Die Schwiegermutter war fester Bestandteil der Dorfgemeinschaft. Zeitlebens hat sie sich in Vereinen engagiert - ob beim Bürgerverein, im Obst- und Gartenbauverein oder leidenschaftlich im Gesangverein. Bei Wind und Wetter hat sie an Gräbern gesungen. Ihre eigene Beisetzung musste im engsten Familienkreis stattfinden. Maximal zehn Menschen durften dabei sein. So hatte sie sich ihre Beerdigung nicht gewünscht. Aber zu Corona-Zeiten waren allen die Hände gebunden - den Angehörigen genauso wie den Bestattern.

Seit einem Jahr ist alles anders. Jochen Gleißner vom Bestattungsinstitut Brehm in Coburg ist einer der ersten Ansprechpartner für Hinterbliebene. Er versucht sie zu trösten. Gerade jetzt, wo Abschiednehmen am Krankenbett oder am offenen Sarg im Fall eines Corona-Patienten nicht möglich ist, kämpfen Angehörige gegen zusätzliche Wut und Enttäuschung.

Gleißner, dem Traditionen und Werte sehr wichtig sind, weiß, was es heißt, auf bestimmte Rituale verzichten zu müssen. "Wenn öffentliche Trauerfeiern mit Freunden, Nachbarn und Vereinskollegen nicht stattfinden können, fehlt den Menschen etwas", weiß der 36-Jährige aus seiner 14-jährigen Berufserfahrung. Zudem stammt er aus einer Bestatterfamilie. Er hat das Bestattungsinstitut Brehm übernommen und seit kurzem leitet er auch das Bestattungsinstitut Mayer in Rödental.

Und dennoch kann er sich an keinen Fall im vergangenen Jahr erinnern, bei dem die Angehörigen "rebelliert" oder sich nicht einsichtig gezeigt hätten. "Die Menschen reagieren überraschend verständnisvoll", sagt er, "ohne große Erwartungen. Traurig sind sie vor allem dann, wenn klar wird, dass auch das anschließende Kaffeetrinken und Beisammensitzen nicht möglich ist." Und dabei sei das so wichtig, weiß der geprüfte Bestatter. Es gehöre zur Trauerbewältigung dazu, nach der Trauerfeier sich gemeinsam an den Verstorbenen zu erinnern, von ihm zu erzählen und ein Gemeinschaftsgefühl zu verspüren.

Musik gibt Trost

"Wir versuchen über die Musik, die Feierlichkeiten besonders würdevoll zu gestalten. Über die Lieblingslieder der Verstorbenen lässt sich viel verarbeiten", ist Gleißner überzeugt. "Die Musik begleitet uns ein Leben lang und ist in schweren Zeiten ein guter Tröster."

Auch der Blumenschmuck ist ohne Probleme möglich. Die Coburger Geschäfte stehen mit den Bestattungsinstituten in engem Kontakt und erfüllen nahezu alle Wünsche.

Die Zehn-Personen-Regelung aus dem ersten Lockdown wurde mittlerweile etwas gelockert. Im Ruhewald beispielsweise dürfen 25 Personen an der Beisetzung teilnehmen, an der Trauerfeier in der Trauerhalle am Coburger Friedhof sind es 20 und im "Haus des Abschieds" bei Brehm 15.

Jochen Gleißner hofft, dass sich die Lage irgendwann wieder ganz entspannt. An den Dezember und die erste Hälfte im Januar denkt er ungern zurück. "Da war die Situation schon ein bisschen dramatisch", erzählt er, der zwei Kühlräume auf seinem Betriebsgelände unterhält. "Obwohl wir normalerweise nur einen Kühlraum brauchen, waren in dieser Zeit beide voll ausgelastet." Jeder zweite Sarg war mit einem roten Zettel markiert: "Infektiös" stand darauf in großen Lettern.

Für seine beiden Mitarbeiter, Dirk Sommerluksch und Werner Geuß, bedeutete das eine besondere Herausforderung. Statt die Toten zu waschen und ihnen ihre Lieblingskleider anzuziehen, durften die beiden Männer den Sarg gar nicht mehr öffnen. Sie mussten ihn nach strengen Hygienevorschriften in Spezialanzügen mit Handschuhen von außen desinfizieren. Das ist auch jetzt noch so. Aber die Zahl der rot gekennzeichneten Särge nimmt permanent ab. "Gott sei Dank", sagt Geuß. Es sei schon belastend gewesen. "Und irgendwie würdelos", ergänzt Sommerluksch. Für die Angehörigen sei das aber noch viel schlimmer, geben die Männer zu bedenken.