Die Raiffeisen-Volksbank Ebern, die als erste Genossenschaft in Deutschland eine Fusion mit Nachbarn aus Thüringen einging, orientiert sich jetzt nach Oberfranken, nicht nach Haßfurt. Die Raiffeisen-Volksbank Lichtenfels-Itzgrund hat ihren Partner im unterfränkischen Ebern, der schon in Seßlach und dem Itzgrund sowie im Heldburger Zipfel tätig war, gefunden. Im Verlauf des Jahres wollen die beiden Nachbar-Genossenschaften zur VR-Bank Lichtenfels-Ebern eG verschmelzen. Die Gründe für die Fusion und das Procedere erläuterten die (noch) vier Vorstände beider Banken am Donnerstag.

Die geplante genossenschaftliche Regionalbank mit einem Bilanzvolumen von 750 Millionen Euro behält ihre beiden Mutterhäuser in Ebern und Lichtenfels sowie die 18 Geschäftsstellen, die nach den aktuellen Umstrukturierungen noch bestehen. "Das Filialnetz in der Breite bleibt bestehen", versicherte Direktor Christian Senff aus Ebern, der eingestand, dass die jüngsten Schließungen für Ärger gesorgt hatten.


Fünf Argumente

Fünf Faktoren gaben nach Aussage von Direktor Thomas Lang den Ausschlag für die Verschmelzung, die bei Vertreterversammlungen noch abgesegnet werden muss. So die veränderten und wachsenden Kundenanforderungen, der demografische Wandel, die Umstellung auf Multi-Kanal-Angebote übers Internet, der Ertrags- und Kostendruck und die ständig steigende Regulierungsdichte. "Viele dieser Arbeiten mussten wir bisher zwei Mal erledigen, das lässt sich nun mit einem Schlag machen." So die EU-Regulierungswut und -flut.

Solche Synergie-Effekte betreffen besonders die internen Abteilungen, wie Buchhaltung, EDV oder Personalleitung. "Kündigungen wird es keine geben", versicherten die Sprecher beider Banken. Einziges "Opfer": Vorstand Bernd Bindrum, vor weniger als einem Jahr von Hammelburg nach Ebern gekommen, wird sich zum Jahresende wieder in den Ruhestand zurückziehen. Bereits bei seinem Amtsantritt hatte er anklingen lassen, einer "möglichen Fusion nicht im Wege zu stehen".

Auf der zweiten Führungsebene würden Bereichsleiter im Zuge der natürlichen Fluktuation ausscheiden. Auch die Möglichkeit von Altersteilzeit-Regelungen wurde angesprochen. Es müssten Mitarbeiter damit rechnen, dass sie künftig nicht mehr an ihrem angestammten Arbeitsplatz tätig sein werden. "Das gilt aber nicht für Zweigstellen", schränkte Bernd Bindrum ein. Standort als Telefonzentrale bleibt Ermershausen.

"Wir werden zur wettbewerbsfähigen, starken Regionalbank, die den Mittelstand künftig noch besser bedienen kann", blickte Senff voraus, der auch die Zielrichtung der Fusionsentscheidung erläuterte. "Wir sind keine Kommunalpolitiker, sondern Bänker." Deswegen habe man sich nicht an Landkreisgrenzen orientiert. "Lichtenfels hatte drei, vier Alternativen, Ebern sieben bis acht. "

Die Fusionsbestrebungen seien keine Entscheidung gegen andere Partner, sondern rein durch die geschäftspolitische Ausrichtung und in der Deckungsgleichheit bei der Geschäfts-Philosophie "auf Augenhöhe" begründet. "Die Geschäftsgebiete ergänzen sich, die persönlichen Kontakte bestehen seit Jahren und die Vertrauensbasis ist vorhanden."

Thomas Lang ergänzte: "Wir standen mit allen Nachbargenossenschaften in Kontakt, die Gemeinsamkeiten mit Ebern sind einfach größer." Christian Senff brachte es auf die einfache Formel: "Wir haben uns gesucht und gefunden."


Der geplante Ablauf

Der Zeitplan für die Fusion, die der Bundesanstalt für Finanzleistungsaufsicht (bafin) bereits angezeigt und den Aufsichtsräten vorgetragen wurde, sieht vor, dass aktuell Mitarbeiter, Vertreter und Bürgermeister informiert werden. Regionale Informationsversammlungen folgen im Mai. Am 27. Juni soll die Vertreterversammlung in Ebern, am 28. Juni die Lichtenfelser mit 75 Prozent zustimmen. Zum 25. November ist die technische Abwicklung der Verschmelzung geplant. Dann kommt auch eine neue Bankleitzahl und IBAN-Nummer.