Ende der "Besserbehandlung": Beamte sollen "verstehen", wie Rente funktioniert

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Experten fordern, Beamte in die gesetzliche Rente einzubeziehen - für mehr Gerechtigkeit. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung ordnet Folgen ein.

Die Diskussion ist nicht neu. Wenn es darum geht, ob Beamte mit in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen sollen oder nicht, dann gibt es immer viel Redebedarf. Ganz aktuell hat sich Ökonom und Rentenexperte Axel Börsch-Supan dazu geäußert. Für ihn ist klar, dass die Pensionen weg müssen.

Im Interview mit der Süddeutschen Zeitung (SZ) erklärt er dazu: "Ich halte das für sehr sinnvoll, und zwar aus dem einfachen Grund, dass Beamte verstehen sollen, wie die gesetzliche Rente funktioniert." In seinen Augen tun sie das "nämlich nicht, weil sie ein ganz anderes System haben, aber sie sind ja immerhin für unseren Staat zuständig."

Beamte in der gesetzlichen Rente: Eine Frage der Gerechtigkeit?

Im Mai 2025 hatte Arbeitsministerin Bärbel Bas (SPD) das Thema wieder angestoßen. Der Streit um die Reform kochte hoch. Wenig Verständnis kam damals aus den Reihen des Deutschen Beamtenbundes (dbb). Auch auf Nachfrage von inFranken.de gab es eine klare Absage an die Überlegungen. Silberbach, dbb Bundesvorsitzender: "Einer Zwangs-Einheitsversicherung erteilen wir eine klare Absage."

Für Börsch-Supan sei bei seiner Forderung ein ganz wesentlicher Punkt, es "ein dauerndes Gefühl in unserer Gesellschaft" gebe, "dass das ungerecht ist". Börsch-Supan: "Und dann sollte man diese Ungerechtigkeit auch abschaffen."

Zur Diskussion stellt der Ökonom allerdings die Ansicht, dass es durchaus nicht so richtig sinnvoll sein könnte, diesen Schritt aus finanzieller Sicht zu gehen. Gegenüber der SZ erklärt er dazu, es sei "allerdings ein Verlustgeschäft: die Beamten leben länger und belasten daher die Rentenversicherung." Und dennoch sei er ein Befürworter, denn "dann wäre das dauernde Unbehagen über die Besserbehandlung der Beamten erledigt". Und das, so heißt es im Bericht, halte er für "wichtig, auch wenn es Geld kostet".

Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung ordnet mögliche Folgen ein

Auf Nachfrage von inFranken.de hat das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) auf die Erläuterungen ihrer Rentenexperten verwiesen. Grundsätzlich betrachtet das DIW dabei neben der Gruppe der Beamten auch die Gruppe der Selbstständigen.

Und dabei gilt: "Eine Einbeziehung neuer Gruppen in die gesetzliche Rentenversicherung führt zunächst zu zusätzlichen Einnahmen im Umlageverfahren, da aus diesen Gruppen selbst noch niemand eine Rente bezieht. Dieser sogenannte "Einführungsgewinn" könnte die Rentenkassen über Jahrzehnte entlasten, da es lange dauert, bis neue Rentenanwartschaften aufgebaut sind."

  • Wichtig: Es wäre eine Entlastung über die Mitte des Jahrhunderts hinaus möglich.
  • Der finanzielle Druck durch den demografischen Wandel könnte gedämpft werden.
  • Die langfristig anfallenden steigenden Ausgaben sind in ihrem Umfang aktuell schwer zu berechnen.

Warum Beamte nur schwer in die gesetzliche Rente zu bekommen sind

Gerade bei der Einbeziehung von Beamten in die gesetzliche Rente, sieht das DIW eine durchaus komplexe Lage. Sie stehen demnach in einem besonderen Dienstverhältnis, das ihnen ein finanziell abgesichertes Berufsleben garantiert.

DIW: "Eine Einbeziehung in die gesetzliche Rentenversicherung würde steuerfinanzierte Beiträge zur Rentenkasse bedeuten und damit eine Verbesserung für die Rentenversicherung – eine Umlagerung der Kosten, die insgesamt aber wenig am staatlichen Finanzierungsbedarf ändern würde."

Eine mögliche Reduktion der Pensionsansprüche wäre zudem laut Institut politisch und rechtlich schwierig umzusetzen. Dazu heißt es weiter: "Der Staat kann bei den Beamten also nur wirklich sparen, wenn er auch die Absicherung reduzieren würde."

Weniger Beamte und damit das Rentensystem entlasten

Ein Ansatz, den die DIW-Experten für Rente anführen, lässt sich bereits im August 2025 im Handelsblatt finden. Dort erklärte Martin Werding, Professor für öffentliche Finanzen und Wirtschaftsweiser, dass  eine strengere Verbeamtungspolitik ein wichtiger Hebel sei. Werding: "Dadurch, dass in den Siebziger- und Achtzigerjahren so viele Menschen verbeamtet worden sind, wird die finanzielle Last in den kommenden Jahren stark ansteigen."

Unterstützung gab es damals durch CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann beim "Tag des Handwerks“ in Paderborn. Laut der Welt erklärte er: "Ich möchte nur eins: Dass wir nur noch dort verbeamten, wo es wirklich hoheitliche Aufgaben gibt – aber dann ist irgendwann gut." 

Und auch das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung bringt diese Möglichkeit bei seinen Überlegungen mit ein. Hier heißt es: "Ein pragmatischer Ansatz wäre, künftig weniger Berufsgruppen zu verbeamten. Stattdessen könnten mehr Beschäftigte als Angestellte arbeiten, ähnlich wie es Österreich bereits umgesetzt hat."

Dort, so wird es erläutert, "wurde das Beamtenrecht reformiert, die Zahl der hoheitlichen Tätigkeiten reduziert und die Pensionsregelungen an das allgemeine Rentensystem angeglichen. Das hat die öffentlichen Pensionsausgaben spürbar entlastet".

DIW sieht zu geringe Effekte für Streichung von Beamten

Zwar könnte man eine solche Reform auch in Deutschland durchaus umsetzen, die grundsätzlichen Effekte wären hier aber zu schwach. Sie würden laut Angaben durch "die in Deutschland bedeutsamere Zusatzversorgung im öffentlichen Dienst geringer ausfallen". Heißt:

  • Der Übergang könnte nur schrittweise erfolgen.
  • Nur neu eingestellte Staatsbedienstete könnten weniger häufig verbeamtet werden.
  • Langfristig würden dann Beamte und Angestellte ähnliche Versorgungsansprüche haben.

Die Folge: Für viele Beamte würde das eine Verschlechterung bedeuten. Der Effekt wäre demnach zwar geringer als bei einer vollständigen Abschaffung des Beamtenstatus, aber immer noch spürbar.

Beamte in der gesetzlichen Rente können eine Chance für eine Reform sein

Das Institut sieht den Vorwurf, dass die Integration von Beamten, Abgeordneten und Selbstständigen in die Rentenversicherung ein Nullsummenspiel, nicht gegeben.

Auch kann man der Argumentation nicht folgen, dass "es im schlimmsten Fall aufgrund der im Durchschnitt hohen Lebenserwartung von Beamten sogar eine negative Rechnung für die Rentenversicherung sei".

DIW: "Reformen, die neue Beitragszahlende in die Rente holen, können die Rentenversicherung über Jahre entlasten, auch wenn das Entlastungsvolumen je nach Ausgestaltung begrenzt ist. Die Einbeziehung neuer Gruppen ist kein Allheilmittel, sondern nur ein Teil einer umfassenderen Rentenreform."

Sozialverband VdK begrüßt Überlegungen für Beamte in der gesetzlichen Rente

Zuspruch bekommt die Überlegung für Beamte in der gesetzlichen Rente auch erneut durch den Sozialverband VdK. Gegenüber inFranken.de hat sich die VdK-Präsidentin Verena Bentele zu einer solchen Reform-Idee geäußert.

Bentele: "Wenn wir von sozialer Gerechtigkeit sprechen und das Vertrauen in unser Rentensystem stärken wollen, dann ist es bitter nötig, dass alle Berufstätigen in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen und sich niemand dieser Solidarität entzieht."

Es sei in ihren Augen "nicht mehr zeitgemäß, dass sich Beamtinnen und Beamte sowie Politikerinnen und Politiker außerhalb der solidarischen Rentenversicherung Altersbezüge sichern, die deutlich höher als durchschnittliche Renten sind." Bentele: "Wer über die Zukunft der Rente mitbestimmt, sollte auch selbst in sie einzahlen. Es gibt viele Gründe, ein bestehendes System nach Jahrzehnten zu verändern. Jetzt müssen Privilegien abgeschafft werden, die viele Menschen als absolut ungerecht empfinden."

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