Dieser Job wird nicht einfach. Das gab Landrat Wilhelm Schneider dem neuen Flughafen-Chef gleich zu Beginn mit auf den Weg. Doch mit Rolf Schneider habe die Verkehrslandeplatz-GmbH einen "sehr qualifizierten Mann" gewonnen. Nach dem finanziellen Ausstieg der Stadt Schweinfurt steht der 50-Jährige nun vor der Aufgabe, den Erhalt des Flugplatzes zu sichern.

Noch bis Ende des Jahres wird der gelernte Heizungs- und Lüftungsbauer sowie leidenschaftlicher Flieger und Fluglehrer von seinem Vorgänger Günter Mendel eingearbeitet. Der Leiter des Kreisrechnungsprüfungsamtes und ehemalige Datenschutzbeauftragte verabschiedet sich seinerseits nach 27 Jahren am Landratsamt in den Ruhestand. Auf eine solide Basis habe Mendel den Haßfurter Flugplatz in dieser Zeit gestellt. "Wir unterhalten unseren Platz mit deutlich weniger Aufwand als vergleichbare Träger", lobte der Landrat Mendels Arbeit im Rahmen der Kreistagssitzung.

Flugplatz-Situation offenlegen - alternative Konzepte anbieten

Dennoch ist die Zukunft der Einrichtung ein Dauerstreitthema in der Kommunalpolitik des Landkreises. Eine echte Bestandsaufnahme wünscht sich die Linke-Fraktion für den Haßfurter Flugplatz: Wer nutzt den Landeplatz überhaupt, was sind die Einnahmen sowie Ausgaben und wie steht es um seine Zukunftsperspektiven? "Unser Vorschlag lautet: Diejenigen, die den Flugplatz wirklich nutzen, sollen so viel zahlen, dass man bei null rauskommt", skizziert Thomas Dietzel, der Anfang kommenden Jahres Sabine Schmidt als neuer Fraktionsvorsitzender ablösen wird.

Derzeit werde die Einrichtung aus Steuergeldern finanziert, doch die Steuerzahler selbst würden den Flugplatz kaum nutzen. Vom neuen Geschäftsführer Rolf Schneider erwartet Dietzel nun alternative Konzepte. "Der Landrat hat ja angekündigt, bei anderen Landkreisen nachzufragen, wer mitmachen würde - aber wer würde das freiwillig auf sich nehmen?", fragt sich Dietzel. "Selbst die Beiträge des Landkreises Haßberge reichen nicht zur Sanierung aus."

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Bisher sei auch noch nicht bekannt, wer genau hinter dem privaten Investor steckt, der laut Landrat Wilhelm Schneider an einer Beteiligung interessiert sei. "Die Linke ist nicht generell gegen den Flugplatz, sondern dafür, dass er so gestaltet wird, dass es sich lohnt", stellt Dietzel klar. "Im Moment sehe ich aber keine Lösung, wenn sich die Mehrheit im Kreistag weiter stur stellt."

Gegensätzliche Signale: Wie wichtig ist der Flugplatz wirklich?

Unverständnis herrscht auch auf Seiten der SPD: Untermerzbachs Bürgermeister Helmut Dietz könne den Rückzug der Stadt Schweinfurt aus der Trägergesellschaft des Verkehrslandeplatzes nicht nachvollziehen, heißt es in einer Pressemitteilung der Fraktion. Schließlich sei im Vorfeld wiederholt betont worden, wie wichtig der Flugplatz für Schweinfurt und die dort ansässigen Betriebe sei.

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Die laufenden Kosten und damit die Verluste der Gesellschaft würden in erster Linie auf die Aufwendungen zum Instrumentenflug zurückgehen, um auch bei Schlechtwetter ohne Sicht fliegen zu können. "Das war eine Forderung, die sehr stark aus Schweinfurt kam, mit hohem Aufwand umgesetzt wurde und weiter aufrechterhalten wird", sagt Fraktionsvorsitzender Jürgen Hennemann. "Es ist schon verwunderlich, dass der Verkehrslandeplatz plötzlich für Schweinfurt keine Bedeutung als Infrastruktureinrichtung hat", ergänzt die Eberner Kreisrätin Ulrike Zettelmeier.

Die SPD habe sich in der Vergangenheit immer kritisch zur Defizitfinanzierung geäußert, da nicht hingenommen werden könne, dass nur ein paar wenige örtliche Akteure für eine für die gesamte Region wichtige Einrichtung aufkommen sollen. "Das passt auch weiterhin nicht", stellt Hennemann fest. Wenn der Verkehrslandeplatz durch seine Start- und Landezahlen doch von großer Bedeutung für Nordbayern sei, müsse der Freistaat auch seinen Teil dazu beitragen. Zum Vergleich: Auf dem Hofer Flugplatz finden weit weniger Starts und Landungen statt als auf dem Haßfurter Platz. Dennoch erhalte die Hofer Einrichtung eine volle Finanzierung der Flugsicherung durch den Staat.

Gleiche Behandlung für alle - gleiche Kosten für alle

Eine solche Ungleichbehandlung bei der Verteilung von Zuschüssen sei nicht akzeptabel: "Da sind der Landtag und unsere Abgeordneten gefordert", findet Eberns Bürgermeister Hennemann. Wenn die Personalkosten für Flugsicherung auf anderen, weniger stark genutzten Flugplätzen übernommen werden, müsse dies auch für Haßfurt gelten.

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Der Kreistag solle sich daher an die Staatsregierung wenden, schlägt Hennemann vor: "Ein entsprechender Beschluss soll zur Unterstützung der Gespräche des Landrates beschlossen werden. Wer Anforderungen zu Öffnungszeiten beim Verkehrslandeplatz stellt, wie die zuständigen Ministerien, muss auch mitfinanzieren."

Auf Facebook fallen die Meinungen zum Flugplatz weniger eindeutig aus. In einer Umfrage in der Gruppe "Was braucht der Landkreis Haßberge?" wollten wir wissen, wie die Mitglieder zum Streitthema stehen: 45 Nutzer sehen im Flugplatz einen wichtigen Teil der lokalen Verkehrsinfrastruktur und sprechen sich für seinen Erhalt aus; 34 User sind dagegen der Ansicht, der Flugplatz sei überflüssig, verursache zu viele Kosten und werde zu wenig genutzt; 29 Umfrageteilnehmer gaben an, dass sie das Thema Flugplatz generell nicht beschäftige. Facebook-Nutzer Jürgen Lindner hatte einen eigenen Lösungsvorschlag parat: "Macht den Flugplatz wieder zum Sportflugplatz. Da läuft die Sache wieder!"

Weitere Themen aus dem Kreistag: Betreuung und Pflege

Behindertenbeauftragter Hans-Josef Hero wurde als Kommunaler Behindertenbeauftragter verabschiedet, er hatte das Amt seit seiner Einführung im Jahr 2007 inne. Sein Nachfolger Edwin Oppelt übernimmt die Stelle ab Dienstag, 27. Oktober, für zunächst drei Jahre. Der Fatschenbrunner war zuvor Vorsitzender des Personalrats am Landratsamt und unterstützt derzeit bedarfsweise die Mitarbeiter des Haßfurter Gesundheitsamtes am Wonfurter Corona-Testzentrum. Zu den Aufgaben des Behindertenbeauftragten zählen unter anderem die Repräsentation des Landkreises Haßberge durch die Teilnahme an Veranstaltungen und Abstimmungen, berufliche und versorgungsspezifische Unterstützung sowie Stellungnahmen zu Hoch- und Tiefbauprojekten.

Pflegebedarf 2012 hatte der Kreistag beschlossen, vor dem Jahr 2015 kein neues Pflegeheim zu errichten. Davon ausgenommen waren Hausgemeinschaften und Einheiten mit bis zu 50 Pflegeplätzen. Grund für diese Entscheidung war eine Bürgerbefragung, der zufolge alternative und insbesondere ambulante Wohn- und Versorgungsformen bevorzugt werden. Da der Freistaat Bayern ab 2020 mit dem Programm "PflegesoNah" aber die Einrichtung neuer Pflegeplätze fördert - dazu zählen auch Heimplätze für die Dauerpflege - hob der Kreistag diesen Beschluss wieder auf.

Flüchtlinge Das Linke Bündnis beantragte gemeinsam mit den Fraktionen der SPD, Grünen, ÖDP und FDP, dass Landrat Wilhelm Schneider angesichts der Zustände in ausländischen Flüchtlingslagern einen Appell an die Bayerische sowie die Bundesregierung richte. Zudem solle der Landkreis Haßberge in Absprache mit den einzelnen Bürgermeistern mehr Flüchtlinge - insbesondere aus griechischen Auffanglagern - aufnehmen. Sozialamtsleiter Dieter Schauer wies jedoch darauf hin, dass der Kreis weder über die Kompetenz verfüge, die Lage in ausländischen Aufnahmezentren durch Beschlüsse zu ändern, noch die Entscheidungen des Bundes zu beeinflussen. "Die Situation in weit entfernten Flüchtlingslagern ist keine Angelegenheit, die das Gebiet des Landkreises Haßberge betrifft", erklärte Schauer. Zudem sei der Freistaat Bayern bzw. die Regierung von Unterfranken für die Unterbringung Asylsuchender zuständig.

Straßenausbau im Kreis Haßberge

 

 

  • Die Bauarbeiten an der Ortsdurchfahrt Dankenfeld (Kreisstraße 26) werden auf Wunsch der Gemeinde Oberaurach auf 2022 verschoben.

 

 

  • Auch die Stadt Königsberg bittet um einen Aufschub: Betroffen ist hier die Ortsdurchfahrt Hellingen (Kreisstraße 6).

 

 

  • Im Vorfeld der in Wagenhausen geplanten Ausbauarbeiten wurde festgestellt, dass zunächst ein umfangreiches Wasserrechtsverfahren notwendig ist. Zudem seien die Ziele der vorgesehenen Dorferneuerung noch nicht geklärt. Die Arbeiten an der Kreisstraße 27 verschieben sich damit ebenfalls aufs übernächste Jahr.

 

 

  • Auch die Gemeinde Riedbach muss den Ausbau der Ortsdurchfahrt Kreuzthal hinten anstellen. Neuer Starttermin für die Baumaßnahmen an der Kreisstraße 8 ist 2023.

 

 

  • Die Arbeiten an der Kreisstraße zwischen Lichtenstein und Buch können dagegen wie geplant 2021 beginnen.

 

 

  • Anders in Dippach, wo der Ausbau der Kreisstraße 24 ursprünglich fürs kommende Jahr vorgesehen war. Nach aktuellem Stand sollen die Arbeiten nächstes Jahr zunächst ausgeschrieben werden und 2022 starten.

 

 

  • Der Ausbau der Ortsdurchfahrt Holzhausen (Kreisstraße 6 bzw. 7) wird auf unbestimmte Zeit verschoben.

 

 

  • Auch in Kirchlauter verspäten sich die Maßnahmen an der Kreisstraße 58 aufgrund von Kanalbauarbeiten und wegen des Ausbaus der angrenzenden Staatsstraße bis 2022.

 

 

  • Finanzielle Engpässe gibt es beim Ausbau der Goßmannsdorfer Steige: Die Kosten von rund drei Millionen Euro würden den Ausbauplan für mindestens ein Jahr blockieren. Die Tiefbauverwaltung entschied daher, die Grundsanierung der Steige auf 2023 zu vertagen, bis ein konkretes Konzept vorliegt.

 

 

  • Der Ausbau der Kreisstraße 40 und der Bundesstraße 303 bei Burgpreppach steht bereits 2022 an, weil sich die Straße hier in einem sehr schlechten Zustand befindet.

 

 

  • Neu beantragt wurden der Ausbau der Zeiler Straße in Sand, der Kreisstraße 46 bei Buch in Richtung Gereuth sowie der Neubau der Nassachbrücke und der Flutbrücke bei Unterhohenried, die frühestens 2024 umgesetzt werden.