeldet der CSU-Ortsverband unter "aktuelle Beiträge", dass die damalige Bürgermeister-Kandidatin von ihrem Berliner CDU-Kreisverband Steglitz-Zehlendorf an den CSU-Vorsitzenden, Ministerpräsident Horst Seehofer, "zurückgegeben" wurde. Dieser Eintrag datiert vom 13. Februar 2014, ist somit ein Jahr alt. Seither hat sich auf der Internetseite der Eberner CSU nichts mehr getan.

Kaum besser präsentieren sich die anderen Parteien mit ihren Homepages. Die ansonsten forsche Junge Union (JU) hinkt noch weiter hinterher. Letzter Eintrag: 16. Dezember 2013. Die Benennung der Kandidatenvorschläge für die Stadtratsliste. Dabei hatte die JU vorher mit ihrer EBN-Autokennzeichen-Kampagne große Resonanz erfahren. Dies sollte parallel zur jetzt laufenden Anti-Rechts-vor-links-Aktion eigentlich wiederholt werden. Getan hat sich aber nichts.

Sprung ins neue Jahr

Zumindest auf Facebook sind die JU-Aktivisten etwas fixer. Dort liest man über den Schreck, den die Brandschutzmängel im Kreiskrankenhaus bei den Nachwuchspolitikern ausgelöst haben. Das war am 4. Dezember 2014.

Den Sprung ins neue Jahr geschafft hat die Junge Liste (JL). Am 1. Januar verschickte Stadträtin Isabell Kuhn Neujahrswünsche übers Netz. Wenige Tage zuvor waren es Weihnachtsgrüße gewesen und am 19. Dezember ein Bericht über die Vereidigung von Matthias Becht als Stadtrat und Nachrücker für Sebastian Stastny.

Die Nase vorne hat, wie bei der Wahl, der SPD-Ortsverein. Auf dessen Internetseite findet sich ein Bericht von der Vorstandswahl am 17. Januar dieses Jahres (eingestellt am 21. Januar), auf Facebook gar ein Kurzbericht über die Betriebsbesichtigung in der Metzgerei Fuchs vom Donnerstagabend. Der war (noch?) nicht einmal in der Zeitung.

Keine eigene Homepage hat der FDP-Ortsverband. Zweiter Bürgermeister Harald Pascher verweist auf die Seite des Kreisverbandes. Dort findet sich auch ein Hinweis über die Einführung des Nachtzuges von Bamberg nach Ebern. Datum: 30. Mai 2011.

Auf wenig Aktivitäten lässt auch der Blick auf die Homepage der Alternativen Liste schließen: Am 18. November 2014 wurde ein Beschwerdebrief an den Regierungspräsidenten veröffentlicht. Zumindest die anstehenden Veranstaltungstermine werden aktuell eingepflegt bzw. gelöscht, wenn verstrichen.

Woran es bei der zurückhaltenden bzw. wenig aktuellen Pflege der Parteienseiten hapert, wollten wir von den dort genannten Ansprechpartnern wissen. Antworten gab es so gut wie keine. Lediglich SPD-Ortsvorsitzende Brunhilde Giegold gestand Unzulänglichkeiten ein. "Das funktioniert nicht so richtig. Es kümmert sich niemand federführend darum. Deswegen ist sie auch so schlecht", bekennt die SPD-Chefin. "Natürlich gehört die mehr gepflegt. Dazu bräuchten wir einen Computer-Freak, der daran Spaß hat. Mir persönlich fehlt dazu ganz einfach die Zeit."

Kein Personal

Ähnliche Probleme umtreiben auch Harald Pascher: "Wir als FDP und Freie Bürger haben in Ebern keine eigene Homepage. Dies wäre zwar wünschenswert, ist jedoch aufgrund der sehr geringen Mitgliederzahl vom Arbeitsaufwand nicht zu bewältigen."

Der FDP-Kreisverband Haßberge habe eine eigene Homepage. "Leider ist diese ebenfalls wegen der geringen Mitgliederzahl und des erforderlichen Aufwands nicht auf dem neuesten Stand. Wir werden deshalb bei der nächsten Mitgliederversammlung im März versuchen, einen Ansprechpartner zu finden, der unsere Seite aktuell hält. Seit ich Kreisvorsitzender bin, ist allerdings noch keine einzige Anfrage über unser Kontaktformular bei mir angekommen. Erst neulich habe ich deshalb überprüft, ob Mails über die Homepage tatsächlich auch bei mir ankommen." Zur eigenen Überraschung schiebt Pascher nach: "Es hat funktioniert!"

Nicht funktioniert haben unsere Anfragen über andere Partei-Seiten. Antworten kamen keine.

Dazu eine Weisheit aus der Medienbranche: Wenn ein User eine Internetseite ein zweites Mal aufruft, ohne etwas Neues darauf zu finden, klickt er sie kein drittes Mal mehr an.