Bei Familie Burger ist manches anders als bei anderen Familien. Fangen wir mit dem Beruf von Vater und Sohn an: Die Berufsbezeichnung "Schmied" gibt es eigentlich nicht mehr. Trotzdem heißt der Zwei-Mann-Betrieb in Ebelsbach nach wie vor "Schmiede Burger" - "weil uns die Leut' nur als Schmied kennen", erklärt Juniorchef Klaus Burger. Der 34-Jährige ist gelernter Metallbauer, sein Vater Erhard (64) hat den Meister als Schmied gemacht.

Alle unter einem Dach

Ebenfalls ungewöhnlich: die Wohnsituation der Familie. Seniorchef Erhard und seine Frau Hanne wohnen über der Werkstatt - zusammen mit Sohn Klaus und dessen Frau Marina.

In zwei Wohnungen? "Nein, alle zusammen", erklärt Sohn Klaus und lächelt, weil er schon weiß, was kommt. Und ja: Auch die Reporterin kann sich nicht zurückhalten und posaunt ein erstauntes "Echt?!" in die erwartungsvollen Gesichter. - "Ja, echt", entgegnen alle unisono.

Mutter Hanne ist darüber ausgesprochen froh und auch stolz auf ihre Schwiegertochter. "Sie hatte eine eigene Wohnung und ist dann bei uns eingezogen. Also, ich hätte das nicht gemacht", sagt sie und kassiert dafür einen strengen Seitenblick ihres Mannes. "Das hat beim Opa funktioniert und wir haben's auch probiert und es funktioniert wieder", erklärt der. Aber selbstverständlich, das weiß auch Erhard Burger, ist das wirklich nicht.

Ab 7 Uhr früh klingelt das Telefon

Schließlich noch die dritte Besonderheit: Die Firma Burger ist ein Unternehmen mit Herz, das lokal tief verwurzelt ist. "Da läutet abends um 21 Uhr das Telefon oder wir müssen Sonntagmorgen zu einem Notfall. Und wenn in der Werkstatt keiner ist, geht die Haustür und die Leute kommen zu mir", erzählt Hanne Burger. Wenn man in Ebelsbach nach dem Schmied ruft, dann kommt der auch.

Bei einem Rundgang durch die Werkstatt fällt auf, dass Vater Erhard eine Passion für den FC Bayern München hegt. Auf jeder Werkbank und auf jedem Werkzeug klebt ein roter FC-Bayern-Aufkleber. Früher war auch der Firmenwagen mit dem Vereinslogo geschmückt. "Aber das machen wir jetzt nicht mehr, das gab nur Ärger", erklärt Juniorchef Klaus und erzählt dann von haarsträubenden Zwischenfällen mit anderen Handwerkern, die ihm und seinem Vater wegen ihrer offen bekundeten Liebe zum FC Bayern böse mitgespielt hätten.

Völlig andere Aufgabengebiete

Mittlerweile ist mein Vater aber ruhiger geworden", meint Klaus und meint damit die Fanliebe. Vielleicht hat ihn auch der Sohn gebremst, der dafür zuständig ist, den Betrieb effizient zu halten.

Denn auch das Schmiedehandwerk ist dem Wandel unterworfen. Erhard Burgers Vater Otto, der vor acht Jahren im Alter von 88 Jahren verstarb, war ein leidenschaftlicher Hufschmied und im ganzen Landkreis bekannt. "Mein Vater hat bis zuletzt gearbeitet, das war sein Leben", erinnert sich Erhard Burger lächelnd. Er selbst hat die Leidenschaft für Pferde nie geteilt. "Ich habe nichts gegen Pferde", beeilt Erhard Burger sich zu sagen. Doch der Schock darüber, dass sein älterer Bruder im Alter von nur vier Jahren von einem Pferd in die Milz getreten wurde und dann verstorben ist, hat er nie überwunden.

Vom Hufschmied zum Klempner

Erhard Burger hat als 14-Jähriger als Lehrling bei seinem Vater Otto angefangen. 2007 hat er den Betrieb übernommen. In der Zeit haben sich die Arbeitsschwerpunkte des Betriebs - parallel zum Zeitgeist - mehrfach geändert. Lange Zeit warteten Burgers die Arbeitsgeräte landwirtschaftlicher Betriebe. "Aber für die riesigen Landmaschinen bräuchten wir mittlerweile einen Kran und einen Stapler, dafür fehlt uns der Platz", erklärt Klaus Burger. Ein weiterer Schwerpunkt waren Kunstschmiedearbeiten an Geländern oder Zäunen. "Das ist aber nicht mehr so gefragt, die Leute wollen jetzt Edelstahl", erzählt Erhard Burger.

Mit Hammer und Amboss

Mittlerweile steht der 64-Jährige wieder regelmäßig an der Esse, um Hand- und Maschinenwerkzeuge für Handwerker zu schärfen. Angefeuert wird mit Schmiedekohle. "Das ist besser für die Umwelt. Steinkohle räuchert alles ein, weil sie furchtbar raucht", so Erhard Burger.

Dank Absaugung und Rußfilter ist es in Burgers Werkstatt picobello, während ein Gebläse das Feuer auf mindesten 1000 Grad Celsius erhitzt.Der Stahl wird auf einem Amboss geschlagen - oder mit dem Luftschmiedehammer in Form gebracht. Eine fleißige Maschine, die den Stahl wie ein wütendes Heinzelmännchen zurecht hämmert und Erhard Burger damit viel Arbeit abnimmt.

Den Feinschliff übernimmt ein Bandschleifer. Trotz der technischen Unterstützung ist die Arbeit bei der Hitze schweißtreibend, darum trägt Burger im Sommer nur eine kurze Hose unter seiner Lederschürze und ein Handtuch über den Schultern.

Weitere Schwerpunkte sind Blecharbeiten (Verkleidungen und Einfassungen) sowie Arbeiten im Sanitärbereich (Badsanierungen, Rohrarbeiten).

Burger kommt in jeden Schrank

"Mein Vater kommt in jeden Spülschrank", witzelt der Junior. "So einen braucht man halt auch", lacht Erhard Burger und spielt damit auf seine eher schmale Statur an. Wie einst sein Vater ist auch Klaus Burger ein leidenschaftlicher Feuerwehrmann. Wenn die Sirene geht, ist der 34-Jährige nicht zu halten. Darüber hat er auch so so manches Mal seinen Vater auf der Baustelle vergessen. "Es kann sein, dass er weg fährt, um Material zu holen und dann nicht wieder kommt", erklärt der Senior augenzwinkernd.

So kam es, dass ein Feuerwehrkamerad Hanne aus dem Einsatzwagen zu rief, sie solle ihren Mann von der Baustelle abholen. "Leider wusste ich nicht, von welcher", erinnert sich Hanne Burger und verdreht die Augen. Es hat lange gedauert, bis sie ihren Erhard aufsammeln konnte. Bei Burgers ist eben manches anderes.