Naturfreunde, die schon auf die Beobachtungstürme in der Bischofsau warten, müssen sich noch ein wenig gedulden. Dass die vom Zweckverband Naturschutzgroßprojekt Grünes Band beschlossenen Bauwerke noch nicht stehen, liegt allerdings nicht etwa an Corona, sondern ist einem aufwendigen Genehmigungsverfahren geschuldet. Schließlich geht es um Bauvorhaben in einem Naturschutzgebiet. Das geht aus dem Bericht des Projektleiters Stefan Beyer hervor, den er am Donnerstag bei der Sitzung des Zweckverbandes vorlegte.

Die für die kommenden Monate beschlossenen Arbeiten entlang des einstigen Grenzstreifens können allerdings in Angriff genommen werden. Dabei geht es vor allem darum, das Grüne Band als besonderen Naturraum zu erhalten, der in den Jahrzehnten der geschlossenen Grenze entstanden ist. Weil der Mensch ihn geschaffen hat, muss er auch weiterhin mit menschlichem Zutun erhalten werden.

Vielfach übernehmen schon Schaf- und Ziegenherden das Freihalten der Flächen. Dass auch Ziegen in den Herden mitgeführt werden, ist wichtig, weil sie auch Pflanzen fressen, die Schafe stehen lassen würden. Doch wo die Verbuschung bereits zu weit fortgeschritten ist, können auch Ziegen nicht mehr Herr werden.

Schlehen nehmen überhand

Da schickt der Zweckverband Maschinen ins Feld. So etwa bei der Leite bei Harras. Dort sind Nachpflegemaßnahmen geplant. 2017 wurde zwar bereits dort ein Pflegeeinsatz durchgeführt, doch inzwischen haben sich auf weiteren Flächen dichte Schlehenbestände und Haselnusssträucher gebildet, die jetzt gemulcht werden sollen, weil sie die Bildung wertvoller Magerrasenflächen behindern. "Danach ist die Ziegenbeweidung zu intensivieren", so Stefan Beyer.

Zwischen Emstadt und der Itzaue haben sich nach der Erstpflege 2018 bereits solche Magerrasenflächen gebildet. Jetzt zeigt sich aber, dass aus Wurzelstockresten wieder Büsche ausgetrieben haben, die erneut beseitigt werden müssen. Auch hier sollen später Ziegen in intensiver Beweidung die Büsche kurz halten. Im Abschnitt zwischen Emstadt und Weißenbrunn vorm Wald müssen Schlehenhecken gemulcht werden. Außerdem stehen dort 13 Kiefern, die bereits größtenteils abgestorben sind - eine Folge der beiden Dürrejahre 2018 und 2019. Die Bäume werden gefällt.Magerrasen soll wiederhergestellt und weiterentwickelt werden.

Seltene Arten gefunden

Die Fläche verdient besonderes Augenmerk, weil bei der Evaluierung des Naturschutzgroßprojektes Zielarten wie die Heidelerche, die Rotflügelige Schnarrschrecke und das Esparsetten-Widderchen nachgewiesen wurden. Die freigestellten Flächen sollen später wieder beweidet werden.

Landwirtschaftliche Nutzung

Den Offenland-Biotopverbund im Grünen Band wieder herzustellen, ist das Ziel von Arbeiten in der Bischofsau. In diesem Naturschutzgebiet soll eine Fläche entbuscht werden, um dann wieder landwirtschaftlich genutzt werden zu können. Damit wird der Bereich von extensiv genutztem magerem Grünland erweitert, der dem hellen und dunklen Wiesenknopf-Ameisenbläuling als Lebensraum dient. Beide Arten wurden dort gefunden.

Der Abschnitt zwischen Adelhausen und Massenhausen ist in den vergangenen Jahrzehnten stark verbuscht. Dort geht es darum ihn wieder freizustellen. Allerdings sollen landschaftsprägende Bäume und einige dichte Buschgruppen stehenbleiben. Ein Landschaftsbild, das Neuntöter und Baumpieper gerne annehmen. Beide Arten kommen dort vor.

Das letzte Moor erhalten

Die Trockenjahre nutzten Büsche, um Teile des Rottenbacher Moores zu erobern. Sie sollen jetzt in zwei Abschnitten nacheinander von der Waldeigentümergemeinschaft im Auftrag des Zweckverbandes entfernt werden, um das einzigartige Moor zu erhalten. Ein Lebensraumtyp, der in dieser Ausprägung in der weiten Region nicht ein zweites Mal zu finden ist.

Zwei größere Tümpel nache der Itz bei Oberwohlsbach liegen zwar nicht im ehemaligen Grenzstreifen, gehören aber ebenfalls zum Naturschutzgroßprojekt und befinden sich im Eigentum des Zweckverbandes. Sie sind aber in den vergangenen Jahren stark mit Erlen zugewachsen, deren Laub zu einer beschleunigten Verlandung beigetragen hat.

Um diesem Prozess entgegen zu wirken und einen wichtigen Lebensraum für Amphibien und Libellen zu erhalten, werden die Bäume inklusive Wurzeln entfernt und die Tümpel entschlammt. Damit allerdings das zu beauftragende Unternehmen überhaupt erst an die Tümpel heran kommt, muss zuerst ein Teil des Schilfgürtels abgemäht werden, der sich bereits rund um die beiden Biotopgewässer gebildet hat.