"Gewollt" hatte der Heimatgeschichtliche Arbeitskreis Ebelsbach wie jedes Jahr eine Ausstellung in der Schlosskapelle Gleisenau. "Ungewollt" nannten die drei jungen Künstler Michael Kuhn, Michaela und Paul Reitz die Präsentation ihrer Werke.

Bei der Vernissage hielt Dieter Kraft eine eindrucksvolle Laudatio. Michael Scholl und Angelika Eirich umrahmten die Veranstaltung mit Klangsteinmusik musikalisch. Bürgermeister Walter Ziegler (BNL) freute sich, dass der Heimatgeschichtliche Arbeitskreis jedes Jahr um die Osterzeit die Kühle der Schlosskapelle mit einer Ausstellung erwärme.

Nischen

Dieter Kraft stellte Überlegungen zum Begriff "Kunst" an und meinte, es liege in der menschlichen Natur, dass man Neuem und Unbekanntem erst mit Skepsis oder sogar Ablehnung begegne. Wenn man Kunst verstehen wolle, müsse man sich damit befassen, forderte er.
Sein bereits verstorbener Freund Herbert Roller habe eine wunderbare Definition von Kunst geliefert: "Kunst ist die Suche nach einer Nische, die noch keiner vorher betreten hat."

Michael Kuhn, Michaela und Paul Reitz hätten so eine Nische betreten, ihre Arbeiten seien etwas vollkommen Neues und Eigenständiges. Sie kreierten und setzten ihre Ideen und Vorstellungen in die Wirklichkeit um. Ihre Werke seien in erster Linie Selbstzweck und hielten es mit Arnold Schönbeck, der meinte: "Der Künstler tut nichts, was andere für schön halten, sondern nur, was ihm notwendig ist." Die drei jungen Künstler hätten die Grenze vom Kunsthandwerk zur Kunst locker überschritten, ist Kraft überzeugt.

Michaela Reitz ist selbstständige Friseurmeisterin und hat eine Ausbildung zur staatlich anerkannten Maskenbilderin absolviert. Ihr Mann Paul ist gelernter Lackierer und bei gemeinsamen Arbeiten für Technik und Arrangement zuständig. Michael Kuhn betreibt in Ebelsbach ein Tattoo-Studio, und er weiß, wie man mit Zeichenstift und Farben umgeht.

"Vergänglichkeit"

Dieter Kraft erklärte, beim Betrachten der Arbeiten der jungen Künstler immer wieder das Thema "Vergänglichkeit" zu erkennen. Er zeigte dies an mehreren Beispielen auf. Alle Arbeiten steckten voller Symbolik und regten die Fantasie an, sagte er; bei Michael Kuhn mit anderen Mitteln als bei Michaela und Paul Reitz. Es könne durchaus auch sein, meinte der Laudator, dass der Betrachter bei manchen Werken irritiert sei, weil er nicht wisse, was der Künstler ausdrücken wolle.

Zum Schluss zitierte Kraft noch Otto Ludwig, der einmal sagte: "Jede Kunst schließt ein Handwerk ein. Wo das Handwerk aufhört, da beginnt die eigentliche Kunst." Bei den ausgestellten Arbeiten, so sagte Kraft, höre das Handwerk auf.